Elbphilharmonie: Ein Jahr Elphi 11.01.2018
    Gegen alle Konventionen    Das, was die Elbphilharmonie von den meisten...
Michael Zapf

Gegen alle Konventionen
Das, was die Elbphilharmonie von den meisten Konzerthallen unterscheidet, ist nicht die Akustik und schon gar nicht das Programm. Es geht um das Publikum. Erstens kann man es besser sehen. Gerade von den billigen Plätzen auf den obersten Rängen Y und Z bietet sich ein wunderbarer Blick auf die geschwungenen Terrassen. Man kann den Menschen beim Zuhörern zuschauen, ohne indiskret zu sein, man sieht ihre Mimik, einige schlafen offenbar, andere erscheinen vollkommen entrückt oder erregt. So entsteht das Erlebnis von Gemeinschaft. Für 120 Minuten haben sich 2000 Menschen auf ein zutiefst friedliches Projekt verständigt, auf das Hören von Musik. Zweitens verhält sich das Publikum anders. Weil viele Besucher hier überhaupt zum ersten Mal ein klassisches Konzert hören, gelten die Konventionen nicht mehr. Man klatscht auch mal zwischen den Sätzen, man pfeift anerkennend, wenn der Solist einfach toll war. Die Elbphilharmonie demokratisiert die Kunst. Großartig! Martin Doerry