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30. Juni 2015, 14:57 Uhr

Trendwende

Weniger Alkoholexzesse bei Jugendlichen

Immer weniger junge Männer betrinken sich regelmäßig. Grund zur Entwarnung ist das aber nicht, Alkohol bleibt laut der Drogenbeauftragten das "Suchtmittel Nummer eins" bei Jugendlichen.

Junge Menschen betrinken sich heute deutlich weniger als noch vor sieben Jahren. Das zeigt eine repräsentative Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, stellte die Studie am Dienstag in Berlin vor. Demnach haben sich im vergangenen Jahr 12,9 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren einmal im Monat in einen Rausch getrunken, 2008 waren es noch 20,4 Prozent. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ging der Anteil von 40,8 Prozent im Jahr 2008 auf 35,4 Prozent 2014 zurück.

"Das ist insgesamt eine erfreuliche Entwicklung", sagt Mortler. Die Gesamtentwicklung zeigt zudem, dass immer mehr Jüngere zwischen 12 und 17 Jahren vollständig auf Alkohol verzichten. 33 Prozent geben der Befragung zufolge an, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Im Jahr 2001 waren es lediglich 13 Prozent.

Vermeidbares Gesundheitsrisiko

Dennoch dürfe Alkoholkonsum "nicht bagatellisiert werden", so Mortler, die Droge sei "nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen". Der zu hohe Alkoholkonsum sei eines der gravierendsten, vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland.

Zudem gilt der Trend nicht für junge Frauen: "Leider ist ein Rückgang beim Rauschtrinken bei den weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen noch nicht auszumachen", sagte Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. "Positiv ist aber festzuhalten, dass sie insgesamt deutlich weniger und seltener Alkohol konsumieren als ihre männlichen Altersgenossen."

Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, forderte die Politik auf, aktiv zu werden. Sowohl Werbung als auch der Verkauf von Alkohol an Jugendliche müsse eingeschränkt werden, zudem seien höhere Steuern für Alkohol notwendig: "Auf Branntwein wird dieselbe Steuer erhoben wie vor 25 Jahren, doch die Einkommen sind seither deutlich gestiegen", sagte Gaßmann. Folglich schreckten die Kosten immer weniger ab - auch für Jugendliche sei Alkohol "taschengeldfreundlich".

Hilfe über soziale Netzwerke

In Deutschland gelten rund 1,77 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren als alkoholabhängig. Bei weiteren 1,6 Millionen liegt ein Alkoholmissbrauch vor, der häufig von der Umgebung nicht erkannt wird. Jedes Jahr sterben in Deutschland mindestens 74.000 Menschen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum.

Für die repräsentative Analyse der BZgA waren 7000 Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren telefonisch zu ihrem Alkoholkonsum, ihrem alkoholbezogenen Wissen, ihren Einstellungen und sozialen Normen befragt worden. Die BZgA organisiert seit 2009 die Kampagne"Alkohol? Kenn dein Limit", die von dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) unterstützt wird. Künftig soll dabei verstärkt auf soziale Netzwerke und Online-Plattformen wie YouTube gesetzt werden, um Jugendliche noch besser zu erreichen.

Die Zahlen der Statistischen Bundesamtes bestätigen den positiven Trend. Demnach waren im Jahr 2013 erstmals weniger Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren wegen eines akuten Alkoholrauschs im Krankenhaus behandelt worden.

hei/dpa

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