Holocaust: "Die Liebe ließ mich überleben" - befreit aus dem KZ 27.01.2017
 "Ein Arzt mit Kopfspiegel zog mir die Zunge raus, ich versuchte zu schreien -...
Stefan Hanke

"Ein Arzt mit Kopfspiegel zog mir die Zunge raus, ich versuchte zu schreien - unmöglich. Er zwickte mir mit einer Zange das Gaumenzäpfchen ab, ich hatte schreckliche Schmerzen. Der Arzt wollte sehen, ob ich danach noch sprechen konnte, aber er verlor schon schnell sein Interesse an mir."

Alexej Heistver 2013 in seiner Wohnung in Wismar vor den Bildern seiner Söhne, die in Moldawien durch antisemitische Übergriffe zu Tode kamen.

Alexej Heistver, geboren 1941, wuchs im Ghetto der litauischen Stadt Kaunas auf, das die deutschen Besetzer 1943 in ein KZ umwandelten. Als seine Eltern in Lager nach Deutschland deportiert wurden, missbrauchte ein SS-Arzt 1944 den Dreijährigen für pseudomedizinische Forschungen. Alexej konnte nach dem Eingriff nicht mehr sprechen. Nach dem Krieg wurde er von dem sowjetischen Militärjournalisten Major Valentin Heistver adoptiert, lernte zu sprechen, doch der Antisemitismus trübte weiter sein Leben: 1993 starb in Moldawien erst sein Sohn Alexej aufgrund unterlassener Behandlung im Krankenhaus, vier Jahre später erschlug ein nationalistischer Schlägertrupp auch noch seinen Sohn Sergej mit Eisenstangen.