Fotostrecke: Mit einem Stammplatz im Herzen
22.08.2013
Als ich Mitte der Neunziger in meiner Freizeit über die Kunstrasenplätze...
Bongarts/Getty Images

Als ich Mitte der Neunziger in meiner Freizeit über die Kunstrasenplätze Berlins stolperte, trug ich immer ein Bayern-Trikot mit der Nummer 11 auf dem dünnen, langen Körper. Ich war 18, und wenn ich auf dem Platz stand, redete ich viel und traf selten. Mir machte das nichts aus, nur eines störte mich: Wegen der körperlichen Parallelen nannten mich einige Mitspieler Didi Hamann. Dabei war ich nicht Didi Hamann. Ich war Roland Wohlfarth.
Wohlfarth war das genaue Gegenteil von mir, er redete sehr wenig und traf sehr oft. Er hatte außerdem viele Haare. Eigentlich verband uns beide nichts außer der Lust am Essen, die ihm später noch zum Verhängnis werden sollte. Aber als er mein Held geworden war, hatten mich mögliche Parallelen nicht interessiert. Ich wusste ja nicht mal genau, wie Roland Wohlfarth aussah.
Mitte der Achtziger hatte mir mein Vater in der DDR vom legendären Europapokalduell Dynamo Dresdens gegen Bayern München erzählt. Sein perfider Plan: Er wollte mich zum Dresden-Fan machen. Stattdessen wurde ich zum Bayern-Sympathisanten. In der „fuwo“, dem DDR-„Kicker“, verfolgte ich fortan aus der Ferne die Ergebnisse der Münchner. Eines der ersten Bayern-Stenogramme meines Lebens wurde das 5:2 im DFB-Pokalfinale 1986. Dreifacher Torschütze gegen den VfB Stuttgart: Roland Wohlfarth. Das brannte sich ein, für immer.
Im Rückblick war Wohlfarth eine gute Wahl als Held. Er hatte nicht die technische Brillanz eines Brian Laudrup oder die Schnelligkeit eines Adolfo Valencia, aber er machte immer das Beste aus seinen Möglichkeiten. Wohlfarth hatte von allem etwas und etwas, das allen Konkurrenten fehlte: Konstanz. Zweimal wurde er Torschützenkönig der Bundesliga, und als er die Bayern verließ, hatten nur Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge mehr Tore für den Club geschossen: 119. Christian Gödecke