UNAIDS-Bericht "Aids-Epidemie zur Umkehr gebracht"

Die Vereinten Nationen verkünden einen Erfolg im Kampf gegen HIV: 15 Millionen Menschen bekommen derzeit lebensrettende Arzneien. Das neue ehrgeizige Ziel: Die Epidemie soll 2030 beendet sein.

Die Aids-Schleife auf dem Globus: Stetig sinkende Zahl von Neuinfektionen
DPA

Die Aids-Schleife auf dem Globus: Stetig sinkende Zahl von Neuinfektionen


Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV sind seit dem Jahr 2000 stark zurückgegangen. Noch vor 15 Jahren hatten sich rund 3,1 Millionen Menschen neu mit dem Virus infiziert. 2014 seien es nur noch etwa zwei Millionen gewesen, heißt es im Bericht des Aidsprogramms der Vereinten Nationen (UNAIDS).

"Die Welt hat es geschafft, die Aids-Epidemie anzuhalten und zur Umkehr zu bringen", sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Dank der weltweiten Bemühungen seit dem Jahr 2000 steckten sich dem Bericht zufolge 30 Millionen Menschen gar nicht erst an und acht Millionen Todesfälle konnten vermieden werden.

15 Millionen Menschen im Jahr 2015 eine lebensrettende HIV-Behandlung zukommen zu lassen sei nun sogar schon vor Ablauf der Frist in diesem Jahr erfüllt worden, teilte UNAIDS mit. Dieser Meilenstein zeige, dass die Staatengemeinschaft sich ehrgeizige Ziele setzen und sie erreichen könne, so Ban. Die Bekämpfung der HIV-Epidemie gehört zu den acht im Jahr 2000 vereinbarten Millenniumszielen der Vereinten Nationen.

Der nächste Schritt müsse das "ehrgeizige, aber realistische" Ziel sein, die Epidemie bis 2030 ganz zu beenden, forderte Ban. Dafür müssten die Mittel für den Kampf gegen HIV in den kommenden fünf Jahren von derzeit rund 22 Milliarden US-Dollar um etwa acht bis zwölf Milliarden Dollar pro Jahr erhöht werden, so der UNAIDS-Bericht. Seit 2000 wurden den Vereinten Nationen zufolge weltweit geschätzt 187 Milliarden Dollar in den Kampf gegen HIV investiert.

Neue nachhaltige Entwicklungsziele

Zur Jahrtausendwende stellte HIV in ärmeren Ländern oft noch ein Todesurteil dar. Damals starben dem Bericht zufolge weltweit jeden Tag rund 4300 Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids. Nur 700.000 Betroffene hatten Zugang zu den nötigen Medikamenten. Inzwischen erhalten weltweit 15 Millionen Menschen den Cocktail aus Tabletten, mit dem das HI-Virus langfristig in Schach gehalten werden kann.

Vor 15 Jahren noch seien die Medikamente "nur für Reiche, nicht für Arme" gewesen, sagte UNAIDS-Chef Michel Sidibé. Die Lebenserwartung HIV-Infizierter stieg demnach seit 2000 von 36 auf 55 Jahre, die Zahl der Todesfälle sank von 2 Millionen auf 1,2 Millionen pro Jahr. UNAIDS hofft, dass die Zahl der Todesfälle und Neuansteckungen bis 2030 auf je 200.000 zurückgehen wird.

Der Uno-Bericht wurde in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba vorgestellt, wo derzeit rund 5000 Delegierte aus 193 Staaten über eine Finanzierungsstrategie für die neuen globalen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen beraten. Die sogenannten nachhaltigen Entwicklungsziele sollen ab nächstem Jahr die im Jahr 2000 vereinbarten Millenniumsziele zur Armutsbekämpfung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung ablösen.

Steigende Zahlen in Deutschland

In Deutschland steigt die Zahl der HIV-Neudiagnosen entgegen dem weltweiten Trend derzeit wieder an. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 3525 neue Diagnosen gemeldet - ein Anstieg um sieben Prozent im Vergleich zu 2013, hatte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin kürzlich berichtet. "Ein großer Teil der Betroffenen stammt aus Ländern, in denen HIV besonders häufig ist", teilte die Deutsche Aids-Hilfe mit. Die Übertragung habe meistens im Herkunftsland stattgefunden.

Die Uno-Verantwortlichen appellierten, in den Anstrengungen zur Eindämmung von HIV nicht nachzulassen. Bis 2020 müssten dafür pro Jahr rund 29 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Derzeit gibt es weltweit rund 36,9 Millionen HIV-Infizierte. Davon leben 70 Prozent in Afrika südlich der Sahara.

hei/AFP/dpa

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