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Allergie: Die Psyche niest mit

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Corbis

Allergische Reaktionen: Auch psychische Faktoren haben Einfluss auf die Symptome

Vererbung, Lebensstil, Ernährung - das alles beeinflusst die Entstehung von Allergien und Asthma. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Psyche: Ängste und Stress können das Leiden verstärken.

Asthmatiker reagieren mitunter sehr sensibel auf neue Gerüche - aus Sorge, dass der unbekannte Duft Atemnot auslöst. In einer kleinen Studie stellten US-Forscherinnen fest, dass fremde Düfte tatsächlich Entzündungsreaktionen verstärken können, die zu allergischem Asthma führen.

Mehrere Betroffene wurden für die Untersuchung einem intensiven, aber harmlosen Duft ausgesetzt. Einigen Teilnehmern sagten die Forscherinnen, der Duft würde Asthma verstärken. Den anderen teilten sie mit, er sei heilsam. Das Ergebnis: Nicht nur die subjektiv empfundenen Symptome verschlimmerten sich, wenn die Asthmatiker glaubten, der Geruch sei für sie schädlich. Auch die Entzündung in den Atemwegen nahm zu, wie Christina Jaén und Pamela Dalton vom Monell Center in Philadelphia im "Journal of Psychosomatic Research" berichten. Das lässt die Betroffenen auch auf andere Asthmatrigger empfindlicher reagieren.

"Wenn wir erwarten, dass ein Geruch für uns schädlich ist, reagiert der Körper auch so. Bei Probanden, denen wir gesagt hatten, dass der Geruch therapeutische Effekte hätte, verstärkte sich die Entzündung in den Atemwegen dagegen nicht", sagt Jaén.

Dass Angst und Stress die Entstehung von Asthma beeinflussen können, legt auch eine in Deutschland durchgeführte Studie nahe: Demnach erhöht sich das Risiko für die Atemwegserkrankung, wenn Menschen fürchten, dass sie bald ihren Job verlieren.

Seit etwa zwei Jahrzehnten gibt es die medizinische Fachrichtung der Psychoneuroimmunologie, die beschreibt, wie eng Psyche, Immun- und Nervensystem miteinander verzahnt sind und mithilfe von Botenstoffen miteinander kommunizieren. So wird erklärbar, wie sich psychologische Prozesse auf körperliche Funktionen auswirken können.

Ängste können Symptome verstärken

Dass die Psyche allergische Reaktionen beeinflusst, vermutet auch Franziska Ruëff vom Allergiezentrum der LMU München. Sie berichtet von der sogenannten anstrengungsgetriggerten Anaphylaxie: einer akuten Reaktion des Immunsystems, bei einer Allergie gegen das Weißen-Klebereiweiß Gluten. Eine Anaphylaxie reicht von leichten Hautreaktionen über Störungen von Organfunktionen bis zum tödlichen Kreislaufversagen, dem anaphylaktischen Schock.

"Es gibt Patienten, die essen neunmal eine Frühstückssemmel aus Weizen und es passiert nichts. Beim zehnten Mal platzt dann die Bombe und es tritt eine Anaphylaxie auf. Wir halten es für möglich, dass nicht nur körperliche Anstrengung, sondern auch psychischer Stress hier den kleinen Unterschied machen. Aber der Effekt ist schlecht messbar und Untersuchungsdaten dazu liegen kaum vor", sagt Ruëff.

Bei Neurodermitikern wird laut Ruëff der Einfluss der Psyche sehr deutlich: "Schon seit Langem ist bekannt, dass psychogene Faktoren Krankheitsschübe verursachen können", sagt die Münchner Allergologin. Es gebe jedoch bislang kaum wissenschaftlich fundierte Studien dazu, wie das passiere. Sie erzählt von einer Patientin mit schwerer Neurodermitis, bei der regelmäßig das Blut abgenommen und auf Immunglobulin E, kurz IgE, untersucht wurde. Immunglobulin E wehrt körperfremde Stoffe ab - und spielt eine Rolle bei allergischen Reaktionen. Ging es der Frau gut, war ihr IgE-Spiegel niedrig. Ging es ihr dagegen schlecht, war der IgE-Spiegel hoch.

"Grundsätzlich ist vorstellbar, dass die Psyche auch bei anderen Allergieerkrankungen einen Einfluss hat", sagt Ruëff. Sie betont aber, dass es keinen speziellen Menschentyp für Allergiekrankheiten gibt. "Es ist nicht so, dass ängstlich veranlagte oder wenig selbstbewusste Menschen häufiger an Allergien erkranken als andere", sagt sie mit Blick auf ihre langjährige klinische Erfahrung.

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1. selbst Bilder können reichen
HHullen 23.10.2014
Ich bin u.a. gegen Chrysanthemen allergisch; gelegentlich reichte sogar ein Bild von einem Chrysanthemenstrauss aus, allergische Reaktionen (u.a. Fließschnupfen) auszulösen. Lästig ...
2. Ist mir schon vor zwanzig Jahren klar aufgefallen
Freiberufler 24.10.2014
Bei Hausstaub, aber auch bei schweren Allergien. Man muss nur den Denkapparat einschalten und seine Intuition zu nutzen wissen, um das zu sehen. ------------ Und Neurodermitis? Halte ich komplett für durch psychische Drangsal gesteuert. Das vierjährige Kind von Mormonen war über und über davon besät. Das Kind war die psychosomatische Senke für die Heuchelei seiner Eltern. Lange brauchte ich für die Diagnose nicht. ----------- Gruss vom Freiberufler
3. Hört bitte auf den Allergikern ihre Allergie erklären zu wollen ...
Pelao 24.10.2014
... und am Ende läuft alles darauf hin, daß sie alle (die Allergiker) einen Hau haben. .... Die Reaktion auf Allergene hängt natürlich vom körperlichen Allgemeinbefinden ab ... das kann Ihnen jeder Allergiker in der ersten Anamnese erzählen ... Auf der anderen Seite steht die Bevormundung durch Gesellschaft und/oder Arzte die den selbstbestimmten Zugang zu effektiven Wirkstoffen beschränkt und somit die allgemeine Belastung verstärkt ... Kapiert? Nee? ... Ach ja, die Allergiker haben halt einen Hau (Pelao, seit 51 Jahren bekennender Allergiker)
4. Ernährung und Allergien
Alexandra G 24.10.2014
Ich bin selbst gegen einige Sachen empfindlich. Nach einem Frisörbesuch mit Färben musste ich sogar zum Arzt, weil mein Kopf anschwoll und brannte. Nicht sehr lustig. Seit ich mich allerdings vegan ernähre und dadurch bedingt viele Fertiggerichte und Zusatzstoffe nicht mehr esse, geht's mir tatsächlich besser. Selbst Haselnüsse und Äpfel kann ich wieder problemlos essen, ohne dass ich röcheln muss oder anschwelle. Früher tränten die Augen beim Feldspaziergang, heute kann ich ohne Taschentuch dort joggen. Es hat also nicht nur was mit Psyche zutun, sondern auch viel mit Ernährung.
5. Einfache Lösung
Werner Winkler 24.10.2014
Die Suche nach Ursachen für allergische Reaktionen führt häufig in eine Sackgasse - die Suche nach bereits erprobten Lösungserfahrungen hingegen eröffnet gangbare Wege zur Nachahmung. Bei mir war es die Nachahmung der Anregungen von Dr. Max Bruker, die mich vor 25 Jahren von schwerem und lebensbedrohlichem "Asthma" geheilt hat: Verzicht auf tierische Eiweiße. Das hat mich innerhalb weniger Tage geheilt.
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Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.

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