Berlinale: Unsere Lieblings-Berlinale-Filme 13.02.2016
 Es war die große Liebe, die Mario Röllig zur versuchten Republikflucht...
Jochen Hick/ Galeria Alaska Prod./ Berlinale

Es war die große Liebe, die Mario Röllig zur versuchten Republikflucht veranlasste – die Liebe zu einem Mann aus dem Westen. Doch der Versuch endete 1987 an einem ungarischen Grenzzaun. Zwei Jahre später aus der DDR-Haft von der Bundesrepublik freigekauft, erlebte er in Berlin (West) eine herbe Enttäuschung, denn der Angebetete präsentierte sich hier als treusorgender Ehemann und Vater einer Familie, die von seinem Doppelleben nichts wusste. 25 Jahre später kann Röllig davon mit einem Lächeln erzählen. Er ist inzwischen Mitglied der CDU, wo er wegen seiner sexuellen Orientierung entsprechende Kämpfe auszufechten hat. Als Vortragender vor Schulklassen oder in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hält er die Erinnerung an DDR-Unrecht lebendig, das führt ihn einmal sogar zu einem Auftritt in den USA, wo er sich mit seinem wenig diskussionsfreudigen Parteikollegen Kurt Biedenkopf konfrontiert sieht – eine der stärksten Szenen in Jochen Hicks Porträtfilm "Der Ost-Komplex"(Panorama), der ganz von seinem einzigartigen Protagonisten lebt. Frank Arnold