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Unnötiges Risiko: "Ich würde Deos ohne Aluminium empfehlen"

Gemüse in Alufolie: Wie viel Aluminium ist für den Menschen ungefährlich? Zur Großansicht
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Gemüse in Alufolie: Wie viel Aluminium ist für den Menschen ungefährlich?

Aluminium gelangt über die Nahrung in den Körper. Wer zudem aluminiumhaltige Deos benutzt, überschreitet schnell den Grenzwert. Der Toxikologe Detlef Wölfle klärt über die möglichen Gefahren auf und verrät, in welchen anderen Quellen das Metall steckt.

ZUR PERSON
Detlef Wölfle ist Toxikologe in der Abteilung für Produkt- und Chemikaliensicherheit und stellvertretender Leiter der Fachgruppe Toxikologie am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
SPIEGEL ONLINE: Herr Wölfle, letztes Jahr sorgte der Film "Die Akte Aluminium" für viel Verunsicherung unter Verbrauchern. Aluminiumhaltige Deosprays wurden darin unter Verdacht gestellt, das Risiko für Brustkrebs zu erhöhen. Ist da was dran?

Wölfle: Die Studienlage ist widersprüchlich. In verschiedenen Studien an Brustkrebspatienten wurden die Aluminiumgehalte im Brustgewebe untersucht und gesundes mit krankem Gewebe verglichen. In manchen dieser Studien gab es Hinweise auf einen Zusammenhang, in anderen nicht. Auf dieser Basis kann man derzeit nicht beurteilen, ob aluminiumhaltige Deos das Risiko für Brustkrebs erhöhen. Wir brauchen mehr Forschung zu dem Thema.

SPIEGEL ONLINE: Nichtsdestotrotz hat das BfR kürzlich in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass die tolerierbare Aufnahmemenge wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung alleine durch Lebensmittel ausgeschöpft sei. Mit anderen Worten: Durch den Gebrauch von aluminiumhaltigen Deos liegt man über den empfohlenen Grenzwerten.

Wölfle: So ist es. Wir nehmen Aluminium aus verschiedenen Quellen auf: Es steckt natürlicherweise in Lebensmitteln, beispielsweise in Tee, Kakao, Schokolade, Salat und Gemüsen. Dann wird es auch noch als Lebensmittelzusatzstoff von der Industrie verwendet, beispielsweise als Farbstoff für Überzüge von Zuckerwaren, für die Dekoration von Kuchen und feinen Backwaren. Es kann auch von Alu-Töpfen oder Alufolie auf die Nahrung übergehen. Und es ist eben auch in Deos enthalten. In der Summe ist zu befürchten, dass der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa gesetzte Grenzwert für die maximal tolerable wöchentliche Aufnahme zumindest teilweise überschritten wird. Also muss man nach Möglichkeiten suchen, wie man die Aluminium-Exposition reduziert. Der Verbraucher kann dazu beitragen, indem er einfach auf manche Sachen achtet.

SPIEGEL ONLINE: Da liegt es natürlich nahe, erst einmal eher verzichtbare Quellen wie Deos zu meiden, als die Ernährung umzustellen.

Wölfle: Genau. Schauen Sie auf das Inhaltsverzeichnis und benutzen Sie aluminiumhaltige Deos nicht so häufig oder verzichten Sie ganz darauf - vor allem nach der Rasur. Wir wissen, dass über die geschädigte Haut viel mehr Aluminium aufgenommen wird.

SPIEGEL ONLINE: Um wie viel mehr?

Wölfle: Das kann man nicht so genau sagen. Man muss auch berücksichtigen, dass die Verletzungen individuell ausgeprägt sein können. Es gibt unterschiedliche Ergebnisse dazu, auch dazu müssen wir noch mehr forschen. Aber auch bei der Ernährung können Sie darauf achten. Beispielsweise, indem Sie saure oder salzhaltige Lebensmittel nicht lange in Alutöpfen oder Alufolie aufbewahren. Wenn Sie unverarbeitete Lebensmittel konsumieren, minimiert das die Chance, aluminiumhaltige Zusatzstoffe zu verzehren.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt sogenannte Bergkristall-Deos. Das klingt erst einmal ganz natürlich und harmlos, sie bestehen aber aus Alaun, was nichts anderes ist als ein reiner Aluminiumsalzkristall.

Wölfle: Nach Informationen des BfR enthalten Deos typischerweise Aluminiumchlorohydrat in einer Konzentration von circa 20 Prozent - was einem Aluminium-Anteil von etwa fünf Prozent entspricht. Zur Exposition über die Verwendung eines Bergkristalls liegen dem BfR keine Daten vor. Ich würde empfehlen, Deos ohne Aluminium zu verwenden.

SPIEGEL ONLINE: Aluminiumfluorid steckt auch in Zahnpasta . Damit sollte man sicher auch vorsichtig sein. Über Zahnfleischwunden würde ja auch Aluminium leichter in den Körper gelangen.

Wölfle: Ja, zudem hat man hier eine orale Aufnahme. Wie hoch sie ist, dazu haben wir keine Daten vorliegen. Nach den Schätzungen des BfR würde aber über das Verschlucken von Zahnpasta wesentlich weniger Aluminium aufgenommen werden als über Antitranspirantien.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprachen ja bereits an, dass man keine salzigen oder säurehaltigen Lebensmittel in Alufolie aufbewahren sollte. Da hat man natürlich sofort ein mariniertes Steak vor Augen. Einerseits wird empfohlen, nicht ohne Alufolie zu grillen, andererseits soll man nun bei Alufolie vorsichtig sein.

Wölfle: Sie grillen ja nicht täglich, sondern nur ein paar Mal im Jahr, insofern hält sich die Aluminiumbelastung über Alufolie in Grenzen. Bei den TWI-Werten geht es aber um regelmäßige Aufnahmen kleiner Summen über die gesamte Lebenszeit hinweg. Da haben Deos eben eine andere Qualität, weil man sie täglich und lebenslang anwendet.

ALUMINIUM - DIE WICHTIGSTEN FAKTEN
Was ist Aluminium?
Aluminium ist ein Leichtmetall und kommt natürlicherweise auf der Erde vor. Wir nehmen es hauptsächlich über Lebensmittel und Trinkwasser auf, aber auch über aluminiumhaltige Verbraucherprodukte wie Geschirr oder Lebensmittelverpackungen.

Es steckt auch in kosmetischen Produkten, vor allem in aluminiumhaltigen Deos. In hohen Dosen ist Aluminium ein Nervengift. Aluminium wird normalerweise über die Nieren ausgeschieden, reichert sich im Laufe des Lebens aber im Körper an, vor allem in der Lunge und dem Skelettsystem.
Welche Mengen sind unbedenklich?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa hat eine wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge, kurz TWI, von einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Der TWI-Wert gibt die Menge einer Substanz an, die ein Mensch wöchentlich über seine gesamte Lebensspanne hinweg aufnehmen kann, ohne eine Gesundheitsgefährdung befürchten zu müssen.
In welchen Lebensmitteln darf es als Zusatzstoff verwendet werden?
Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 ist Aluminium (E 173) als Farbstoff in Lebensmitteln ausschließlich für Überzüge von Zuckerwaren und für die Dekoration von Kuchen und feinen Backwaren zugelassen. Eine neue EU-Verordnung schränkt seit dem 1. Februar die Verwendung von aluminiumhaltigen Lebensmittelzusatzstoffen ein: Calciumaluminiumsilikat (E556), Bentonit (E558) und Aluminiumsilikat (Kaolin, E559) sind seit dem 1. Februar verboten. Natriumaluminiumsilikat (E554) und Kaliumaluminiumsilikat (E555) dürfen nur noch sehr eingeschränkt verwendet werden.

E554, E555, E556, E559 werden in Trockenlebensmitteln, Salz, Würzmitteln und geriebenem Käse verwendet, E558 ist ein technischer Hilfsstoff bei der Herstellung von Fruchtsäften und Wein.
Was ist mit Getränkedosen oder Tetrapaks?
Säuren und Salz lösen Aluminium. Aus diesem Grund werden Verpackungen und Behälter für Lebensmittel wie Getränkedosen, Joghurtbecherdeckel oder Aluminiumtanks für Fruchtsäfte auf der Innenseite beschichtet, um einen Übergang von Aluminium aus der Folie auf das Lebensmittel zu verhindern.
Warum ist in Deos oft Aluminium enthalten?
Aluminiumsalze ziehen die Haut zusammen und verstopfen die Schweißporen. Unter den Achselhöhlen hat das den erwünschten Effekt, dass man weniger schwitzt – weswegen in Deos (Sprays, Roller, Sticks, Cremes) meistens Aluminiumchlorhydratid verwendet wird. Aluminiumverbindungen müssen als Inhaltsstoffe auf der Verpackung des kosmetischen Mittels aufgeführt werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, Deos mit Aluminium sparsam einzusetzen und besser auf aluminiumfreie Deos zurückzugreifen. Man muss nicht immer das Kleingedruckte auf der Packung studieren, um aluminiumfreie Deos zu finden. Einige Hersteller haben das Problem erkannt und werben auf dem Etikett bereits mit der Angabe "ohne Aluminium".

Aluminiumhaltige Deos sollte man nicht auf frisch rasierte Haut auftragen, da durch die feinen Wunden weitaus mehr Aluminium in den Körper gelangt als durch unverletzte Haut. Wie viel mehr ist noch unklar.
Sind Kristall-Deos oder Alaunsteine aluminiumfrei?
Bergkristall-Deos werden als natürliche Deo-Variante beworben. Tatsächlich bestehen sie aber aus industriell hergestelltem kristallinem Aluminiumsalz und enthalten somit weitaus höhere Konzentrationen an Aluminium als gewöhnliche Deos, wo der Aluminiumgehalt bei circa fünf Prozent liegt.

Weil Aluminiumsalzkristalle wegen ihrer adstringierenden Wirkung auch Blutungen stoppen können, werden sie seit langem als sogenannte Alaunsteine oder -stifte für die Rasurpflege verkauft. Zwar hat das BfR das Risiko von Alaunsteinen noch nicht untersucht. Angesichts der hohen Aluminiumkonzentrationen und der Tatsache, dass Aluminium durch Hautwunden in noch höherem Maße aufgenommen wird als über gesunde Haut, sollte man auf die Anwendung von Alaunstiften verzichten.
Erhöht Aluminium das Risiko für Alzheimer oder Brustkrebs?
Zum Alzheimer-Risiko schreibt das BfR: "Verschiedene Studien versuchen einen Zusammenhang zwischen der Aluminiumaufnahme und einer Alzheimer-Krankheit nachzuweisen. Sie lassen aber aufgrund der uneinheitlichen Datenlage keine wissenschaftliche Beweisführung zu."

Weiter heißt es: "Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Aluminium aus Antitranspirantien und der Entstehung von Brustkrebs konnte wissenschaftlich bisher nicht belegt werden. Indizien für einen solchen Zusammenhang ergaben sich aus Studien an Brustkrebs-Patientinnen, die höhere Gehalte von Aluminium in Brustdrüsengewebe und -sekret zeigten, als in gesundem Gewebe bzw. im Sekret gesunder Frauen nachgewiesen werden konnte. Auch eine epidemiologische Fallstudie fand eine Korrelation zwischen dem Gebrauch aluminiumhaltiger Deos und dem Auftreten von Brustkrebs, während zwei andere epidemiologische Studien keine solche Korrelation fanden. Auch hier ist die Datenlage uneinheitlich und zum Teil widersprüchlich. Es besteht weiterer Forschungsbedarf, um diese Frage abschließend zu klären. In Studien an Mäusen wurden jedoch selbst bei hohen Einsatzkonzentrationen keine Tumoren beobachtet."
Welche Vorsichtsmaßnahmen kann ich treffen?
Das BfR mahnte in einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme, dass die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge von Aluminium wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung alleine durch Lebensmittel ausgeschöpft ist. Komme ein täglicher Gebrauch von aluminiumhaltigem Deo hinzu, würden die Grenzwerte überschritten.

Das BfR ruft deshalb dazu auf, die unnötige Aluminiumquelle Deo zu meiden. Zudem sollte man keine säure- oder salzhaltigen Lebensmittel in Alufolie oder Alutöpfen aufbewahren, da sonst zu viel Aluminium auf das Essen übergeht.

Von Jens Lubbadeh

Das Interview führte Jens Lubbadeh

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
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1. Risikobewertung
gfh9889d3de 20.03.2014
Dieser Herr arbeitet an einem "Bundesinstitut für Risikobewertung" gibt ein Interview zum Thema und kann genau eines nicht: Das Gesundheitsrisiko durch Aufnahme von Aluminium bewerten. Insofern sollte sich sein Institut in "Bundesinstitut für Bedenkenträger" umbenennen.
2. Aluminiumtöpfe
Okello 20.03.2014
In vielen Ländern der Welt werden vornehmlich Aluminiumtöpfe verwendet. Eine statistische Studie in diesen Ländern könnte sehr Aufschlußreich sein.
3. Alu in Impfstoffen!
Alphabeta 20.03.2014
Daß Alu in den Impfsera enthalten ist, wird hier typischerweise wieder mit keinem Wort erwähnt und daß es die Blut-Hirnschranke durchbricht und im Gehirn lu.U. ebensbedrohliche oder lebenslange Schäden anrichten kann, erst recht nicht! Dies ist jetzt mindestens schon mein Dritter Versuch, zum Thema alu hier ein Komment abzusetzen!
4. Wer gegen ein Miniumum Aluminium immun ist, ...
Kamillo 20.03.2014
... besitzt Aluminiumminnimumimmunität. http://kamelopedia.net/wiki/Aluminium
5. Mengen
Le Commissaire 20.03.2014
Zitat von AlphabetaDaß Alu in den Impfsera enthalten ist, wird hier typischerweise wieder mit keinem Wort erwähnt und daß es die Blut-Hirnschranke durchbricht und im Gehirn lu.U. ebensbedrohliche oder lebenslange Schäden anrichten kann, erst recht nicht! Dies ist jetzt mindestens schon mein Dritter Versuch, zum Thema alu hier ein Komment abzusetzen!
Und auch beim dritten Mal wird Ihr Hinweis nicht sinnvoller. Oder kennen Sie jemanden, der täglich geimpft wird? Die Mengen, die man über das gesamte Leben hinweg per Impfung aufnimmt, hat man bei Nutzung von Alupapier, Deos und anderen Alltagsgegenständen in ein paar Wochen intus. Die Impfparanoia kann hier also mal getrost in der Kiste bleiben.
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