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Ärztliche Behandlungsfehler: Zahl der Verdachtsfälle steigt

OP-Saal: Die meisten Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler betrafen Chirurgen Zur Großansicht
DPA

OP-Saal: Die meisten Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler betrafen Chirurgen

Rund 14.600-mal gingen die Krankenkassen 2014 dem Vorwurf nach, dass Ärzten bei der Behandlung ein gravierender Fehler unterlaufen ist. In knapp 4000 Fällen bestätigte sich der Verdacht.

Im vergangenen Jahr haben mehr Patienten bei ihrer Krankenkasse einen Verdacht auf Behandlungsfehler geltend gemacht als in den Vorjahren. Die Zahl der entsprechenden Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) stieg binnen eines Jahres um gut 2000 Fälle auf 14.663 an.

In 3796 Fällen erkannten die Gutachter einen Behandlungsfehler, durch den Patienten geschädigt wurden, teilte der MDK mit. Die Zahl war im Vorjahr nur unwesentlich geringer, mit 3687 Fällen. In 155 Fällen starben die Patienten laut den Gutachtern im Kassen-Auftrag an den Folgen eines Fehlers oder damit zusammenhängenden Komplikationen. 1294 Patienten erlitten einen Dauerschaden. "Die Zahlen sprechen dafür, dass von einer Entwarnung keine Rede sein kann", sagte Vize-Geschäftsführer Stefan Gronemeyer.

"Es ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen", sagte die MDK-Ärztin Astrid Zobel. Die meisten Vorwürfe bezogen sich auf operative Eingriffe.

Der MDK weist darauf hin, dass die Zahlen nicht die Behandlungsqualität widerspiegeln, da sie nicht die Gesamtzahl der Behandlungen und Behandlungsfehler repräsentieren.

"Auch bei größter Sorgfalt passieren Fehler im Krankenhaus, in der Arztpraxis und in der Pflege. Uns geht es um einen offenen Umgang mit Fehlern, damit die Patienten entschädigt werden", sagte Gronemeyer.

Schnelle Hilfe für Betroffene gefordert

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit forderte, den Leidensweg von Betroffenen bis zu einer Entschädigung zu verkürzen. Oft würden Gutachten, darunter die des MDK, vor Gericht nicht anerkannt, sagte der Geschäftsführer des Bündnisses, Hardy Müller. "Gerade in solchen Fällen dauert es oft sehr lange, in der Mehrzahl der Fälle über fünf Jahre, bis ein Verfahren abgeschlossen ist."

Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse zeigt, dass es in 39 Prozent der untersuchten Fälle fünf bis zehn Jahre dauere, bis über eine Entschädigung entschieden sei. In 19 Prozent dauerte es demnach sogar noch länger.

Müller forderte: "Wir dürfen die Menschen nicht zum zweiten Mal zu Opfern machen." Die Schadensregulierung müsse deutlich verbessert werden. "Die Gutachten müssen eine bessere Anerkennung finden." Sie würden schließlich nach internationalen wissenschaftlichen Standards verfasst. Zudem werde es heute in der Regel den Patienten aufgebürdet, Informationen über den Verlauf der Behandlung von den Ärzten einzuholen.

Müller machte sich für die Einrichtung eines Fonds zur Entschädigung von Patienten stark. So ein Geldtopf könne eine gute Ergänzung sein, wenn sehr schwere Fälle aufträten. "Das Problem ist, dass viele Betroffene nach einem Schaden nicht mehr arbeiten können und das Leben existenziell bedroht ist. Dann 10 bis 15 Jahre lang zu klären, wer haftet, ist unzumutbar."

Was tun, wenn der Arzt krank macht?

wbr/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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1. Wen wunderts?
harwin 20.05.2015
Wen wunderts, das sind die Folgen des Ärztemangels, und der Einsparwelle in Krankenhäusern. In Kliniken halten sich die wenigsten an vorgeschriebenen Arbeitszeiten. Ärzte haben oft extrem viele Überstunden, die Folgen von zu wenigerer Regeneration sind halt nun mal Fehler. Umso gravierender wenn Menschen von diesen Fehlern betroffen sind. Die Profitgier gehört außerdem nicht in den Gesundheitsbereich, Krankenhäuser sollten wie es mal war sich um die Gesundheit des Patienten kümmern, nicht mehr um den Profit den sie zu erwirtschaften haben. Back to the roots wäre meine Devise, so lässt sich viel Leid ersparen.
2. Überforderte Ärzte
FuxHQ 20.05.2015
Als Physiotherapeut stelle ich fest, das min. 50% der ärztlichen Diagnosen falsch sind, bzw. es sich nicht um Diagnosen handelt, was auf denn Verordnungen drauf steht. Das liegt an folgenden Gründen: die Ärzte haben nicht ausreichend Zeit für eine gründliche Untersuchung, dann verlassen sie sich zu sehr auf Bildgebendenverfahren. Und die ärztliche Ausbildung ist zu einseitig auf Pharmakologie ausgerichtet, so das sie die Patienten nicht angemessen klinisch Untersuchen können. Um ehrlich zu sein, ich hatte erst eine Heilmittelverordnung in den Händen gehalten, wo EXAKT drauf stand, was der Patient hatte und was zu tun ist. Sonst immer nur leere Phrasen. Da dem so ist, kann die Zahl im Artikel nicht stimmen. Sie ist viel, viel höher. Allein was ich an falschen Diagnosen und Fehlbehandlung im Jahr sehe, könnte ich zwei Bücher pro Jahr schreiben.
3. Mit Ansage:
hojas 20.05.2015
durch die Dienste arbeiten Ärzte pausenlos, wo man jeden LKW-Fahrer (zu Recht) schon lange aus dem Verkehr gezogen hätte. Da sich viele das nicht antun wollen, kommen dann ausländische Ärzte, die nicht einmal richtig verstehen, was die Patienten sagen. Anekdote von vor ein paar Jahren: Ein Patient klagte nach einem Verkehrsunfall über Genickschmerzen. Der ausländische Arzt hat nichts kapiert und notierte auf dem Zettel 'Schmerzen im Knick' - so kann das nicht funktionieren!
4. Und dann noch Hygiene
hojas 20.05.2015
Zitat von harwinWen wunderts, das sind die Folgen des Ärztemangels, und der Einsparwelle in Krankenhäusern. In Kliniken halten sich die wenigsten an vorgeschriebenen Arbeitszeiten. Ärzte haben oft extrem viele Überstunden, die Folgen von zu wenigerer Regeneration sind halt nun mal Fehler. Umso gravierender wenn Menschen von diesen Fehlern betroffen sind. Die Profitgier gehört außerdem nicht in den Gesundheitsbereich, Krankenhäuser sollten wie es mal war sich um die Gesundheit des Patienten kümmern, nicht mehr um den Profit den sie zu erwirtschaften haben. Back to the roots wäre meine Devise, so lässt sich viel Leid ersparen.
Dank der Sparwut wird noch an der Reinigung gespart, so dass nachweislich Türklinken, Toiletten oder Aufzugknöpfe wochenlang nicht gereinigt werden. Und dann wundert man sich, wenn sich reihenweise Patienten mit resistenten Keimen anstecken!
5. Es ist erschreckend...
gantenbein3 20.05.2015
...mit welcher Willfährigkeit sich viele Krankenhausärzte dem Diktat der Ökonomen, wie z.B. Roland Berger, beugen, die ihnen Behandlungsabläufe vorgeben, die an Fließbandarbeit erinnern. Unter den in den Kliniken herrschenden Bedingungen sind Behandlungsfehler vorprogrammiert. Dazu kommt ein fürchterlicher Verlust an Empathiefähigkeit, insbesondere bei vielen jungen ÄrztInnen, die kein Gefühl dafür zu haben scheinen, dass der Behandlungserfolg nicht nur von teuren Apparaten abhängt, sondern v.a. davon, was sie den PatientInnen an persönlicher Zuwendung zu geben bereit und in der Lage sind: nämlich so gut wie nichts. Die im vermeintlichen Interesse an Kosteneinsparung immer weiter zunehmende Kommerzialisierung der Medizin ist ein erstklassiger Holzweg, der noch viele Menschen die Gesundheit und das Leben kosten wird.
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