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Psychische Störungen: Das Risiko der späten Vaterschaft

Je älter der Vater, desto höher ist das Risiko der Kinder für psychische Erkrankungen. Das zeigt eine Studie von Medizinern aus Schweden und den USA. Die Ergebnisse verblüfften die Forscher: Der Zusammenhang war viel deutlicher als bisher angenommen.

Das Alter, in dem Paare Kinder bekommen, ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Knapp 31 Jahre alt sind Frauen in Deutschland im Schnitt, wenn sie ein Kind zur Welt bringen. Der Vater ist zu diesem Zeitpunkt knapp 34 Jahre alt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Erstgebärende sind gut 29 Jahre alt. Zum Vergleich: Um 1965 waren Frauen, die ihr erstes Kind bekamen, durchschnittlich lediglich 24 Jahre alt.

Aus medizinischer Sicht kann die insgesamt etwas spätere Familiengründung Risiken bergen, das legten schon mehrere Studien nahe. Experten vermuten, dass die Spermien der Männer mit zunehmendem Alter mehr Mutationen im Erbgut enthalten - darunter eben auch schädliche.

Jetzt präsentieren Forscher aus Schweden und den USA im Fachjournal "Jama Psychiatry" eine weitere Studie, die zeigt: Das Risiko für verschiedene psychische Störungen, darunter ADHS, Autismus und Psychosen, nimmt mit steigendem Alter des Vaters zu.

Die Wissenschaftler um Brian D'Onofrio von der Indiana University in Bloomington werteten Daten von fast allen Kindern aus, die zwischen 1973 und 2001 in Schweden geboren wurden. Dort wird eine Vielzahl medizinischer Daten in nationalen Registern abgespeichert, so dass die Forscher den Werdegang von etwa 2,6 Millionen Menschen nachvollziehen konnten.

"Von den Ergebnissen erschüttert"

Im Schnitt waren die Väter bei der Geburt der Kinder 31 Jahre alt. Jene Väter im Alter von 20 bis 24 Jahren dienten als Referenzgruppe. Insgesamt teilten die Forscher die Männer in Altersgruppen mit Schritten von je fünf Jahren ein. Andere Faktoren, die die Kindesentwicklung ebenfalls beeinflussen können, bezogen die Wissenschaftler in ihr Rechenmodell mit ein - darunter den Bildungsgrad der Eltern und ob diese einmal in psychiatrischer Behandlung waren.

Anschließend verglichen die Forscher die Sprösslinge der über 45-jährigen Väter mit denen der 20- bis 24-Jährigen. Das Ergebnis: Durch das höhere Alter des Vaters hatten die Kinder:

  • ein 3,5-mal so hohes Risiko für Autismus,
  • ein 13-mal so hohes Risiko für ADHS,
  • ein doppelt so hohes Risiko für eine Psychose,
  • ein 25-mal so hohes Risiko für eine bipolare Störung,
  • ein 2,5-mal so hohes Risiko für Drogensucht.

Auch wenn die Risikoerhöhung drastisch klingt: Die absoluten Zahlen zeigen, dass die Gesamtwahrscheinlichkeit für eine Störung jedoch gering ist. Im Fall von ADHS etwa stellten Psychiater bei insgesamt drei von 1000 der schwedischen Kinder die Diagnose.

Nicht nur die Genetik beeinflusst das Krankheitsrisiko. Auch die sozoioökonomischen Faktoren wie etwa das Einkommen oder der Bildungsgrad der Eltern spielten laut den Autoren der Studie eine große Rolle. Die gute Nachricht: Offenbar wirken diese dem schädlichen genetischen Einfluss so deutlich entgegen, dass die psychischen Störungen bei den untersuchten Kindern doch nicht so häufig vorkommen, wie es laut Risikoberechnung zu erwarten wäre.

Gleichwohl waren die Wissenschaftler über die deutlichen Effekte erstaunt. "Wir waren erschüttert von den Ergebnissen", sagt D'Onofrio. "Die Zusammenhänge mit dem Alter des Vaters waren viel, viel größer als in früheren Studien." Auch wenn natürlich viele Kinder älterer Väter überhaupt nicht mit den beschriebenen Problemen zu kämpfen hätten, sei es doch wichtig, über die möglichen Risiken aufzuklären.

wbr

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insgesamt 130 Beiträge
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1. optional
bafibo 27.02.2014
Letztlich kommt 'raus: Das vielfache von fast nichts ist immer noch fast nichts, und: Bildung hilft. Da späte Kinderwunscherfüllung vor allem bei Akademikern verbreitet ist, ist letztlich alles halb so wild.
2. D'Onofrio?
Corja 27.02.2014
Das ist doch dieser Schauspieler. Der reagiert ja immer etwas über, egal was oder wen er spielt.
3.
KV491 27.02.2014
Zitat von sysopCorbisJe älter der Vater, desto höher ist das Risiko der Kinder für psychische Erkrankungen. Das zeigt eine Studie von Medizinern aus Schweden und den USA. Die Ergebnisse verblüfften die Forscher: Der Zusammenhang war viel deutlicher als bisher angenommen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/alter-des-vaters-ist-ein-risikofaktor-fuer-psychische-stoerungen-a-955817.html
Hhmm...aus Daten des Zeitraums von 1973 und 2001 will man was über ADHS und "bipolare Störungen" sagen? Da wäre ja mal interessant, welche älteren Diagnosen überhaupt mit ADHS oder "bipolar" äquivalent gesetzt wurden. Wenn das nicht geschah, ist das Ding ja schon durch, bevor es angefangen hat: Früher wurde kaum ADHS diagnostiziert und früher waren die Väter jünger. Fertig. Aussage? Ginge gegen Null.
4. Die Bereitschaft, ......
curti 27.02.2014
Zitat von sysopCorbisJe älter der Vater, desto höher ist das Risiko der Kinder für psychische Erkrankungen. Das zeigt eine Studie von Medizinern aus Schweden und den USA. Die Ergebnisse verblüfften die Forscher: Der Zusammenhang war viel deutlicher als bisher angenommen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/alter-des-vaters-ist-ein-risikofaktor-fuer-psychische-stoerungen-a-955817.html
...."psychische Störungen" bei den Betroffenen bzw. Genen zu verorten, ist mittlerweile sehr starkt ausgeprägt unter Medizinern und Psychologen. Dabei gibt es weitaus naheliegendere, symptomatische Gründe, z.B. Reflektion auf das Umfeld. Die offene Auseiandersetzung damit würde allerdings beinhalten, systemische Defizite in Frage zu stellen. Und das scheint zu meiden wie der Teufel das Weihwasser und begeht vorzugsweise "Befriedungsverbrechen"! https://www.youtube.com/watch?v=U7cyeqgNgH8 http://www.magazin-auswege.de/data/2013/01/Eisenberg_Psychologisierung_und_Medizinisierung_sozialer_Konflikte.pdf
5. ...
longhoishong 27.02.2014
Und die Mütter? Deren Alter hat darauf keinen Einfluss?
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