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Zehn Jahre Raumlabor "Columbus": Wie Astronaut Schlegel seinen wichtigsten Einsatz ve
AFP / Nasa

Vor zehn Jahren sollte Hans Schlegel das europäische Modul "Columbus" an der ISS installieren. Doch es kam anders. Nun erklärt der Astronaut erstmals, was los war - und was seither in dem Labor geleistet wurde.

y1966277 07.02.2018, 12:37
1. "Rheinbrücken erkennen können"

Ich bin ein wenig verwundert, das Herr Schlegel die Rheinbrücken erkennen konnte. Häufig wird behauptet, das man aus dem Weltall keine menschlichen Bauwerke mit bloßem Auge erkennen kann, insbesondere auch nicht die Chinesische Mauer. Laut kurzer Google-Recherche fliegt die ISS etwa 400 km über der Erde, was noch einmal deutlich über den 100 km liegt die normalerweise als Grenze zum Weltraum angenommen werden. Kann jemand der einschlägig bewanderten Leser etwas dazu sagen?

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nl_nomade 07.02.2018, 13:13
2. Die Erde von der ISS aus betrachtet.

@y1966277 Urteilen sie selbst. https://cogsnscc.maps.arcgis.com/apps/OnePane/basicviewer/index.html?appid=0d1b3909ad9944dab7e29354f465ade7

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_thilo_ 07.02.2018, 13:16
3. @1: grenzwertig

Kann man grob schätzen: Aus 1 m Abstand kann man (mit guten Augen) Gegenstände vom unter 1 mm Durchmesser problemlos sehen. Bei hohem Kontrast kann man auch wesentlich kleinere Dinge wahrnehmen, z.B. einen sehr kleinen hellen Punkt vor dunklem Hintergrund, auch, wenn man dann die Form nicht mehr erkennen kann.
1mm aus 1m Abstand entspricht 1m aus 1 km Abstand entspricht 400m aus 400 km Abstand.
Bei hohem Kintrast durch z.B. Schatten wären also grosse Gebäude oder eine helle Brücke vor dunkler Wasseroberfläche gerade noch drin.

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uhuplus 07.02.2018, 13:24
4.

Zitat von y1966277
Laut kurzer Google-Recherche fliegt die ISS etwa 400 km über der Erde, was noch einmal deutlich über den 100 km liegt die normalerweise als Grenze zum Weltraum angenommen werden. Kann jemand der einschlägig bewanderten Leser etwas dazu sagen?
Die Legende mit der chin. Mauer bezog sich auf die angebliche Sichtbarkeit vom Mond aus.

Mit dem Rhein: simple Geometrie. Der Rhein ist grob 200m breit und 200m erscheinen aus 400km Höhe unter dem gleichen Winkel wie 20cm aus 400m Entfernung betrachtet oder wie 2mm aus 4m Entfernung gesehen. Also gut zu erkennen. Beim richtigen Licht sollten die Brücken daher absolut glaubwürdig zu sehen sein.

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ole#frosch 07.02.2018, 13:48
5. Ja, das scheint zu funktionieren. Wieso sollte der Mann auch lügen?

Zitat von y1966277
Ich bin ein wenig verwundert, das Herr Schlegel die Rheinbrücken erkennen konnte. Häufig wird behauptet, das man aus dem Weltall keine menschlichen Bauwerke mit bloßem Auge erkennen kann, insbesondere auch nicht die Chinesische Mauer. Laut kurzer Google-Recherche fliegt die ISS etwa 400 km über der Erde, was noch einmal deutlich über den 100 km liegt die normalerweise als Grenze zum Weltraum angenommen werden. Kann jemand der einschlägig bewanderten Leser etwas dazu sagen?
"Kann man die Chinesische Mauer vom Shuttle oder von der Raumstation aus sehen?"

Auflösungsvermögen des menschlichen Auges

Die Antwort ist gar nicht so schwierig, denn das maximale Auflösungsvermögen des Auges ist bestens bekannt. Es gibt in der Fovea centralis, also dem Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, etwa 200.000 Zäpfchen pro Quadratmillimeter was bei typisch hexagonaler Anordnung einem Abstand von 1,4 µm (für genau Nachrechner: 1,4 µm = sqrt(1/(200000*6)*4/sqrt(3) [mm**2]) entspricht. Da die Fovea einen Abstand von etwa 22 mm zur Linse des Auges hat, beträgt die theoretisch erreichbare minimale Winkelauflösung des Auges 0,0014/22 = 0,000063 rad = 13“ (Bogensekunden). Dieser Wert passt recht gut zur gemessenen minimalen Winkelauflösung von 14“ bei hohem Kontrast (Hecht et al., 1942). Messungen der Sehschärfe von Astronauten im Weltraum ergaben (bei nicht hohem Kontrast) einen maximalen Fernvisus von et 2,0, was einer Winkelauflösung von 1'/2,0 = 30“ entspricht, also etwa halb so gut wie bei hohem Kontrast. 14“ – 30“ ergeben in 300 km Flughöhe eines Shuttles eine Bodenauflösung von 20 - 44 Meter. Dies stimmt mit meinen Erfahrungen auf meiner Mission STS-55 im Jahre 1993 überein. In meinem Erlebnis-Bildband "In 90 Minuten um die Erde" gebe ich eine minimale Bodenauflösung von etwa 30 Meter an. Nimmt man die beschriebene Bodenauflösung von 20 Metern bei hohem Kontrast, dann lässt sich die Chinesische Mauer mit dem bloßen Auge so gerade aus dem Shuttle und der internationalen Raumstation in 350 km Höhe erkennen, wenn die Sonne schräg auf die Chinesische Mauer fällt und dabei einen breiten, harten Schatten wirft. Das Problem bei der Erkennung der Chinesischen Mauer aus dem All ist aber weniger die grenzwertige Sehschärfe, sondern dass man ganz genau wissen muss, wo man sie zu suchen hat. Deswegen ist sie so schwer erkennbar.

Die maximale Sehschärfe von 14“ wird bei Fernsicht auf der Erde durch das sogenannte Seeing (Atmosphären-Fluktuationen) reduziert, weil sich der Mensch in der Atmosphäre befindet. Befindet man sich aber im All, wo man sich weit weg von den Fluktuationen der Atmosphäre befindet, ist die Sehschärfe vom Seeing jedoch nicht betroffen (siehe mein Artikel "Auf die Erde schau'n mit Marylin Monroe" aus meinem Buch "In 90 Minuten um die Erde"). Dies und nur dies macht die bessere Sehschärfe aus dem Weltraum aus.

Quelle: https://www.welt.de/wissenschaft/article160308209/Kann-man-die-Chinesische-Mauer-aus-dem-All-sehen.html

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herkurius 07.02.2018, 14:58
6.

Zitat von y1966277
Häufig wird behauptet, das man aus dem Weltall keine menschlichen Bauwerke mit bloßem Auge erkennen kann, insbesondere auch nicht die Chinesische Mauer. (...) Kann jemand der einschlägig bewanderten Leser etwas dazu sagen?
ich bin nicht einschlägig bewandert. Ich glaube mich aber zu erinnern, daß dieser Spruch für die Entfernung Erde-Mond galt. Wenn man von der Erdoberfläche aus die ISS sehen kann (kann man, falls sie im Sonnenlicht liegt), sollte man von der ISS aus auch Formen auf der Erde mit Licht und Schatten ausmachen können.

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rn50 07.02.2018, 15:41
7. Alte Kameraden...

Mit Hans Schlegel bin ich auch schon geschwebt...aber nur aus 400 m aus der "Nora" mit dem Fallschirm zur Erde. Da war die Bodensicht normal kein Problem.
R. Neuhaus, vor vielen Jahren 3./ FschJgBtl 262, Oberbexbach/Saar

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adrianhb 07.02.2018, 15:59
8.

Zitat von nl_nomade
@y1966277 Urteilen sie selbst. https://cogsnscc.maps.arcgis.com/apps/OnePane/basicviewer/index.html?appid=0d1b3909ad9944dab7e29354f465ade7
vermutlich haben die verlinkten Fotos eine bessere Auflöung, als das menschliche Auge ...

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Oberleerer 07.02.2018, 19:24
9.

"Davon abgesehen glaube ich aber nicht, dass die ISS tatsächlich im kommenden Jahrzehnt aufgegeben wird. Nach dieser riesigen Investition und bei all den Möglichkeiten, die sie bietet, wäre es absoluter Leichtsinn und ein politischer Fehler, das früher als nötig zu beenden."

Leichtsinn, politischer Fehler? Das bedeutet, die Entscheidung ist schon längst gefallen. Vermutlich gehen in Col-CC bereits dieses Jahr in einigen Büros die Lichter aus.

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