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Pickel in der Pubertät: So lässt sich Akne gut behandeln

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Corbis

Schlechte Überraschung vor dem Spiegel: Pickel sprießen oft über Nacht

Eitrige Pusteln und Pickel: In der Pubertät spielt die Haut bei vielen verrückt. Doch Akne lässt sich meist gut behandeln. Je früher die Therapie beginnt, desto schneller ist der Spuk vorbei.

Gerade in der Zeit, in der man besonders cool sein will, kommen die Pickel. Scheinbar über Nacht sprießen Teenagern rote, nässende oder eiternde Pusteln auf Stirn, Nase oder Kinn und sorgen für schlechte Laune vorm Badezimmerspiegel. Akne gehört zu den häufigsten Hautkrankheiten, ein Großteil der Menschen ist im Laufe des Lebens zumindest kurzzeitig davon betroffen, meistens - aber nicht immer - in der Pubertät.

"Wir gehen davon aus, dass bis zu 85 Prozent aller Jugendlichen von Akne betroffen sind", sagt Jürgen Schauber von der Akne-Sprechstunde an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die meisten Jugendlichen leiden nur vorübergehend darunter, und die Hauterkrankung verläuft harmlos. "Bei fast jedem Zehnten entwickelt sich aber eine schwere Akne, die unbedingt in Behandlung gehört", so Schauber.

Hormone fördern Talgproduktion

Akne ist ein Überbegriff für Entzündungen der Talgdrüsen, deren Aufgabe es ist, Haut und Haare geschmeidig zu halten. Die Talgdrüsen befinden sich an den Haaranlagen und sind mit Ausnahme der Handinnenflächen und der Fußsohlen fast am gesamten Körper verteilt, insbesondere im Gesicht, auf der Brust und am Rücken. An einigen Körperregionen wie den Augenlidern, den Lippen und dem Penis befinden sich auch unabhängig von Haarwurzeln Talgdrüsen.

Gesteuert werden die Talgdrüsen unter anderem von Hormonen. In der Pubertät produziert der Körper mehr Androgene, die die Talgdrüsenproduktion ankurbeln. "Bei manchen Jugendlichen ist diese hormonelle Sensibilität besonders ausgeprägt", sagt Maja Hofmann, Fachärztin für Dermatologie an der Charité Berlin.

Das typische Signal für die veränderte Talgproduktion: Die Haut wird fettiger und fängt an zu glänzen. Es kommt zu ersten Verstopfungen in den Poren, Mitesser - auch Komedonen genannt - mit schwarzen Punkten in der Mitte entstehen. "Der dunkle Punkt kommt durch den Hautfarbstoff Melanin zustande, der sich in Verbindung mit dem Sauerstoff der Luft schwarz verfärbt", sagt Hofmann. "Das sieht zwar nicht schön aus, ist aber kein Zeichen mangelnder Hygiene."

Futter für Bakterien

Während unter der Haut weiter Talg produziert wird, verhornt der verstopfte Drüsenausgang und verschließt die Pore schließlich wie ein Korken. Das Bakterium Propionibacterium acnes, das bei allen Menschen in den Talgdrüsen lebt, kann sich jetzt bestens ernähren und vermehren. Dabei scheiden die Erreger Stoffe aus, die die Drüse entzünden, es bildet sich Eiter. "Wenn die Pickel platzen, ergießen sie ihren Inhalt ins Bindegewebe und weitere Entzündungen entstehen", erklärt Hofmann.

In der Pubertät sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen, bei über 20-Jährigen überwiegen die Frauen. Wer ein paar Pickel hat, sollte nicht gleich mit zahlreichen Mittelchen loslegen, rät Hoffmann: "Im Normalfall reicht es, die Haut morgens und abends mit einer ph-neutralen und parfümfreien Waschlotion zu reinigen." Ölige Salben, sehr reichhaltige Cremes und ähnliche Produkte sind bei fettiger Haut tabu. "Vor allem stark deckendes Make-up begünstigt die Verstopfung der Poren und wirkt wie ein Beschleuniger", sagt der Münchner Dermatologe Jürgen Schauber.

Generell gilt: Wer unsicher ist oder immer mehr Pickel bekommt, sollte zum Hautarzt gehen - auch um Narben vorzubeugen. "Akne ist gut behandelbar und zwar umso besser, je früher die Behandlung einsetzt", so Schauber. Allerdings ist etwas Geduld gefragt, meist dauert es einige Wochen, bis sich ein Erfolg einstellt.

Grundlage bildet die Reinigung der Haut mit antiseptischen, hautschonenden Produkten, die die Talgproduktion reduzieren. "Mit Antibiotika und Vitamin-A-Präparaten kann die Bakterienbildung und damit die Entzündung bei schweren Verlaufsformen gedrosselt werden", so Schauber. Das ist sowohl als äußerliche Anwendung mit Creme oder Gel möglich als auch in Tablettenform. Bei Mädchen und Frauen kann auch die Einnahme der Anti-Baby-Pille für eine stärkere Ausgewogenheit im Hormonhaushalt sorgen.

Akne - Behandlungsmöglichkeiten
Antibiotikum: Reduziert die Bakterienbildung in den Talgdrüsen. Anwendung: Als Creme, Gel oder Tabletteneinnahme über einen begrenzten Zeitraum.
  • Azelainsäure: Wirkt der Verhornung der Talgdrüsenausgänge entgegen und wirkt antibakteriell. Anwendung: Verdünnt als Creme oder Gel.
  • Benzoylperoxid: Hemmt die Entzündung und die Bildung von Mitessern, tötet antibiotikaresistente Bakterien. Anwendung: Äußerliche, regelmäßige Anwendung.
  • Fruchtsäuren: Schälen die obersten Hautschichten ab, öffnen Poren. Anwendung: Als Peeling
Retinoide (Vitamin-A-Säure): Verringern die Talgproduktion und haben eine antientzündliche Wirkung. Anwendung: Äußerlich. In schweren Fällen auch hochdosiert für die innere Anwendung als Tablette.
Als Unterstützung empfiehlt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) in ihren "Leitlinien zur Behandlung der Akne" (S. 69) die manuelle Therapie durch gut geschulte Kosmetiker. Dabei wird die Haut zunächst gereinigt, desinfiziert und mit warmem Wasserdampf vorbereitet. Mit sterilen Einmalnadeln werden die Komedonen dann geöffnet und ausgedrückt. Danach kann eine beruhigende Maske aufgetragen werden.

Je nach Schweregrad kann eine solche Behandlung von einmal im Monat bis zu zweimal wöchentlich erfolgen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten normalerweise nicht, private Krankenkassen sind da mitunter großzügiger. Um Kosten zu sparen, sollten Betroffene ihre Pickel dennoch nicht selbst ausquetschen. Die DDG rät davon ausdrücklich ab, da sich die Akne ansonsten verschlechtern kann und Narben entstehen.

Zur Autorin
  • Bettina Levecke
    Bettina Levecke ist freie Journalistin und schreibt über Familien- und Gesundheits­themen.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Bei mir
bafibo 01.06.2015
dauerte es noch viel länger, bis ich die Pickel los war, nämlich erst als ich berufsbedingt bei meinen Eltern auszog. Und sie kamen wieder, wenn ich meine Eltern besuchte (nein, nicht schon während des Besuchs am verlängerten Wochenende, sondern erst, wenn ich wieder zu Hause war - ein bißchen Vorlauf brauchen auch Pickel). Was war da wohl die Ursache? Pheromone? Psychische Gründe?
2. bafibo...
dasdondel 01.06.2015
anderes Essen und anderes Wasser.
3. Kosmetiker
patrick.mahn 01.06.2015
Sehr effektiv und leider auch sehr teuer wenn man hohen Bedarf hat, aber bei mir hat der regelmäßige Besuch bei einer Kosmetikerin sehr geholfen. Dort wurde nicht nur die Haut oberflächlich mit guten Produkten gereinigt, sondern auch eine Tiefenreinigung vollzogen. D.h. die schmerzhafte Prozedur, bei der mit einer dünnen Kanülle die aufgeweichte Haut an den betroffenen Stellen aufgeritzt und der Kern entfernt wird. Besonders bei tiefen Pickeln gibt es keine andere Möglichkeit. Anstelle selber herumzudrücken und Narben zu riskieren, sollte man im Extremfall wirklich auf externe Hilfe zurückgreifen. Auch wenn es Geld kostet. Ich hatte die 35€ alle 1-2 Monate zum Glück noch übrig ;-)
4. Richtige Akne
ZhuBaJie1 01.06.2015
Wer wie ich von *richtiger* Akne betroffen war, weiß, dass alle aufgeführten Methoden nicht ansatzweise helfen. @baifibo (Nr. 3): Nein, Ernährung erwiesenermaßen auch nicht, egal, welche Diät. Erlöst wurde ich persönlich von meinem Leiden im Alter von 25 Jahren durch das Hammermedikament Isotretinoin (unter dem Markennamen "Accutane" / "Roaccutan" vermarketet). Musste ein halbes Jahr regelmäßig Blutwerte kontrollieren lassen, hatte aufgeplatzte Lippen, trockene Augen, Nasenbluten und pergamentartige Haut. Aber danach war auch gut. Das ist jetzt 20 Jahre her. Mein Vater hatte das in meinem aktuellen Alter Alter immer noch heftig. Heute verschreiben die Dermatologen das Zeug übrigens aber auch viel schneller.
5.
a-mole 01.06.2015
das Märchen vom Poren verstopfenden Make-up... Das stimmt heutzutage schon lange nicht mehr, es sei denn man geht mit ungereinigtem Gesicht ins Bett. Ich vermisse auch AHA und BHA in dem Bericht
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