Gefahr Kontaktlinse Parasiten im Auge

Sie kommen mit trockenen Augen oder schmutzigen Kontaktlinsen: Winzige Parasiten, die sich durch die Hornhaut fressen. Da sie nur einen kleinen Teil aller Hornhautentzündungen auslösen, werden die Einzeller häufig übersehen. Für die Gesundheit der Augen ist das fatal.

CDC/ Catherine Armbruster/ Margaret Williams

Der Augenarzt weiß ziemlich schnell, was den jungen Mann belastet: Die Augen tränen, sind gerötet und, wie dieser sagt, ziemlich blendungs- und lichtempfindlich. Er könne nur verschwommen sehen. Die Hornhaut sieht gräulich verwaschen aus und die Bindehaut ist entzündet. Kein Zweifel, der Patient hat eine Hornhautentzündung, eine Keratitis.

Deutlich schwieriger lässt sich jedoch die Frage beantworten, was die Hornhautenzündung verursacht hat - und wie sie deshalb behandelt werden muss. Hornhautentzündungen entstehen am häufigsten durch Bakterien, mitunter sind auch Viren und relativ selten Pilze die Ursache. Auch trockene Augen können hinter der Entzündung stecken. In etwa fünf Prozent aller Fälle aber trifft nichts davon zu. Dann sind Einzeller auf der Hornhaut die Schuldigen, sogenannte Akanthamöben.

Zwar verursachen die Parasiten in Deutschland "nur" etwa 200 Hornhautentzündungen jährlich. Weil es in zwei Drittel der Fälle in den ersten Wochen zu Fehldiagnosen und folglich falschen Behandlungen kommt, können die Infektionen jedoch schlimme Folgen haben. Auf diese Problematik macht die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld ihres Kongresses "Exzellent sehen - Exzellenz fördern" vom 19. bis 22. September in Berlin aufmerksam.

"Das Thema braucht etwas mehr Aufmerksamkeit. Meist kommt es zur Verwechslung mit einer Herpesvirus-Infektion", sagt Berthold Seitz, Direktor der Klinik für Augenheilkunde in Homburg/Saar und Präsident der DOG. Anfangs verursachen Akanthamöben dieselben Symptome wie andere mögliche Ursachen, die Augen sind gerötet und tränen. Erst nach vier bis fünf Wochen kommen amöbentypische Schmerzen hinzu. "Dann haben sich die Akanthamöben bereits an die Nerven angelagert", sagt Seitz.

Infiziert im Badesee

Die mikroskopisch kleinen Parasiten kommen in der Erde, in Wasser und in Klimaanlagen vor. Mögliche Infektionsquellen sind nicht richtig gereinigte Kontaktlinsen und Badeseen. Wer etwa mit weichen Kontaktlinsen im Auge in einem Badesee schwimmt und Wasser ins Auge bekommt, riskiert eine Infektion. Ebenfalls problematisch kann sein, wenn jemand nach dem Schwimmen weiche Kontaktlinsen einsetzt, ohne sich zuvor die Hände mit Seife zu waschen. Menschen mit sehr trockenen Augen, die kleine Hornhautrisse haben, können sich auch schon infizieren, wenn sie verseuchtes Leitungswasser oder Badeseewasser ins Auge bekommen.

Dringen die Erreger in die Hornhaut ein, zeigt sich zuerst eine Trübung. Im weiteren Verlauf können die Parasiten ein Loch in die Hornhaut fressen. Schon nach den ersten zwei bis drei Wochen büßen die Betroffenen an Sehkraft ein, im weiteren Verlauf kann es zur Erblindung kommen. Deshalb muss die Infektion möglichst schnell richtig diagnostiziert und behandelt werden.

Die Therapie der Parasiten ist mühsam. Um die Amöben zu bekämpfen, behandeln Ärzte die Betroffenen mit zwei Desinfektionsmitteln. Hinzu kommt ein Antibiotikum, das Bakterien abtöten und den Amöben dadurch ihre Nahrungsgrundlage rauben soll. "Als wirkungsvoll hat sich eine Schocktherapie erwiesen. Die Patienten werden stationär aufgenommen und für die ersten zwei bis drei Tage werden die Medikamente Tag und Nacht alle 15 Minuten ins Auge getropft", beschreibt Seitz die Vorgehensweise.

Es gibt jedoch auch immer wieder Fälle, bei denen Medikamente nicht helfen können. Den Betroffenen bleibt nur die Hornhauttransplantation, die etwa ein Jahr lang medikamentös nachbehandelt werden muss. "Da die Amöben gerne in die Randgebiete der Hornhaut wandern, die wir bei einer Hornhauttransplantation für die Fadenbefestigung stehenlassen müssen, behandeln wir in diesen Bereichen vorab zusätzlich mit einer Kältetherapie, um eine Reinfektion der neuen Hornhaut zu vermeiden", sagt Seitz.

Lieber harte als weiche Kontaktlinsen

Das Tragen weicher Kontaktlinsen bringt ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Erregern wie Bakterien oder Akanthamöben verbunden. Pro Jahr sind hierzulande etwa 4000 von insgesamt 2,5 Millionen Trägern weicher Kontaktlinsen betroffen, sie bilden etwa 90 Prozent aller Patienten mit Hornhautentzündungen. Die weichen Linsen sind zwar angenehmer zu tragen als harte, saugen aber wie ein Schwamm alles auf und sind sehr anfällig für Bakterien und Keime.

Häufig gelangen die Krankheitserreger durch mangelhafte Hygiene auf die Linsen. "Die Kontaktlinsen werden zu lange benutzt, werden auch beim Baden getragen und - ganz auf die Schnelle - mit Leitungswasser gereinigt", klagt Seitz. Mitunter liegt es auch daran, dass Kontaktlinsenträger immer nur einen kleinen Teil der Kontaktlinsenreinigungslösung erneuern. "Es ist besser, harte statt weiche Kontaktlinsen zu verwenden, keine Kontaktlinsen aus dem Supermarkt einzusetzen und als Kontaktlinsenträger zumindest alle sechs Monate zu einer augenärztlichen Untersuchung zu gehen", rät DOG-Präsident Seitz.



insgesamt 7 Beiträge
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Turin 12.09.2013
1. Für den Hohlspiegel:
"Sie kommen mit trockenen Augen oder schmutzigen Kontaktlinsen: Winzige Parasiten, die sich durch die Hornhaut fressen." Ich stell mir gerade einzellige Parasiten mit Kontaktlinsen und geröteten, trockenen Augen vor.
OG77 12.09.2013
2. Den Einzellern...
...scheint es nicht besser zu gehen, als uns Mehrzellern. "Die Therapie der Parasiten ist mühsam." Sie scheinen nicht nur fehlsichtig zu sein, wie der Vorposter bereits angemerkt hat, therapiebedürftig scheinen sie auch zu sein. Dazu wohl auch keine so einfachen Patienten...
happy2010 12.09.2013
3.
Zitat von OG77...scheint es nicht besser zu gehen, als uns Mehrzellern. "Die Therapie der Parasiten ist mühsam." Sie scheinen nicht nur fehlsichtig zu sein, wie der Vorposter bereits angemerkt hat, therapiebedürftig scheinen sie auch zu sein. Dazu wohl auch keine so einfachen Patienten...
...und sie wandrn grne in Randgebiete ab, quasi eine Art Randgruppe. Wo bleibt der Schutz der Minderheiten
zerr-spiegel 12.09.2013
4. Lobbyismus?
Zitat von sysopCDCSie kommen mit trockene Augen oder schmutzigen Kontaktlinsen: Winzige Parasiten, die sich durch die Hornhaut fressen. Da sie nur einen kleinen Teil aller Hornhautentzündungen auslösen, werden die Einzeller häufig übersehen. Für die Gesundheit der Augen ist das fatal. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/akanthamoeben-weiche-kontaktlinsen-infizieren-auge-mit-parasiten-a-921632.html
Klingt stark nach Lobbyismus. Die Brühe wird nach dem Einsetzen weggekippt. Ich kenne niemanden, der die kleine Aufbewahrungs/Reinigungsdose einfach nur wieder auffüllt. Und warum sollen die Kontaktlinsen aus dem Supermarkt schlechter sein als vom Optiker? Abgesehen davon, welcher Supermarkt in D verkauft Kontaktlinsen? Und ein guter Optiker schaut bei Kontaktlinsenträgern ohnehin alle 6 Monate in die Augen. Ja, auch bei Fielmann!
StuggieWoogie 12.09.2013
5. Eine 10 Jahre alte Meldung des Spiegels
Die finde ich besser als die aktuelle... http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kontaktlinsen-gefaehrliche-einzeller-ueberleben-chemiekeule-a-179678.html Es werden Tips gegeben, wie man Akanthamöben am besten vorbeugen kann: Mit einer zweistufigen Peroxidpflege. Alternativ ists es sicher auch bei einem einstufigen Katalysatorsystem möglich ausreichende Sicherheit zu erzielen, indem man einmal pro Woche die Kontaktlinsen für längere Zeit mit der Peroxidlösung in einen Behälter ohne Katalysator gibt und erst nach einem Tag die Linsen dann in einen Behälter mit Katalysator "umzieht".
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