Einst kam die Diagnose HIV-positiv einem Todesurteil gleich. Doch immer mehr Menschen leben inzwischen seit vielen Jahren mit HIV, ohne schwere gesundheitliche Probleme. In gut einer Woche wird das Altern der Patienten eines der vielen Themen auf der jährlichen internationalen Aids-Konferenz sein. Pünktlich vor dem Start des Kongresses hat das Robert Koch-Institut (RKI) seinen Jahresbericht "HIV-Infektionen/Aids" veröffentlicht: Demnach stieg seit dem Jahr 2001 die Zahl gemeldeter HIV-Neuinfektionen in Deutschland stetig - nun ist sie erstmals wieder leicht gefallen.
2011 seien 2889 Fälle vermerkt worden, 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr, berichtet das RKI. Angesichts der langen Zuwachsphase sei der Rückgang bemerkenswert, heißt es im "Epidemiologischen Bulletin" vom Montag. Zudem erfasste das RKI im vergangenen Jahr 502 Menschen, die neu an der Immunschwächekrankheit Aids als Folge einer HIV-Infektion erkrankt sind.
"Die Zahlen der neu diagnostizierten Infektionen spiegeln aber nicht zwangsläufig das aktuelle Infektionsgeschehen wider", sagt Mitautor Osamah Hamouda. Von der Infektion bis zum Auftreten von Symptomen könnten Jahre vergehen. Ein Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt sei nicht möglich, da HIV-Infektion und -Test weit auseinanderliegen könne, heißt es in dem Bericht. Außerdem lasse sich nicht jeder Betroffene testen. Deshalb seien nur Schätzungen über die tatsächliche Zahl der Infektionen möglich. Experten sprechen dann von der Prävalenz, also der Anzahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden Infektionen.
Auch bei Schwulen weniger Neuinfektionen
Mit rund 55 Prozent der diagnostizierten Neuinfektionen stellten homosexuelle Männer erneut die größte Gruppe. Bei ihnen sank die Zahl der Neuinfektionen aber deutlich von 1697 im Jahr 2010 auf 1574 in 2011 - ein Minus von sieben Prozent.
Das Institut warnte vor vorschnellen Interpretationen des Rückgangs als Trendwende. Die Entwicklung sei wahrscheinlich in erster Linie mit einer besseren Behandlung von Menschen mit HIV-Diagnose und einer Ausweitung von niedrigschwelligen Testangeboten zu erklären. Mit Medikamenten könne die Ansteckungsgefahr deutlich vermindert werden, die Tests sorgten dafür, dass weniger Infektionen unbemerkt blieben. In den USA war vor kurzem sogar ein HIV-Schnelltest für zu Hause zugelassen worden.
15,7 Prozent der Neudiagnosen wurden dem Bericht zufolge bei Frauen gestellt. Das sind 0,7 Prozent mehr als es 2010 waren. Im Laufe der Jahre hat sich der starke Männeranteil verfestigt: Seit 2003 ist er um fast zehn Prozent gestiegen. So niedrig wie noch nie seit Beginn der gesonderten Erfassung war die Zahl der Drogenkonsumenten. Auf sie entfielen 90 Infektionen, was einem Anteil von drei Prozent entspricht.
In Deutschland wurden bisher insgesamt 28.453 Menschen mit einer Aids-Erkrankung registriert. 14.294 Todesfälle infolge der Erkrankung wurden an das RKI berichtet.
cib/dpa
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