Junge Wähler in Iran: Alle neu in Teheran? 18.05.2017
    Nazanin Daneshvar, 33, Geschäftsführerin der E-Commerce-Plattform Takhfifan...
Susanne Koelbl/ DER SPIEGEL

Nazanin Daneshvar, 33, Geschäftsführerin der E-Commerce-Plattform Takhfifan in Teheran

"Wenn ich heute nach London oder Berlin fliege, ist das Flugzeug voller Europäer, Touristen, Geschäftsleute. Wir waren so lange abgeschnitten von der Außenwelt, von den Märkten.

Aus der Politik halte ich mich völlig raus. Das ist mein Weg. Ich fokussiere mich nur auf den ökonomischen Erfolg und frage im Ministerium: Was konkret habt ihr für uns gemacht? Als ich aus London und Berlin nach Teheran zurückkehrte, zu Ahmadinejads Zeiten, 2009, flohen gerade alle aus dem Land. Damals durften wir als junge Unternehmer nicht mal einen Fuß in das für uns zuständige Ministerium setzen. Das ist jetzt anders. Ich sehe Fortschritt. Es gibt weniger Widerstand als früher. Präsident Hassan Rohanis Leute hören zu, sie versuchen wirklich zu helfen. Dennoch, es mangelt noch immer an zeitgemäßen Gesetzen, es gibt keine Transparenz. Niemand weiß, welche Regeln gelten. Ministerien konkurrieren miteinander, auch das ist verwirrend.

Viele europäische Banken führen noch immer keine internationalen Überweisungen aus, weil sie amerikanische Aktienbesitzer haben, die Iran boykottieren. Auch US-Präsident Donald Trump ist ein Unsicherheitsfaktor. Wir wissen nicht, was er vorhat.

Die Lage im Mittleren Osten ist extrem schwierig. Ich bin froh, dass in Iran Frieden ist und hier keine Bomben fliegen. Das ist das Wichtigste für mich.

Ich werde selbstverständlich wählen gehen, und ich bin optimistsich, dass Hassan Rohani die Wahl gewinnt. Wir wollen ja kein zweites Venezuela werden und zurückfallen in die dunklen Zeiten."