Alkohol an Silvester Was tun gegen den Kater?

Das neue Jahr beginnt für viele mit einem dicken Kopf. Was genau verursacht den Kater und wie wird man ihn am besten wieder los?

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So manchem Kopf und Magen steht zu Silvester eine Belastungsprobe bevor: Das neue Jahr beginnt für viele Menschen mit einem heftigen Kater. Zwar lässt der sich mitunter im Vorfeld etwas abmildern, indem man schon abends zwischen jedem alkoholischen Getränk ein Glas Wasser trinkt, bei einer Alkoholsorte bleibt und vorher genügend isst. Aber wer denkt da im Eifer des Gefechts schon immer so konsequent dran?

Brummschädel, rebellischer Magen und bleierner Körper - das sind die typischen Symptome nach zu viel Alkohol. Was kann man tun, um sich am Neujahrsmorgen trotz durchzechter Nacht wieder besser zu fühlen?

Was verursacht den Brummschädel?

Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Die beiden bekanntesten sind wohl Wasser- und Mineralstoffmangel. Alkohol sorgt dafür, dass Elektrolyte nicht aufgenommen, sondern vermehrt aus dem Körper transportiert werden. Das begünstigt Kopfschmerzen. Dazu beitragen kann zudem stickige Luft in schlecht belüfteten Räumen.

Außerdem tragen wahrscheinlich Abbauprozesse des Alkohols zum Kater bei. Eine besondere Rolle kommt dabei wohl dem Fuselalkohol Methanol zu. Er ist neben dem Trinkalkohol Ethanol in winzigen Mengen in fast jedem alkoholischen Getränk zu finden.

Im Körper spaltet ein Enzym Methanol in Ameisensäure und Formaldehyd. Die Stoffe sind in größeren Mengen extrem giftig - und in kleineren wahrscheinlich an der Entstehung eines Katers beteiligt.

Wie lange dauert es, bis der Körper Alkohol abbaut?

Alkohol wird vom Körper zwar schnell aufgenommen, aber nur langsam abgebaut. Ein 80 Kilogramm schwerer Mann benötigt etwa zweieinhalb Stunden, um 20 Gramm Alkohol abzubauen. Das entspricht etwa einem halben Liter Bier, einem Viertelliter Wein oder drei Gläsern Schnaps.

Frauen brauchen für die gleiche Menge rund drei Stunden zum Abbauen.

Hilft ein Konterbier?

In der Theorie könnte die Maßnahme tatsächlich Wirkung zeigen, denn der Kopf dröhnt erst, wenn der Alkohol abgebaut ist. Wer vorher zum Konterbier greift, kann das hinauszögern oder sogar ganz verhindern. Der Trick dabei: Die Präsenz des Trinkalkohols Ethanol führt dazu, das Methanol erst später oder gar nicht gespalten wird. Dann entstehen auch keine schädlichen Abbauprodukte.

Als Anti-Kater-Mittel empfohlen wird die Methode trotzdem nicht. Zum einen, weil sie das Elektrolyt- und Flüssigkeitsproblem nicht löst. Zum anderen wurde sie in der Praxis nie systematisch überprüft. Auf den ohnehin für den Körper belastenden Tag folgt durch ein Konterbier also vor allem ein weiterer Tag mit Alkohol und damit eine weitere Belastung.

Was kann man sonst tun?

Ist der Kater einmal da, gibt es keine nachweislich wirksame Methode, um ihn sofort wieder loszuwerden. Der Körper braucht vor allem Zeit und Ruhe. Viele Betroffene fühlen sich durch ein paar einfache Maßnahmen aber zumindest etwas besser.

Wer es in der Nacht verpasst hat, sollte am Morgen reichlich Mineralwasser oder Fruchtsaftschorlen trinken - am besten ohne Kohlensäure, denn die reizt den Magen. Oft erweckt auch ein sauer-salziges Kater-Frühstück die Lebensgeister. Die Säure fördert den Alkoholabbau, das Salz ersetzt verlorene Mineralstoffe wie Kalzium.

Empfehlenswert sind daher zum Beispiel ein herzhafter Sauerkrauteintopf, Bratheringe, Oliven, Salzgebäck und saure Gurken. Auch Obst und Vollkornprodukte helfen der Leber, den Alkohol abzubauen. Eier sind eine gute Vitamin- und Nährstoffquelle.

Viel hilft allerdings nicht immer viel. Alkohol reizt die Magenschleimhaut, was zu Übelkeit und Erbrechen führen kann. Daher ist es empfehlenswert, mit kleineren Portionen anzufangen. Meist stellt man schnell fest, ob der Magen zur Nahrungsaufnahme bereit ist.

Ist das nicht der Fall, kann man versuchen, über eine Suppe oder einen Tee Flüssigkeit und Elektrolyte aufzunehmen. Wenn gar nichts drin bleibt, hilft nur Aussitzen, Ausruhen und ein erneuter Versuch nach ein paar Stunden. Spätestens bis zum Abend sollte sich der Magen beruhigen.

Schmerztabletten sind nur im Notfall zu empfehlen, da sie Magen und Leber zusätzlich belasten können. Ein Spaziergang an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung.

Sterben Nervenzellen?

Das kommt drauf an. Bei schweren Alkoholikern wurde dokumentiert, dass die Hirnmasse schwindet. Wer moderat trinkt und einmal im Jahr an Silvester über die Stränge schlägt, hat aber wahrscheinlich nichts zu befürchten.

Statt Zellen abzutöten, stört der Alkohol vor allem die Kommunikation zwischen Nerven. Das führt auch dazu, dass betrunkene Menschen Probleme mit der Koordination bekommen. Informationen, die die Augen erfassen, landen nicht mehr so schnell im Gehirn. Das Reaktionsvermögen leidet.

Ist der Alkohol abgebaut, funktioniert das Gehirn aber schnell wieder normal. Nach dem Rausch kann man wieder klar denken. Statt dem Alkohol stören nun höchsten Kopfschmerzen.

Langfristig können allerdings Schäden durch Alkohol an der Leber auch zum Problem fürs Hirn werden: Funktioniert das Organ als Entgiftungszentrale des Körpers nicht mehr richtig, gelangen mehr schädliche Stoffe in die Blutbahn und damit auch in unser Denkorgan.

VIDEO: New York, Rio, Paris - So feierte die Welt Silvester

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jme/irb/AFP



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Knossos 01.01.2018
1. Kein Gewese
Das ist die fundierteste Abhandlung zu Hintergründen des Katers, die ich bisher gelesen haben. Ansonsten gibt es um das Phänomen ein Gewese, wie um das müßige Paradox, ob ausbeuterisches Wirtschaften des Feudalismus und Kapitalismus einer Gesellschaft zuträglich sein könnte. Jahr für Jahr proklamieren Hinz und Kunz abergläubische Rezepte von Onkel Horst und Opa Herms und die Leute wundern sich, warum sie dem Kater ausgeliefert bleiben. Man trinke vor dem Zubettgehen ein Glas Wasser mit Mineraltablette (Kalzium oder Magnesium) und am nächsten Morgen gibt es keine Kopfschmerzen. Und falls die Prophylaxe vergessen wurde, ein gut gesalzenes Frühstück wie etwa Salzgebäck mit Rührei. Fertig ist die Laube. Keine vage Frage, ob Warzenschweine evtl. von Baum zu Baum gleiten, oder sich bei Halbmond die Haare besser schneiden lassen.
Peter Meyer01 01.01.2018
2. Salz?
"das Salz ersetzt verlorene Mineralstoffe wie Kalzium." Konnte ich erst nicht nachvollziehen, da Speisesalz ja eigentlich Natriumchlorid ist. Stellt sich beim Nachschauen heraus, dass es bis 3% fremde Salze enthält, z.B. bei Meersalz. - Wobei wenn das Ziel ist Mineralstoffe und Flüssigkeit in den Körper zu bekommen, es eigentlich sehr naheliegen wäre ein Glas Wasser mit einer Multivitamin-(und Mineralstoff-) Brausetablette zu trinken. Hat zwar die nach obigem Text den Magen angreifende Kohlensäure drin, aber die könnte man ja recht einfach entfernen.
dasfred 01.01.2018
3. Gut vorbereitet ist das wichtigste
Ausreichend essen vorher lässt weniger Platz für Alkohol, dann zwischendurch und besonders vor dem Schlafen viel Wasser und etwas salziges zu sich nehmen, nach dem Aufstehen eher eine warme Brühe statt Kaffee, ruhig den Tag angehen lassen und keine Angst vor der Übelkeit. Danach ist das schlimmste überstanden. Und sich jedesmal fest vornehmen, beim nächsten Mal nur noch die Hälfte zu trinken. Irgendwann kann man dann sogar mit den selben Leuten den gleichen Spaß ohne Alkohol haben.
frenchie3 01.01.2018
4. Den starken Mann erkennt man daran
daß er den Kater durchhält. Und den Intelligenten daran daß er beim nächsten mal keinen mehr hat.
argumentumabsurdum 01.01.2018
5. Warum so umständlich?
1 Becher starker Kaffe + 2 Aspirin. Fertig!
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