ADHS bei Erwachsenen Medikamente senken Unfallrisiko

Erwachsene mit ADHS sind überdurchschnittlich oft in schwere Verkehrsunfälle verwickelt, berichten Forscher aus Schweden. Wird die Störung mit Medikamenten therapiert, sinkt laut aktueller Studie das Risiko - allerdings nur bei Männern.

(Un)sicher am Steuer: ADHS-Patienten haben ein erhöhtes Unfallrisiko
Corbis

(Un)sicher am Steuer: ADHS-Patienten haben ein erhöhtes Unfallrisiko

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Das vorweg: In Deutschland erhalten Kinder und Jugendliche wahrscheinlich zu häufig die Diagnose ADHS. Infolgedessen stehen Medikamente gegen die Hyperaktivität zu oft auf dem Rezeptblock. Das schadet den falsch Diagnostizierten. Und für die, die tatsächlich unter ADHS leiden, macht das Image der Modediagnose das Leben auch nicht leichter.

Dabei ist ADHS sogar nicht nur ein Problem Heranwachsender, bei etwa einem Viertel der Betroffenen bleiben die Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen. Weil es ihnen unter anderem schwerfällt, sich für längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren, können sie Probleme im Berufsleben haben. Ein internationales Forscherteam berichtet im Fachjournal "Jama Psychiatry" über eine weitere Gefahr für erwachsene ADHS-Patienten: Sie sind deutlich häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt als Gleichaltrige ohne ADHS. "Der Zusammenhang wurde schon in anderen Studien beobachtet", sagt Esther Sobanski, die am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim die Arbeitsgruppe ADHS bei Erwachsenen leitet. Die aktuelle Arbeit bestätigt diese Ergebnisse nun mit einer sehr großen Patientengruppe.

Schwedische Datensammler

Wenn die Betroffenen Medikamente gegen die Störung einnehmen, senke es das Unfallrisiko, schreiben die Wissenschaftler. Auch das kann Sobanski bestätigen, die in einer kleinen Patientengruppe untersucht hat, wie sich das Fahrverhalten nach Einnahme von Atomoxetin verbessert.

Das Team um Zheng Chang vom Karolinska Institutet in Stockholm wertete Daten von Tausenden Schweden aus. Weil in dem Land jeder Bürger eine persönliche Identifikationsnummer hat und diese in verschiedenen Datenbanken vermerkt ist, konnten die Forscher folgende Eckdaten ermitteln:

  • Alle zwischen 1960 und 1988 Geborenen, bei denen seit 2001 ADHS diagnostiziert wurde: 10.528 Männer und 6880 Frauen. In Schweden dürfen nur spezialisierte Psychiater die Diagnose stellen.
  • Die Zahl der schweren Verkehrsunfälle mit einem darauffolgenden Krankenhausaufenthalt oder mit Todesfolge, in die die Patienten verwickelt waren (zwischen Anfang 2006 und Ende 2009): 897 (Männer), 330 (Frauen).
  • Dies wurde mit einer rund zehnmal so großen Probe der Gesamtbevölkerung - ohne ADHS-Patienten - verglichen, die in Alter, Geschlecht und Wohnort an die von ADHS Betroffenen angeglichen war. Dort verzeichneten die Forscher 3217 Verkehrsunfälle von Männern und 1417 bei den Frauen.
  • Die Zeiträume, in denen die Patienten ein Medikament gegen ADHS verschrieben bekamen. Ob die Patienten andere Behandlungsmöglichkeiten wie etwa eine Verhaltenstherapie nutzen, wurde nicht erhoben.
  • Auch Wohnort, Beziehungs- und Beschäftigungsstatus, mittleres Haushaltseinkommen, die Einnahme anderer sogenannter psychotroper Medikamente, bekannter Drogenkonsum oder mögliche Verurteilungen wegen eines Verbrechens wurden erhoben.

Unfallrisiko halbiert - aber nur bei männlichen Patienten

Das unterschiedliche Risiko, in mindestens einen schweren Verkehrsunfall verwickelt zu sein, wird hier sehr deutlich: Bei Männern mit ADHS lag es bei 6,5 Prozent, bei den Männern ohne ADHS bei 2,6 Prozent. Bei den Frauen waren diese Zahlen etwas niedriger: 3,9 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent.

Bekamen die Patienten Rezepte für ADHS-Medikamente, verringerte sich das Unfallrisiko - allerdings nur bei den Männern. Bei ihnen sank es um mehr als die Hälfte. Bei den Frauen blieb es dagegen in etwa gleich. Eine Erklärung dafür haben die Forscher nicht.

Trotz der großen Datenfülle hat die Studie einige Unsicherheiten: Unter anderem ist nicht bekannt, wer für die Unfälle verantwortlich war. Es wäre möglich, dass ADHS-Patienten mehr Unfälle verursachen. Es ist jedoch genauso denkbar, dass sie in kritischen Situationen schlechter reagieren und so Unfälle nicht vermeiden können, an denen eine anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld trägt. Oder beides trifft zu. Zudem lässt sich nicht sagen, ob die Patienten die verschriebenen Medikamente auch eingenommen haben.

Gefährliche Mischung für den Straßenverkehr

Warum das Unfallrisiko von ADHS-Patienten generell erhöht ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Wahrscheinlich spielten mehrere Faktoren eine Rolle, sagt Sobanski. Unaufmerksamkeit und Impulsivität können im Straßenverkehr verheerende Folgen haben, ebenso eine erhöhte Risikobereitschaft, die mit einer ADHS einhergehen kann. Dazu kann laut Sobanski eine erhöhte Bereitschaft hinzukommen, sich nicht regelkonform zu verhalten - mitunter sehr gefährlich auf der Straße. Auch das erhöhte Risiko für Suchterkrankungen könnte eine Rolle spielen, schließlich ist die Unfallgefahr deutlich höher, wenn jemand betrunken oder unter Drogeneinfluss Auto fährt.

Da die Medikamente direkt in neurobiologische Prozesse eingreifen und so Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeit verbessern, ist es nicht verwunderlich, dass sie auch das Fahrverhalten beeinflussen.

ADHS

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
chemboy 30.01.2014
1. Fahren unter BTM
So, so, ich wusste gar nicht, dass man nach Anwendung von Methylphenidat o.ä. überhaupt noch am Straßenverkehr teilnehmen darf. Grundsätzlich sollten Patienten die entsprechend eingestellt sind, nicht mehr Auto fahren, das würde dann auch den Rückgang der Unfallzahlen erklären...
Bowie 30.01.2014
2. Keine Überraschung...
Bestimmte Medikamente, die in den Gehirnstoffwechsel eingreifen, können selbstverständlich Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Stimmung beeinflussen. Auch wenn diese Vorstellung für viele unangenehm ist, dass "die Seele durch Chemie" beeinflussbar ist. Aber jedes Glas Wein (schließlich mit Ethanol, Polyphenolen, etc. auch "Chemie") schafft genau dasselbe...nur sind wir daran ja gewöhnt und es ist nicht das böse, böse Produkt der Pharmaindustrie...;-).
sarang he 30.01.2014
3. nicht umsonst
werden Substanzen, auf denen die ADHS-Medikamente baieren, seit fast 80 Jahren vom Militär einsetzt, um z.B. Piloten wach zu halten und deren Reflexe zu verbessern.
pigonthewing 30.01.2014
4.
Zitat von chemboySo, so, ich wusste gar nicht, dass man nach Anwendung von Methylphenidat o.ä. überhaupt noch am Straßenverkehr teilnehmen darf. Grundsätzlich sollten Patienten die entsprechend eingestellt sind, nicht mehr Auto fahren, das würde dann auch den Rückgang der Unfallzahlen erklären...
Sie haben []umfangreiche Kenntnisse zu den neurobiologischen Vorgängen und insbesondere deren Veränderungen bei medikamentöse Behandlung von ADHS "Patienten" [X] keinen Schimmer worüber die schreiben, aber eine ausgeprägte Meinung Ich habe mir erlaubt für Sie schon einmal vorab anzukreuzen. ;)
ohne_sorge 30.01.2014
5. Adhs
Also das Thema ADHS kommt mir ziemlich wolkig vor. Plötzlich hat jeder ADHS und der Nachweis liegt in irgendwelchen Statistiken. Ich hatte wegen meinem Kind viel mit Ärzten zu tun. Gerade bei solchen wolkigen Themen ist mein Fazit: Die Ärzte doktorn herum, weil sie mit statistischen Methoden, die sie meist leider gar nicht verstehen auf irgendwelche Ergebnisse kamen. Nach ein paar Jahren findet ein anderer dann wieder etwas anderes heraus und die Karawane gaht dann wieder einen anderen (Irr-)Weg. Hatten wir alles schon mit Butter/ Margarine, Acrylamid in Kaffee, Kaffee/ Wasserentzug usw.
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