In sieben Schritten: Von Hühnersonnenbrillen zu Colt Seavers 24.11.2017
    1. Schritt: Ein Huhn sieht rot      Eine eigenwillige Mode ging in...
National Band & Tag Company

1. Schritt: Ein Huhn sieht rot

Eine eigenwillige Mode ging in US-Hühnerställen der Vierziger- und Fünfzigerjahre um: Tausende der Vögel trugen auf ihren Schnabelspitzen winzige, meist rosarot gefärbte Sonnenbrillen. Die Modellpalette reichte von einfachen roten Zwickern bis zu einem futuristischen Exemplar mit Scharnieren, das die "National Band & Tag Co." 1939 vorstellte: Es klappte automatisch hoch, wenn die Hühner den Kopf senkten - sodass sie Körner beim Picken besser sehen konnten.

Hinter den kuriosen Brillen steckte eine blutige Angelegenheit. Geflügelzüchter hatten bei ihren Bemühungen, Hühner in größeren Gruppen zu halten, Probleme mit Kannibalismus: Immer häufiger pickten die Tiere sich gegenseitig Federn aus. Begann eines zu bluten, wurde es oft von Artgenossen zu Tode gepickt.

Die roten Hühnersonnenbrillen verhinderten nun, dass die Tiere am Körper von Artgenossen jene Blutflecken sahen, die den kannibalischen Reflex auszulösen schienen. Aus reiner Tierliebe statteten die Züchter ihre Hühner allerdings nicht mit den Brillen aus - es ging darum, den wirtschaftlichen Schaden durch tote Tiere zu minimieren. Züchter befestigten die Schnabelbrillen oft mit einem Bolzen, der von Atemloch zu Atemloch durch die Nasenscheidewand gerammt wurde.

Die Hühnerbrillen trugen dazu bei, ...