Holocaust: "Die Liebe ließ mich überleben" - befreit aus dem KZ 27.01.2017
 "Als ich zum ersten Mal in die Leichenhalle musste, dachte ich, ich bin in der...
Stefan Hanke

"Als ich zum ersten Mal in die Leichenhalle musste, dachte ich, ich bin in der Hölle. Ich suchte mir eine nicht so schlimm aussehende Leiche, um neben ihr das mitgebrachte tote Baby abzulegen."

Marie-José Chombart de Lauwe steht 2012 an der Treppenanlage zum Ufer des Schwedtsees in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück. In diesen See wurde auch die Asche der Toten aus dem Krematorium geschüttet. Zum Gedenken an die Opfer legt sie eine Nelke auf das Wasser.

Mit 17 schloss sich die Französin 1940 der Résistance an, in der auch ihre Eltern aktiv waren, und konnte als Kurierin Informationen für den britischen Geheimdienst liefern. Nachdem ein Doppelagent die Widerstandszelle auffliegen ließ, wurden Marie-José Chombart de Lauwe und ihre Eltern im Mai 1942 verhaftet. Aufgrund Hitlers "Nacht-und-Nebel-Erlasses" wurden sie und ihre Mutter 1943 ins KZ Ravensbrück verschleppt; als "NN-Häftlinge" existierten sie nun offiziell nicht mehr. Als Krankenpflegerin erlebte sie, wie im Block 11 des KZ Neugeborene in Wassereimern ertränkt wurden, konnte aber helfen, ein Baby vor den Kontrollen zu verstecken. Nach dem Krieg arbeitete sie zeitweise als Hebamme, um ihre schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.