Trendwende Weniger Alkoholexzesse bei Jugendlichen

Immer weniger junge Männer betrinken sich regelmäßig. Grund zur Entwarnung ist das aber nicht, Alkohol bleibt laut der Drogenbeauftragten das "Suchtmittel Nummer eins" bei Jugendlichen.

Trinken mit Freunden:  "Alkohol ist nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen"
Corbis

Trinken mit Freunden: "Alkohol ist nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen"


Junge Menschen betrinken sich heute deutlich weniger als noch vor sieben Jahren. Das zeigt eine repräsentative Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, stellte die Studie am Dienstag in Berlin vor. Demnach haben sich im vergangenen Jahr 12,9 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren einmal im Monat in einen Rausch getrunken, 2008 waren es noch 20,4 Prozent. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ging der Anteil von 40,8 Prozent im Jahr 2008 auf 35,4 Prozent 2014 zurück.

"Das ist insgesamt eine erfreuliche Entwicklung", sagt Mortler. Die Gesamtentwicklung zeigt zudem, dass immer mehr Jüngere zwischen 12 und 17 Jahren vollständig auf Alkohol verzichten. 33 Prozent geben der Befragung zufolge an, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Im Jahr 2001 waren es lediglich 13 Prozent.

Vermeidbares Gesundheitsrisiko

Dennoch dürfe Alkoholkonsum "nicht bagatellisiert werden", so Mortler, die Droge sei "nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen". Der zu hohe Alkoholkonsum sei eines der gravierendsten, vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland.

Zudem gilt der Trend nicht für junge Frauen: "Leider ist ein Rückgang beim Rauschtrinken bei den weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen noch nicht auszumachen", sagte Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. "Positiv ist aber festzuhalten, dass sie insgesamt deutlich weniger und seltener Alkohol konsumieren als ihre männlichen Altersgenossen."

Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, forderte die Politik auf, aktiv zu werden. Sowohl Werbung als auch der Verkauf von Alkohol an Jugendliche müsse eingeschränkt werden, zudem seien höhere Steuern für Alkohol notwendig: "Auf Branntwein wird dieselbe Steuer erhoben wie vor 25 Jahren, doch die Einkommen sind seither deutlich gestiegen", sagte Gaßmann. Folglich schreckten die Kosten immer weniger ab - auch für Jugendliche sei Alkohol "taschengeldfreundlich".

Hilfe über soziale Netzwerke

In Deutschland gelten rund 1,77 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren als alkoholabhängig. Bei weiteren 1,6 Millionen liegt ein Alkoholmissbrauch vor, der häufig von der Umgebung nicht erkannt wird. Jedes Jahr sterben in Deutschland mindestens 74.000 Menschen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum.

Für die repräsentative Analyse der BZgA waren 7000 Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren telefonisch zu ihrem Alkoholkonsum, ihrem alkoholbezogenen Wissen, ihren Einstellungen und sozialen Normen befragt worden. Die BZgA organisiert seit 2009 die Kampagne"Alkohol? Kenn dein Limit", die von dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) unterstützt wird. Künftig soll dabei verstärkt auf soziale Netzwerke und Online-Plattformen wie YouTube gesetzt werden, um Jugendliche noch besser zu erreichen.

Die Zahlen der Statistischen Bundesamtes bestätigen den positiven Trend. Demnach waren im Jahr 2013 erstmals weniger Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren wegen eines akuten Alkoholrauschs im Krankenhaus behandelt worden.

hei/dpa

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ThoR1234 30.06.2015
1. Alkohol = Droge
"Folglich schreckten die Kosten immer weniger ab - auch für Jugendliche sei Alkohol "Taschengeld-freundlich"." Es wäre deutlich sinnvoller, wenn man die Jugendlichen VERNÜNFTIG über die Risiken von Alkohol (sowie Nikotin und THC) aufklären würde, anstatt es über den Preis zu regeln. Wer sich besaufen will, der bekommt die Kohle schon zusammen oder kauft anstatt den Marken-Wodka halt den billigen aus dem Discounter. Man sollte viel gezielter über die Folge- und Langzeitschäden von Alkohol aufklären und auch viel mehr darauf aufmerksam machen, dass es sich bei Alkohol um eine Droge handelt, genau wie bei XTC, LSD, THC o.ä. Vermutlich würde dann der DBB an die Decke gehen und das kann man natürlich nicht riskieren.
orthonormalbürger 30.06.2015
2. also
cannabis legalisieren, dann kenn ich noch genug Leute die würden nichts mehr trinken sondern einfach mal einen rauchen und das schadet weniger.
asfcb 30.06.2015
3. Bitte
Fangen sie nun nicht alle damit an, Cannabis zu favorisieren. Ich gehöre zu den Menschen, die beides schätzen und lieben. Und im Ernst, ohne Bier wäre der Sommer nur halb so schön. Wenn ich richtigen Durst verspüre, greife ich auch lieber zu einem Bier, als einem Joint. Und Alkoholsteuer erhöhen? Dann gehe ich auf die Barrikaden! Man sollte aus der Historie lernen, was damals in Bayern passiert ist, als der Bierpreis geringfügig erhöht wurde. Der arabische Frühling wäre nichts dagegen!
cindy2009 30.06.2015
4. rauchen bäh
Die Bürokraten in der Eu sollten sich mal genauso für den" Jugendschutz" engagieren, wenn es um Alkohol geht, wie sie es zur Zeit beim Tabak versuchen. das wäre ein spass, aber da traut sich keiner ran.
bakero 30.06.2015
5.
Zitat von asfcbFangen sie nun nicht alle damit an, Cannabis zu favorisieren. Ich gehöre zu den Menschen, die beides schätzen und lieben. Und im Ernst, ohne Bier wäre der Sommer nur halb so schön. Wenn ich richtigen Durst verspüre, greife ich auch lieber zu einem Bier, als einem Joint. Und Alkoholsteuer erhöhen? Dann gehe ich auf die Barrikaden! Man sollte aus der Historie lernen, was damals in Bayern passiert ist, als der Bierpreis geringfügig erhöht wurde. Der arabische Frühling wäre nichts dagegen!
Warum denn nicht die Steuer erhöhen? Es muss ja nicht ganz so drastisch sein wie beim Tabak. Aber wo ist das Problem, wenn ein Kasten Bier mindestens 20 Euro kosten müsste? Oder warum bekommt man eine Flasche Wodka schon für 5 Euro? Dem "normalen" Konsumenten kann's egal sein, das sind in der Summe wenige Euro. Probleme hätten nur Jugendliche mit zu wenig Taschengeld oder Extremsäufer. Ich befürchte allerdings, dass der Einfluss der Alkohol-Lobby speziell auf Frau Mortler und die CSU zu groß ist, um Preiserhöhungen, Werbeverbot, Warnhinweise oder Jugendverbot durchzusetzen. Sie brauchen also keine Angst zu haben. Saufen bleibt weiterhin erschwinglich. ;)
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