Umfrage: Patienten mit Ärzteversorgung überraschend zufrieden

Mediziner malen Schreckensbilder für die Patientenversorgung: In Deutschland fehlen Tausende Ärzte. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt, dass der Ärztemangel bei den Bürgern offenbar noch nicht angekommen ist. Experten warnen vor übereilten Schlüssen - und weiter vor einer Verschärfung der Situation.

Hausarzt mit Patient: Ärzteverbände warnen vor Tausenden fehlenden Medizinern Zur Großansicht
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Hausarzt mit Patient: Ärzteverbände warnen vor Tausenden fehlenden Medizinern

Der deutschen Medizin steht ein Generationenwechsel bevor: Fast 70.000 Ärzte hören in den kommenden Jahren auf zu arbeiten. Seit Jahren warnen die Berufsverbände vor dem drohenden Ärztemangel und Schwierigkeiten bei der Patientenversorgung. Besonders auf dem Land soll es künftig schwierig werden, einen Haus- oder Facharzt in der Nähe zu finden.

Wie jetzt eine aktuelle Umfrage zeigt, merken die Patienten von dem drohenden Ärztemangel aber offensichtlich noch nichts. Ganze 94 Prozent der Menschen sind einer Studie zufolge mit dem Zugang zu Hausärzten und deren Zahl zufrieden. Das hat die Befragung im Auftrag der Krankenkasse Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung ergeben, die am Montag vorgestellt wurde. Demnach waren Befragte auf dem Land grundsätzlich genauso zufrieden wie Städter. Zwar fällt die Zufriedenheit über die Versorgung durch Fachärzte etwas geringer aus. Dennoch sind 85 Prozent der Patienten in der Stadt damit zufrieden, und auch 81 Prozent der Patienten auf dem Land sehen offenbar kein Grund, sich darüber zu beklagen.

Überraschendes Ergebnis

Gerade die Zufriedenheit der Landbevölkerung überrascht, denn hier warnen verschiedene Ärzteverbände regelmäßig über Versorgungslücken. "Zu unserem Erstaunen sind die Unterschiede eher gering", sagte Barmer-GEK-Chef Christoph Straub. Allerdings zeigt die Studie auch: Je weiter der Arzt weg ist, desto unzufriedener sind die Leute.

Terminprobleme, die regelmäßig für Schlagzeilen sorgen, bereiten der Umfrage zufolge den wenigsten Versicherten Schwierigkeiten. Gerade einmal sechs Prozent hatten bei Hausärzten schon einmal Probleme, elf Prozent der Patienten bei Fachärzten.

Allerdings fürchten auch die Befragten Probleme für die Zukunft: Über 60 Prozent rechnen damit, dass sich die Anzahl der Fachärzte nicht verändern wird. Mit 34 Prozent glauben deutlich mehr Menschen auf dem Land, dass die Zahl der Fachärzte in ihrer Region abnehmen wird.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, warf der Barmer GEK falsche Schlussfolgerungen vor. "Es ist ein Trugschluss zu glauben, der Ärztemangel werde überdramatisiert, weil die Bevölkerung diesen jetzt nicht spüren würde." Bis zum Jahr 2020 gingen schätzungsweise 66.830 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand. "Die Situation wird sich also drastisch verschärfen." Wer den Ärztemangel in Frage stelle, verkenne die Situation.

Die Koalition hatte mit dem Versorgungsstrukturgesetz Weichen gestellt, um Ärzte verstärkt auf dem Land anzusiedeln. So wurde die Pflicht gelockert, nach der die Ärzte bisher nahe ihrer Praxis wohnen mussten. So sollen auch verstärkt Mediziner aus Städten auf dem Land zum Einsatz kommen - etwa indem sich mehrere Ärzte tageweise die Versorgung in einer Region teilen.

dba/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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1. optional
sprechweise 10.12.2012
In Deutschland gibt es zu viele Ärzte, nicht zu wenige (bestenfalls auf dem Land). Und (fast) alle wollen Porsche fahren. http://www.sgipt.org/gesko/arztdich.htm
2. Darum warte ich ja auch ein halbes Jahr
Spiegelwahr 10.12.2012
Darum warte ich ja auch ein halbes Jahr, wenn ich mal einen Termin bei einen Facharzt zu einer normalen Untersuchung brauche, weil wir ja soviel Ärzte haben. Neue Patienten werden regelmässig weiter geschickt weil meine Ärzte total unterbeschäftigt sind. Man kann nur noch vor Wut lachen wenn man diese Krankenkassendreck hört. Wir haben in Deutschland soviel Ärzte wie noch nie davor, aber die Fachärzte benehmen sich wie Götter und sind doch nur Menschen, wenn man was von ihnen will. Einen Gott würde ich auch wie eine Gott behandeln, nur leider sind es nur Menschen und Dienstleister, die in schweren Fällen nur die Syntome lindern und nicht die Krankheit heilen können. Leider hat der Arzt in den letzten Jahren immer mehr an Ansehen und Respeckt und Achtung verloren, was auch eine grosse Schuld der Ärztefunktionäre und aller Gesundheitspolitiker ist. Billiger wurde uns versprochen, bekommen haben wir eine Billigmedizin bei Apothekerpreisen mit Zwangsmedikation durch Krankenkassen und Politiker. Nicht der Arzt entscheidet über das Medikament, sondern die Krankenkasse und der Apotheker bestimmen, was man für ein Medikament man zu schlucken hat.
3. Logisch!
frank.w 10.12.2012
Das (sogenannte) Experten warnen - es sind ja in Wirlichkeit auch Lobbyisten...!
4. Genau!
eigene_meinung 10.12.2012
Es gibt genauso zu wenige Ärzte wie es zu wenige Ingenieure gibt.
5. Es k@tzt mich an
mainjj67 10.12.2012
Zitat von sprechweiseIn Deutschland gibt es zu viele Ärzte, nicht zu wenige (bestenfalls auf dem Land). Und (fast) alle wollen Porsche fahren. Arztdichte und Gesundheitskostenj (http://www.sgipt.org/gesko/arztdich.htm)
Wann hört dieser Schei@ mit dem Porsche fahren endlich einmal auf? Durch immerwährendes Wiederholen dieses Klischees wird es nicht richtiger. Die Arztdichte in D ist im Vergleich zu ähnlich zivilisierten Ländern in etwa gleich (natürlich gibt es auch Ausnahmen, dort aber meist mit erheblich längeren Wartezeiten als in D).
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