Kosten für Altenpflegeheime Teurer Süden, günstiger Osten

Wie viel kostet ein Platz in einem Altenpflegeheim? Eine bundesweite Analyse offenbart deutliche regionale Unterschiede - ein Zusammenhang zwischen Preisen und Qualität besteht kaum.

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Kommt ein Pflegebedürftiger ins Heim, übernimmt die Pflegekasse nur einen Teil der Kosten. Wer trägt den Rest? Zuerst ist der Betroffene selbst in der Pflicht, danach die Angehörigen - Ehepartner, Kinder oder eventuell auch Enkel. Nur wenn sie alle nicht in der Lage sind, den Eigenanteil zu tragen, übernimmt das Sozialamt.

Die Höhe der monatlichen Kosten hängt nicht nur von der Pflegestufe ab. Eine von SPIEGEL ONLINE erstellte Auswertung zeigt: Die regionalen Unterschiede sind groß.

Am geringsten ist der Eigenanteil demnach im südwestlichen Thüringen, in Hohenleuben, Ranis und Berga/Elster. Rund 700 Euro Eigenanteil bei Pflegestufe I werden hier für 30 Tage fällig. Ähnlich sieht es im sächsischen Riesa und Strehla aus. Hier ist mit rund 750 Euro Eigenanteil im Monat zu rechnen.

Am oberen Ende der Skala findet sich der Großraum München. Gut 1860 Euro Eigenanteil sind hier der Durchschnitt. In Köln liegt der privat zu tragende Beitrag mit rund 1840 nur unwesentlich darunter. Im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen, rund um Ahaus, Legden, Vreden und Velen liegen die Pflegeheim-Kosten ebenfalls auf diesem Niveau.

Genaue Informationen darüber, wie wir gerechnet haben, finden Sie hier.

Wie sind die Unterschiede zu erklären?

Pflegeheime sind im Wesentlichen Ländersache. Es gibt deshalb keinen bundesweit geltenden Personalschlüssel für Altenheime, er variiert von Bundesland zu Bundesland und zum Teil auch innerhalb eines Bundeslandes.

So ist zum Beispiel in Bayern vorgeschrieben, dass auf drei Pflegebedürftige mit Pflegestufe I eine Vollzeitkraft kommen muss. In Schleswig-Holstein dagegen können pro Vollzeitstelle 4,05 bis 6 Senioren mit Pflegestufe I betreut werden.

Zusätzlich verdienen Pflegekräfte je nach Bundesland unterschiedlich, das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor, die im Januar veröffentlicht wurde. Die Forscher konnten auf die im Meldeverfahren zur Sozialversicherung erhobenen Bruttolöhne von Helfern und Fachkräften in der Altenpflege zugreifen. Hier zeigt sich vor allem ein Ost-West-Gefälle, aber zum Teil auch eines zwischen Nord und Süd.

Gesundheitsökonom Heinz Rothgang von der Universität Bremen sagt, dass sich zudem die Mentalität in den Bundesländern unterscheide. Zum Beispiel finde ein Heimbetreiber, der eine Spezialisierung einführen will, die mehr Personal benötigt und daher teurer ist, in Nordrhein-Westfalen eher Gehör als in Niedersachsen.

Im Grenzbereich von NRW und Niedersachsen zeige sich, was die Unterschiede bewirken, erklärt Rothgang: "Die Pflegenden suchen sich Stellen in Nordrhein-Westfalen, weil dort die Löhne besser sind. Für die Pflegebedürftigen wird dagegen eher ein Heimplatz in Niedersachsen gesucht, weil die Kosten dort geringer sind."

Wie stark wurde die Einrichtung gefördert?

Die Kosten für einen Pflegeplatz werden in drei Kategorien aufgeschlüsselt: Pflegesatz, Hotelkosten und Investitionskosten.

Unter den Pflegesatz fallen die Kosten für Pflegeleistungen und Betreuung. Die Hotelkosten decken Unterkunft und Verpflegung ab. Einige Posten, wie etwa die Heimleitung, können sowohl in der einen als auch in der anderen Kategorie verbucht werden.

Die Investitionskosten sollen Baukosten, Pacht oder Miete und Instandhaltung des Gebäudes abdecken. Sie schwanken stark von Heim zu Heim. Denn ihre Höhe hängt davon ab, wie stark der Bau gefördert wurde. In Ostdeutschland gab es beispielsweise von 1995 bis 2002 eine sehr starke Förderung, weshalb bestehende Heime heute oft sehr geringe Investitionskosten ausweisen.

Das bringe das Problem mit sich, dass die Heimkapazitäten dort inzwischen langsamer wachsen als die Nachfrage: Kapazitätslücken entstehen, weil neue Heime aufgrund der inzwischen heruntergefahrenen Förderung nicht mit den etablierten konkurrieren können, sagt Rothgang. In den fünf neuen Bundesländern - und nur dort - sind die Heime daher inzwischen zu über 90 Prozent ausgelastet.

Ein genauerer Blick in die Daten zeigt: In Hohenleuben, wo ein Pflegeplatz besonders günstig ist, liegen die Investitionskosten für 30 Tage oft unter 100 Euro, nur in seltenen Fällen betragen sie mehr als 200 Euro. In München, wo der Pflegeplatz im Schnitt am teuersten ist, sind dagegen oft zwischen 400 und 560 Euro Investitionskosten fällig.

Auch die Auslastung kann bei den Preisen eine Rolle spielen. In Rheinland-Pfalz etwa, wo es teilweise eine Überversorgung gebe, wie Rothgang sagt, würden Heime ihre Preise senken, um ihre Auslastung zu erhöhen.

Der Gesundheitsökonom kritisiert die Unterschiede in den Bundesländern: "Bei Krankenhäusern gibt es auch bundesweit geltende Regelungen. Warum geht das nicht in der Pflege?" Und er bemängelt: "Insgesamt besteht in der Altenpflege kaum ein Zusammenhang zwischen Preisen und Qualität."

Zur Autorin
  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
klaus64 02.09.2015
1. Angleichung Ost - West
Im Schnitt waren Löhne im Osten niedriger, somit sind auch die Renten niedriger. Insoweit können Ostrentner auch nur einen geringeren Eigenanteil aufbringen. Der Rückgriff auf Angehörige wäre dann durch die noch immer geringeren Ostlöhne ebenfalls unsozial. Soll man den Zustand doch so lassen und in 30 oder 50 Jahren nochmal schauen, was sich wo entwickelt hat. Damit haben wir Planungssicherheit für alle über einen längeren Zeitraum.
diefreiheitdermeinung 02.09.2015
2. Gehen Se noch einen Schritt weiter
Altenpflegeheime in Thailand, Philippinen etc. Könnten die Pflegekassen durchaus entlasten - und die zu Pflegenden dazu. Dumm nur, dass sich die BR Deutschland im SGB dazu entschieden hat die Pflegegelder total zu streichen sobald ein Pflegegeldempfänger die EU verlässt. Und selbst bei Umzug innerhalb der EU werden die Pflegegelder ich glaube nur "freiwillig" ausgezahlt. Und auch das erst nach einem Urteil der europ. Gerichtshofs. Wobei z.B. Pflegehilfmittel weitesgehend gestrichen werden. Resume: der Regierung und den Kassen geht es garnicht um Kostensenkung, sondern es geht ihnen um die Bewahrung der eigenen Pflegepfründen - und die "Pflegekonzerne" stossen natürlich ins gleiche Horn. Also in Wirklichkeit auf den Schultern der Pflegebedürftigen. Denn DEREN wirkliche Interessen kommen oft an letzter Stelle. An 1. Stelle meistens: Beschäftigungs- und Bezahlkonditionen für Pfleger. Jawohl, der Sozialstaat in Aktion!
bumminrum 02.09.2015
3. für alle
Sachverhalte außerhalb von Deutschland sind Mrd. vorhanden. Von Griechenland bis Ukraine oder die Vollversorgung von Millionen unterschiedlich bedürftiger Asylbewerber. Aber im eigenen Land bekommt diese Regierung nicht einmal eine vernünftige Pflegeversicherung hin. Wer arbeiten war und etwas gespart hat wird inkl. Sippenhaft der Familie geschröpft. Bei allen anderen zahlt der Staat.
j.vantast 02.09.2015
4. Warum?
Zitat von klaus64Im Schnitt waren Löhne im Osten niedriger, somit sind auch die Renten niedriger. Insoweit können Ostrentner auch nur einen geringeren Eigenanteil aufbringen. Der Rückgriff auf Angehörige wäre dann durch die noch immer geringeren Ostlöhne ebenfalls unsozial. Soll man den Zustand doch so lassen und in 30 oder 50 Jahren nochmal schauen, was sich wo entwickelt hat. Damit haben wir Planungssicherheit für alle über einen längeren Zeitraum.
Warum ist der Rückgriff auf Angehörige im Osten unsozial, im Westen hingegen nicht? Immerhin sind die Kosten/Eigenanteile im Osten ja auch deutlich geringer. Aber es passt ins Bild: Man will immer nur die Vorteile des Westens haben, aber die Nachteile nicht.
mikado17 02.09.2015
5. Ziviler Ungehorsam
Ist insbesondere für den Bereich der Pflege angesagt! Wie können wir es als Gesellschaft bloß zulassen, dass es in diesem Bereich privatwirtschaftliches Bestreben gibt!? Hier kann es immer nur einen Tarif je Pflegestufe geben! Obwohl die Renten im Osten derzeit noch höher sind, werden niedrigere Sätze verlangte, nicht ganz ok!
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