Alkohol-Studie Trinken die Eltern, trinken die Kinder

Eltern sind Vorbilder, das gilt auch für den Alkoholkonsum. Trinken sie mindestens einmal pro Woche Alkohol, berauschen sich ihre Kinder laut einer Studie deutlich häufiger.

Rauschtrinken bei Jugendlichen (Symbolbild)
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Rauschtrinken bei Jugendlichen (Symbolbild)


Der elterliche Umgang mit Alkohol prägt den Alkoholkonsum der Kinder. Das zeigt eine Langzeitstudie im Auftrag der Krankenkasse DAK und des Bundesbildungsministeriums. Zwölfjährige, deren Eltern mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, haben demnach im Erwachsenenalter ein fast doppelt so hohes Risiko für einen problematischen Alkoholkonsum als Kinder "alkoholfreier" Familien.

"Unsere Untersuchung zeigt, dass beim Rauschtrinken der Einfluss des Elternverhaltens stärker ist als bislang angenommen", sagt Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord). Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) appellierte an die Eltern, ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden. "Wasser predigen und Wein trinken, das geht nicht", erklärte sie.

Jedes dritte Elternteil trinkt selbst

Für die Untersuchung verfolgte Hanewinkel bei mehr als 1000 Jugendlichen über neun Jahre, wie sich ihr Alkoholkonsum entwickelte. Zu Beginn der Studie waren die Teilnehmer in der siebten Klasse. Zusätzlich ließ die Krankenkasse tausend Mütter und Väter von Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren befragen.

Der repräsentativen Umfrage zufolge besitzt knapp ein Drittel der befragten Eltern (32 Prozent) selbst ein riskantes Trinkverhalten. Bei den Vätern liegt der Anteil sogar bei 39 Prozent. Nahezu ein Viertel (23 Prozent) der Eltern berauschte sich mindestens einmal im Monat mit der gesellschaftlich akzeptierten Droge.

Immerhin ein Fünftel aller Eltern (21 Prozent) macht sich Sorgen, dass seine Sprösslinge zu viel trinken. Bei den Minderjährigen hatten den Eltern zufolge 41 Prozent bereits Alkohol ausprobiert. 20 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren hatten demnach schon mal einen Alkoholrausch - die tatsächliche Zahl dürfte noch deutlich höher liegen.

Jugendliche: Möglichst späten ersten Rausch

Nach den Untersuchungen Hanewinkels und seiner Kollegen ist es wichtig für die weitere Suchtentwicklung, dass Rauscherfahrungen möglichst spät gemacht werden. 12- bis 13-Jährige, die diese bereits sammelten, zeigen als junge Erwachsene zu 55 Prozent ein riskantes Trinkverhalten. Unter Altersgenossen, die mit 13 oder 14 Jahren noch rauschfrei waren, waren es mit 46 Prozent signifikant weniger.

"Die Untersuchungen zeigen, wie wichtig die frühzeitige Aufklärung über die Risiken und Gefahren von Alkoholmissbrauch ist", sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Auch die große Mehrheit der Eltern erwartet laut der Befragung, dass Schulen zum Thema Rausch- und Komatrinken aufklären. "Aus Sicht der Eltern müssen die Menschen wachgerüttelt werden."

Eine Studie im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kam im vergangenen April zumindest zum Ergebnis, dass Jugendliche heute weniger Schnaps, Bier oder Wein trinken als noch vor einigen Jahren. Auch das Komasaufen sei zurückgegangen, aber immer noch besorgniserregend hoch, hieß es damals.

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irb/AFP/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
Alder 16.02.2017
1. Das trifft
nicht nur auf das Trinken zu, es trifft auf fast alles zu. Sind die Eltern unzuverlässig, sind es die Kinder auch. Werfen sie ihren Müll in den Straßengraben, lernen die Kinder, es gleich zu tun. Haben Eltern keinen Respekt vor den Behörden, Polizei etc. haben die Kinder eine entsprechende Vorprägung. Die Erziehung von Kindern und das Vorleben von Eltern ist enorm wichtig, wird aber oft vernachlässigt. Manche Eltern halten sich einfach nicht an ihren Erziehungsauftrag.
voneisenstein 16.02.2017
2. keine Überraschung
Es bewahrheitet sich der alte Spruch "monkey see - monkey do" oder das Leitbild "Führen ducrh Vorbild". Grundsätzlich sollte man Jugendlichen deutlich und drastisch klar machen (und zeigen), wie traurig und trostlos das Leben von Akkoholikern ist. Ums Rauchen macht man ein Riesenbohei (was sicherlich bedingt berechtigt ist), ich habe aber noch nie einen Raucher getroffen, der wegen des Rauchens seine Arbeit, seine Wohnung, seine Freunde und seine Würde verloren hat. Bei Alkoholikern ist das hingegen nicht unüblich. Hier sollte man aufklärungstechnisch dringend nachjustieren.
kuschl 16.02.2017
3. Welch neue Erkenntnis
Kinder lernen am Modell und das erste, was geliefert wird, ist das Elternmodell. Woher sollen denn schlecht erzogene Eltern die Gabe bekommen, ihren Kindern etwas Gutes vorzuleben. Wenn da nicht noch guter Einfluß von woanders kommt, werden das genau solche Kotzbrocken.
katja78 16.02.2017
4. Kausalität vs Korrelation
Was ist Henne, was ist Ei? Trinken die Kinder tatsächlich mehr, weil die Eltern trinken? Oder weil sie in einem sozialen Umfeld aufwachsen, in dem generell früh mit dem Alkoholkonsum begonnen wird? Das wird schwer aus der Statistik herauszurechnen sein. Interessanter ist fast dieser Aspekt zu Rauscherfahrungen: "12- bis 13-Jährige, die diese bereits sammelten, zeigen als junge Erwachsene zu 55 Prozent ein riskantes Trinkverhalten." Wer kennt das nicht? Die Jugendlichen der eigenen Alterskohorte, die so dermaßen früh Rauscherfahrung sammelten, kamen fast alle aus schwierigen Verhältnissen, hingen früh mit deutlich Älteren ab, hatten geringe Schulerfolge, wollten sich beweisen. In dem Alter (das ist gerade mal 7. Klasse!) waren wir noch weit weg davon, überhaupt Alkohol zu trinken, von Rauscherfahrungen ganz zu schweigen. Meine Geschwister übrigens auch, und das obwohl unsere Mutter starke Alkoholikerin war. Unser intaktes Umfeld hat uns geschützt.
immortallity 16.02.2017
5. Kann das nicht bestätigen
Meine Eltern haben beide getrunken. Jeden Tag. Ich trinke eine halbe Rotweinflasche innerhalb von 8 Jahren. Also, so gut wie nix. Zudem kenne ich genügend Beispiele, wo ein Elternteil oder sogar beide risikoreich konsumiert haben und nicht ein Kind von denen heute trinkt. Da gehören noch einige andere Faktoren dazu, außer der Tatsache der trinkenden Vorbilder. Sicher spielt es häufig eine Rolle: wie der Herr, so das Geschirr, aber bei Süchtigen oder Menschen, die den Rausch häufiger benutzen, um ihr Leben erträglicher zu machen oder um Hemmungen abzubauen, spielt die eigene Persönlichkeit die entscheidende Rolle, ob man später ins gleiche Muster verfällt oder nicht. Konnte sich keine gefestigte Persönlichkeit bilden, dann neigen die Nachkömmlinge u. U. dazu. Alle anderen konnten die unangenehmen Erfahrungen produktiv für sich nutzen und konnten erkennen, was sie später unter keinen Umständen wollen.
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