Gesundheitsrisiko Benzin-Direkteinspritzer Wie schädlich ist Feinstaub?

Moderne Benzinmotoren pusten besonders kleine Feinstaubpartikel in die Luft. Welche Auswirkungen haben diese auf die Gesundheit? Wie kann man sich vor Feinstaub schützen? Der Überblick.

Demonstration gegen die Feinstaubbelastung in Stuttgart (Archiv)
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Demonstration gegen die Feinstaubbelastung in Stuttgart (Archiv)

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Diesel sind schlecht für Umwelt und Gesundheit, Benziner die bessere Alternative. Zu diesem Schluss könnte man nach dem Abgasskandal der vergangenen Jahre leicht kommen. Doch so einfach ist es nicht. Beim Verbrennungsprozess in modernen Benzinmotoren mit Direkteinspritzung entstehen winzige Feinstaubpartikel, die schädlich für die Gesundheit sein können.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Feinstaub.

Was ist Feinstaub?

Man darf den Begriff wörtlich nehmen: Er bezeichnet besonders feinen Staub, den man in der Regel mit bloßem Auge nicht wahrnehmen kann. Smog ist eine Ausnahme. Die Partikel werden nach international anerkannten Kriterien, dem sogenannten PM-Standard, in verschiedene Größen eingeteilt.

Als Feinstaub gelten Partikel, die kleiner sind als zehn Mikrometer (PM10). Ein Mikrometer entspricht einem Millionstel Meter. Seit 2008 werden davon Staubkörner mit einem Durchmesser unter 2,5 Mikrometern (PM2,5) unterschieden. Außerdem gibt es den Begriff des Ultrafeinstaubs (UFP, ultrafeine Partikel), der nun im Zusammenhang mit Benzinmotoren diskutiert wird. Gemeint sind noch feinere Körnchen, die kleiner sind als 0,1 Mikrometer.

Warum sind Feinstaubpartikel gefährlich?

Das Problem mit dem Feinstaub: Je kleiner die Partikel sind, desto weiter dringen sie in den Körper vor, wenn sie eingeatmet werden.

  • Die größeren Feinstaubteilchen, die PM10, verbleiben größtenteils in den oberen Atemwegen, also dem Rachen, der Luftröhre oder den Bronchien.
  • PM2,5 gelangen dagegen bis in die Lungenbläschen.
  • Die ultrafeinen Partikel können sogar in den Blutkreislauf übergehen und so im Prinzip sämtliche Körperregionen erreichen und dort Schaden anrichten.

Man geht davon aus, dass UFP unter anderem in den Blutgefäßen Entzündungsprozesse in den Gefäßwänden auslösen und damit die Arterienverkalkung sowie das Entstehen von Blutgerinnseln fördern.

Sind die ultrafeinen Partikel noch gefährlicher als der restliche Feinstaub?

Ja, weil sie nicht nur in die Atemwege gelangen, sondern auch in den Blutkreislauf wandern können, gelten UFP als noch problematischer als größerer Feinstaub.

Welche Krankheiten löst Feinstaub aus?

Feinstaub reizt Atemwege und Schleimhäute, damit kann er Atemwegsprobleme wie Husten, Atemnot und Asthma entstehen lassen oder verstärken. Auch an der Entstehung von Lungenkrebs können die Partikel beteiligt sind.

Wenn sie ins Blut gelangen, richten sie auch dort Schäden an, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Herzrhythmusstörungen, Arterienverkalkung und Infarkt - steigt.

Menschen, die bereits Atemwegs- oder Herzprobleme haben, sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO besonders durch Feinstaub gefährdet, das gilt auch für Kinder und Senioren.

Wie entsteht Feinstaub?

Grundsätzlich entsteht Feinstaub überall, wo Dreck aufgewirbelt wird. Der überwiegende Teil stammt aus natürlichen Quellen. Vulkane blasen beispielsweise große Mengen Partikel in die Luft. Auch Waldbrände und Wüstensand trägt zur Staub- und Feinstaubmenge in der Luft bei. Mit der Zeit verteilen sich die Partikel weiträumig in der Atmosphäre, sodass die Belastung mit der Entfernung zur Quelle je nach Wetterlage deutlich abnimmt.

Der Mensch erzeugt Staub und Feinstaub vor allem durch Verbrennungsprozesse in der Industrie. Betrachtet man nur die besonders gesundheitsschädlichen Partikel unter 2,5 Mikrometern (PM 2,5), sind nach Industrieprozessen vor allem Haushalte und Kleinverbraucher sowie der Verkehr die wesentlichen Verursacher (siehe Grafik). Haushalte erzeugen Feinstaub beispielsweise durch Kamine und Heizungen sowie Abfallverbrennungsanlagen. Beim Verkehr trägt neben den Verbrennungsmotoren auch der Abrieb von Bremsen und Reifen zur Feinstaubbelastung bei.

Was hat das mit Stickoxiden zu tun?

Feinstaub gelangt nicht nur direkt in die Luft, sondern entsteht auch in chemischen Reaktionen in der Atmosphäre. Ausgangsstoff dafür sind beispielsweise Gase wie Schwefeloxide, Ammoniak, Kohlenwasserstoffe und eben auch Stickoxide. Außerdem können Stickoxide ab einer bestimmten Menge die Atemwege reizen und so Brustschmerzen, Atemnot und Husten verursachen. Sie tragen zum sauren Regen bei und zur bodennahen Ozonbildung im Sommer.

Laut einer Studie hat der Dieselskandal und der dadurch erhöhte Stickstoffausstoß die Menschen in Deutschland zwischen 2008 und 2015 etwa 5600 Lebensjahre gekostet.

Wo gibt es eine besonders hohe Feinstaubbelastung für den Menschen?

Entscheidend für die Gesundheit ist vor allem, wie hoch die Feinstaubkonzentration langfristig in der Umgebungsluft ist. Wer sich häufig an stark befahrenen Straßen aufhält, ist stärker betroffen als jemand, der in einem ruhigen Wohngebiet lebt und sich nur gelegentlich im dichten Verkehr bewegt. Auch Raucher atmen deutlich mehr Feinstaub ein als Nichtraucher. 2016 berichteten Forscher etwa, dass zwei Zigaretten einen Raum deutlich stärker mit Feinstaub belasten als die Abgase von einem Lkw, der acht Minuten im Leerlauf läuft.

Der Gehalt winziger Feinstaubpartikel kann in geschlossenen Räumen auch durch Teelichter und Kerzen in die Höhe steigen. Durch Lüften mit offenem Fenster lässt sich die Belastung reduzieren. Silvesterfeuerwerk spielt in der Gesamtfeinstaubbilanz kaum eine Rolle, weil die Werte nur kurz ansteigen. Der Anteil des Feuerwerks am gesamten durch Menschen verursachten Feinstaub der Größe PM10 beträgt etwa zwei Prozent.

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An Straßen übersteigt die Feinstaubbelastung besonders häufig am Neckartor in Stuttgart den EU-Feinstaubgrenzwert. 2017 war das laut Umweltbundesamt 45 Mal der Fall. Laut EU darf der PM10-Wert maximal 35 Mal im Jahr im Tagesdurchschnitt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschreiten. Die Messstation in Stuttgart war 2017 demnach die einzige in Deutschland, die nicht den Vorgaben entsprach.

Allerdings sind die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich strenger. Demnach darf der Feinstaubwert nicht mehr als dreimal im Jahr erhöht sein. Diese Grenze überschritten 2017 fast 330 von 385 Messstationen.

Kann man sich vor Feinstaub schützen?

Die Möglichkeiten für den Einzelnen sind begrenzt. Als Pendler muss man vermutlich zu den Hauptverkehrszeiten auf der Straße sein. Und wer in einer mit Feinstaub belasteten Gegend wohnt, kann nicht unbedingt umziehen.

In Innenräumen sind die Staubmengen mitunter hoch, weil es dort weniger Luftaustausch gibt. Verlässliche Daten dazu gibt es jedoch kaum, auch weil die Unterschiede zwischen den Haushalten und sogar einzelnen Räumen groß sind. Grundsätzlich gilt:

  • Raucher sollten nach draußen gehen.
  • Nach dem Einsatz von Kerzen und Teelichtern sollte man per Durchzug lüften.
  • Kochen und Braten sollte man am besten unter dem Abzug.
  • Der Staubsauger sollte einen Feinfilter besitzen und die Wohnung gelegentlich auch feucht gewischt werden.
  • Wer einen Kamin hat, sollte ihn möglichst geschlossen halten.

Bei erhöhten Feinstaubwerten gilt der Rat, dass gefährdete Personen (Menschen mit Atemwegs- oder Herzkrankheiten, Kinder, Senioren) größere Anstrengungen vermeiden, damit sie das Herz-Kreislauf-System nicht überstrapazieren.

Ansonsten sind vor allem Politik und Industrie gefragt, den Feinstaubausstoß von Autos und Fabriken zu senken - etwa durch bessere Filter. Jeder Einzelne kann lediglich das Auto wann immer möglich stehen lassen und bei der Auswahl auf ein möglichst schadstoffarmes Modell achten.

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