Holocaust: "Die Liebe ließ mich überleben" - befreit aus dem KZ 27.01.2017
 "Ein Stuhl, ein Waschbecken, ein Spiegel. Ich stand stramm im Badezimmer von...
Stefan Hanke

"Ein Stuhl, ein Waschbecken, ein Spiegel. Ich stand stramm im Badezimmer von Rudolf Höß. Höß sagte kein Wort, wie immer, und ich schnitt ihm die Haare - Todesangst, vier Jahre lang."

Józef Paczyński 2012 mit Schere und Kamm in seiner Wohnung in Warschau; gelegentlich hat er noch Bekannten die Haare geschnitten.

In der Grundschule sang er im Chor mit Karol Józef Wojtyla, dem späteren Papst Johannes Paul II. Der Krieg aber beendete seine unbeschwerte Jugend abrupt. 1940 in Auschwitz registriert als Häftling Nummer 121 musste Józef Paczyński im lagereigenen Friseurladen deutschen Offizieren die Haare schneiden, darunter SS-Männern wie dem gefürchteten Lager-Kommandanten Rudolf Höß. Der ließ Paczyński bald sogar regelmäßig in seine Privatvilla holen, wo er dem Kriegsverbrecher und dessen Familie vier Jahre lang fast jede Woche als persönlicher Friseur dienen musste. 1945 wurde Paczyński als Zwangsarbeiter in die Außenlager Melk und Ebensee des österreichischen KZ Mauthausen deportiert und dort befreit.