Aids-Risiko: HIV-Medikamente schützen vor Infektion

Von Julia Merlot

Aids: Pillen gegen die HIV-Infektion
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REUTERS

Moderne HIV-Medikamente reduzieren das Ansteckungsrisiko. Eine aktuelle Studie bestätigt nun: Auch wenn Nichtinfizierte die Mittel nehmen, sinkt die Gefahr der Übertragung. Das Ergebnis könnte die Debatte um den Einsatz der Medikamente zur Prävention auf der Internationalen Aidskonferenz anheizen.

Die Nachricht befeuert eine hitzige Diskussion: Sollen Menschen vorbeugend mit HIV-Medikamenten behandelt werden - ohne, dass sie mit dem HI-Virus infiziert sind? Knapp zwei Wochen vor der Internationalen Aidskonferenz in Washington präsentieren Wissenschaftler der Cochrane Collaboration einen umfassenden Bericht, der bekräftigt, dass sogenannte antiretrovirale Medikamente bei Nichtinfizierten das Risiko für eine Infektion senken. Bis heute ist es allerdings umstritten, die Aids-Medikamente als Prophylaxe einzusetzen.

Die Cochrane-Forscher analysierten Daten aus sechs Studien, in denen die Teilnehmer täglich das HIV-Medikament Tenofovir einnahmen. Einige von ihnen nutzten zusätzlich das Virostatikum Emtricitabin. Die Mittel sollen dafür sorgen, dass sich die HI-Viren nicht ungestört ausbreiten können.

Knapp 10.000 Menschen bezogen die Forscher in ihre Analyse ein: Homosexuelle, Menschen mit HIV-positiven Partnern, Prostituierte und Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern. Die Daten aus vier der Studien mit insgesamt mehr als 8800 Teilnehmern zeigten, dass Tenofovir gemeinsam eingenommen mit Emtricitabin das Risiko fast halbiert, sich mit HIV zu infizieren. Daten aus zwei Studien mit insgesamt über 4000 Menschen ergaben, dass die Wahrscheinlichkeit um mehr als zwei Drittel sinkt, wenn man Tenofovir alleine zu sich nimmt.

Die Studie im Detail
Die Forscher wollten die Frage beantworten, ob eine Behandlung mit antiretroviralen Wirkstoffen bei nicht mit HIV infizierten Menschen eine Ansteckung verhindern kann.
Die Medikamente schützen und behandeln

Tenofovir ist ein antiretrovirales Medikament, das HIV-Patienten bekommen. Bei der antiretroviralen Therapie (ART) sollen verschiedene Wirkstoffe verhindern, dass das HI-Virus sich ungehindert vermehrt. Das bremst den Ausbruch der Immunschwäche Aids, im besten Fall verhindert es die Folgekrankheiten der HIV-Infektion vollständig.

Bereits seit einiger Zeit werden antiretrovirale Medikamente vor allem in Studien auch prophylaktisch von gesunden Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko eingenommen - etwa, wenn diese mit einem infizierten Partner zusammenleben. In diesem Zusammenhang heißt die Behandlung Prep, vom englischen Begriff "pre-exposure prophylaxis". Doch die Prep ist umstritten. Kritiker fürchten die Zunahme von Resistenzen gegen die auch für die Therapie der Infektion benötigten Wirkstoffe.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Obwohl die Ergebnisse der neuen Studie vielversprechend scheinen, sind die Wissenschaftler vorsichtig: "Unser Ergebnis weist darauf hin, dass antiretrovirale Medikamente das Risiko einer HIV-Infektion bei Menschen aus Risikogruppen verringern", sagt Charles Okwundu von der Stellenbosch University im südafrikanischen Kapstadt. "Dennoch muss man auf der Suche nach Präventionsstrategien überlegen, wie man Prep sinnvoll mit anderen Methoden kombinieren kann." Keine Strategie biete hundertprozentige Sicherheit.

Auch deshalb wird Prep kontrovers diskutiert: Skeptiker befürchten, dass sich die Menschen durch die Prophylaxe zu sicher fühlen und durch waghalsiges Verhalten ihr Ansteckungsrisiko insgesamt sogar steigen könnte. Außerdem drohen Nebenwirkungen wie Knochen- oder Nierenprobleme.

Die Cochrane-Wissenschaftler fordern weitere Studien, um die Sicherheit der PreP zu überprüfen und festzustellen, ob sich die Prophylaxe auch finanziell lohnt. Insbesondere seien auch die Langzeitfolgen einer medikamentösen Prophylaxe noch nicht geklärt.

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insgesamt 8 Beiträge
dr.u. 11.07.2012
Na, da wollen doch mal wieder ein paar Pharmafirmen ihren Absatz steigern. Was könnte lukrativer sein, als präventiv Bevölkerungsteile zu medikamentieren. Man muss nur ordentlich Angst machen. Oder noch besser: Aussicht auf [...]
Zitat von sysopModerne HIV-Medikamente reduzieren das Ansteckungsrisiko. Eine aktuelle Studie bestätigt nun: Auch wenn Nichtinfizierte die Mittel nehmen, sinkt die Gefahr der Übertragung. Das Ergebnis könnte die Debatte um den Einsatz der Medikamente zur Prävention auf der Internationalen Aidskonferenz anheizen. Aids: Medikamente gegen HIV senken Risiko sich zu infizieren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,843545,00.html)
Na, da wollen doch mal wieder ein paar Pharmafirmen ihren Absatz steigern. Was könnte lukrativer sein, als präventiv Bevölkerungsteile zu medikamentieren. Man muss nur ordentlich Angst machen. Oder noch besser: Aussicht auf hemmungslosen, risikolosen, ungeschützen Geschlechtsverkehr. Dann kommen diese Mittelchen standardmäßig ins LKW Handschufach oder in die Thailand-Reiseapotheke. Nebenwirkungen einer präventiven aber eigentlich unnötigen Medikamention? Wird schon nicht so schlimm werden. Die gibt es zwar, aber gaaaannnzz selten. Es muss doch möglich sein, den Menschen dahin zu bringen, dass er ohne die regelmäßige Gabe teurer, lukrativer Pharmaziprodukte gar nicht mehr (über)lebensfähig ist; und wenn's auch nur gefühlt ist.
divina_commedia 11.07.2012
Auch ein halbes Risiko ist ein Risiko. Ich rieche Geldmacherei mit den Dummen und Verantwortungslosen.
Auch ein halbes Risiko ist ein Risiko. Ich rieche Geldmacherei mit den Dummen und Verantwortungslosen.
robeuten 11.07.2012
Na, da ist ja wieder jemand oberschlau! Haben Sie einmal z.B. für 3 Monate so einen Cocktail einwerfen müssen, weil ein netter Patient praeop. seinen HIV-Status verschwiegen hat? Dann wüßten Sie, daß das niemand freiwillig macht [...]
Zitat von dr.u.Na, da wollen doch mal wieder ein paar Pharmafirmen ihren Absatz steigern. Was könnte lukrativer sein, als präventiv Bevölkerungsteile zu medikamentieren. Man muss nur ordentlich Angst machen. Oder noch besser: Aussicht auf hemmungslosen, risikolosen, ungeschützen Geschlechtsverkehr. Dann kommen diese Mittelchen standardmäßig ins LKW Handschufach oder in die Thailand-Reiseapotheke. Nebenwirkungen einer präventiven aber eigentlich unnötigen Medikamention? Wird schon nicht so schlimm werden. Die gibt es zwar, aber gaaaannnzz selten. Es muss doch möglich sein, den Menschen dahin zu bringen, dass er ohne die regelmäßige Gabe teurer, lukrativer Pharmaziprodukte gar nicht mehr (über)lebensfähig ist; und wenn's auch nur gefühlt ist.
Na, da ist ja wieder jemand oberschlau! Haben Sie einmal z.B. für 3 Monate so einen Cocktail einwerfen müssen, weil ein netter Patient praeop. seinen HIV-Status verschwiegen hat? Dann wüßten Sie, daß das niemand freiwillig macht - ich habe mich gefühlt, als hätte ich die ganze Zeit eine Grippe mit Durchfall - das ist natürlich wesentlich angenehmer, als ein Kondom zu verwenden!
greener 11.07.2012
Im Artikel steht leider nur etwas über die Höhe der Änderung der Wahrscheinlichkeit und nicht wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Medikamenteneinnahme wirklich ist. Mal angenommen ohne jeglichen Schutz beträgt sie [...]
Im Artikel steht leider nur etwas über die Höhe der Änderung der Wahrscheinlichkeit und nicht wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Medikamenteneinnahme wirklich ist. Mal angenommen ohne jeglichen Schutz beträgt sie 100% dann sind es mit Tenofovir immernoch 33,3% Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung und mit einem passendem Kondom 0 ! Das ist die beste Art Medikamente zu verkaufen, wenn es zu wenig Kranke gibt wird einfach ein Gesunder Mensch präventiv behandelt. Ich hoffe nur dass es keine Krankenkasse dieser Welt gibt, die dies unterstützt.
ElCmd 11.07.2012
Darum sollten Sie sich nun wirklich keine Sorgen machen. Krankenkassen und ein Gesundheitswesen nach deutschem Vorbild sind ein sozialromantisches Auslaufmodell. Privat kann für oder gegen diese Präventivmaßnahme ja jeder [...]
Zitat von greener;10532385[...Ich hoffe nur dass es keine Krankenkasse dieser Welt gibt, die dies unterstützt.
Darum sollten Sie sich nun wirklich keine Sorgen machen. Krankenkassen und ein Gesundheitswesen nach deutschem Vorbild sind ein sozialromantisches Auslaufmodell. Privat kann für oder gegen diese Präventivmaßnahme ja jeder selbst entscheiden.
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  • Mittwoch, 11.07.2012 – 09:27 Uhr
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Zur Autorin
  • Julia Merlot studierte Wissenschaftsjournalismus in Darmstadt und arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Außer für SPIEGEL ONLINE schreibt sie unter anderem für "Zeit Wissen" und "Geo Wissen".

HIV/Aids
- in Deutschland leben etwa 73.000 Menschen mit HIV und Aids
- rund 59.000 HIV-Infizierte und Aids-Kranke sind Männer
- davon sind etwa 46.500 Männer homo- oder bisexuell
- 10.500 Menschen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert
- im Jahr 2011 gab es etwa 2700 HIV-Neuinfektionen
- die Zahl der Todesfälle wird auf 500 geschätzt
- seit Beginn der Epidemie in den achtziger Jahren gab es etwa 27.000 Todesfälle in Deutschland. Jährlich kommen etwa 500 Todesfälle hinzu.






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