Holocaust: "Die Liebe ließ mich überleben" - befreit aus dem KZ 27.01.2017
 "Die jungen Mädchen aus Holland baten mich, die Haare nicht zu kurz zu...
Stefan Hanke

"Die jungen Mädchen aus Holland baten mich, die Haare nicht zu kurz zu schneiden. Nur wenige Meter von den Gaskammern entfernt, haben sie nicht verstanden, dass dies ihre letzte Station ist."

Philip Bialowitz, KZ-Überlebender von Sobibór, hält 2014 einen Ziegelstein einer Gaskammer in seinen Händen. Im Hintergrund arbeiten die Archäologen Yoram Haimi und Wojciech Mazurek, die unter einer Asphaltdecke die Fundamente der Gaskammern von Sobibór entdeckt hatten - und damit den Beweis der industriell betriebenen Vernichtungsanlage, die nach Schätzungen zwischen 170.000 und 250.000 Opfer forderte.

Der Sohn eines jüdischen Lederfabrikanten aus Polen wurde Anfang 1943 mit zwei seiner Schwestern und einem Bruder in das KZ Sobibór deportiert. Philip Bialowitz' Schwestern kamen im Gas um, er und sein Bruder mussten als Arbeitshäftlinge nach verstecktem Geld in der Kleidung der ermordeten Juden suchen. Gelegentlich wurde Philip auch als "Friseur" vor den Gaskammern eingesetzt. Im Oktober 1943 wagten die Arbeitshäftlinge, unter ihnen die Brüder Bialowitz, einen Aufstand, bei dem sie mindestens zwölf SS-Angehörige töteten. Die Bialowitz-Brüder gehörten zu den ganz wenigen, die entkommen und den Krieg überleben konnten.