Alzheimer: Forscher sagen rasante Demenz-Zunahme voraus

Alt, vergesslich, orientierungslos: Forscher gehen davon aus, dass sich die Zahl der Alzheimer-Erkrankten in den USA bis 2050 verdreifachen wird. Ähnliches sagen Experten für Deutschland voraus. Eine wirksame Therapie gegen das Vergessen ist nicht in Sicht.

Angewiesen auf Hilfe: Bis 2050 könnte sich die Zahl der Alzheimer-Patienten verdreifachenZur Großansicht
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Angewiesen auf Hilfe: Bis 2050 könnte sich die Zahl der Alzheimer-Patienten verdreifachen

Minneapolis - Im Jahr 2050 werden etwa dreimal so viele Menschen in den USA an Alzheimer erkrankt sein wie heute. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher im Fachjournal "Neurology" mit einer Hochrechnung. Die Zahl der Erkrankten werde von 4,7 Millionen im Jahr 2010 auf 13,8 Millionen Menschen steigen, prophezeit das Team um Liesi Hebert vom Rush University Medical Center in Chicago. Etwa sieben Millionen der Betroffenen seien im Jahr 2050 85 Jahre alt oder älter.

Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz. Bei der Erkrankung verlieren die Betroffenen, die meist älter als 65 Jahre sind, zunächst langsam das Erinnerungsvermögen, haben Wortfindungs- und Orientierungsstörungen. Nach und nach verändert sich die gesamte Persönlichkeit, ohne Hilfe kann ein Alzheimer-Patient im Endstadium nicht mehr leben.

Auch für Deutschland sagen Experten voraus, dass es immer mehr Alzheimer-Kranke geben wird. Nach jüngsten Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 mehr als verdoppeln - von derzeit 1,4 Millionen auf rund 3 Millionen Betroffene. Etwa zwei Drittel der Betroffenen haben demnach Alzheimer. Die WHO hatte im vergangenen Jahr gewarnt, dass sich auch die Zahl aller Demenzkranker weltweit bis 2050 auf 115 Millionen Menschen verdreifachen werde.

Zukunft mit dramatischen Aussichten

"Unsere detaillierten Berechnungen nutzen zwar die neuesten Zahlen, aber die Ergebnisse gleichen den Prognosen von vor Jahren und Jahrzehnten", sagt die Mitautorin der US-Studie Jennifer Weuve. "All diese Projektionen sagen eine Zukunft mit einer dramatischen Zunahme von Menschen mit Alzheimer voraus. Das sollte uns zwingen, uns darauf vorzubereiten."

Das Problem dabei ist: Bislang ist Alzheimer unheilbar. Arzneien, die derzeit eingesetzt werden, sollen den Verlauf verzögern und Symptome wie Depressionen oder Halluzinationen behandeln. Eine ursächliche Therapie, die die Krankheit stoppt, gibt es noch nicht. Gelingt kein Durchbruch in der Therapieforschung, wird die Zahl der Alzheimer-Kranken weiter rasant steigen. Denn ein wichtiger Grund für die starke Zunahme ist der wachsende Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft.

"Unsere Studie macht auf etwas Dringendes aufmerksam: Diese Epidemie muss durch mehr Forschung, Behandlung und Prävention eingedämmt werden", sagt Weuve. Gemeinsam mit ihren Kollegen wertete Weuve Daten von 10.802 Menschen aus Chicago aus. Die Informationen umfassen einen Zeitraum von fast 20 Jahren. Die Teilnehmer waren mindestens 65 Jahre alt und wurden alle drei Jahre auf Demenz untersucht. Die Forscher verknüpften errechnete Alzheimer-Risiken unter anderem mit Sterberaten und Bevölkerungsschätzungen der US-amerikanischen Behörden und kamen so zu ihrer Prognose.

Die WHO schätzt die Kosten für die Pflege von Demenzkranken bereits jetzt auf jährlich 460 Milliarden Euro. In der Bundesrepublik braucht ein Demenzkranker nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK pro Monat im Schnitt gut 500 Euro mehr von den Pflege- und 300 Euro mehr von den Krankenkassen als ein durchschnittlicher Versicherter.

Die wichtigsten Fragen zur Alzheimer-Erkrankung (AD)
Bei den meisten Menschen nimmt das Erinnerungsvermögen mit zunehmendem Alter leicht ab. Altersbedingte Vergesslichkeit kann man deshalb nicht immer von den ersten Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung unterscheiden. Im Fachjargon sprechen Forscher von "Mild Cognitive Impairment" (MCI), also der milden Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten. Viele Menschen mit MCI bekommen zwar Alzheimer - trotzdem ist MCI noch lange keine Diagnose dafür. Alzheimer-Patienten verlieren häufig nach und nach das sogenannte episodische Gedächtnis. Sie erinnern sich zum Beispiel nicht mehr, dass ein Gespräch vor einem Tag stattfand. Andere typische Merkmale sind: Der Betroffene hat Wortfindungsstörungen oder Probleme mit der räumlichen Wahrnehmung (beispielsweise Schwierigkeiten beim Krawatte knoten oder Auto einparken). Oder aber der Patient verliert die Orientierung - und vertut sich etwa mit der Zeit oder geht in eigentlich bekannten Umgebungen verloren.

hei/dpa

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insgesamt 112 Beiträge
clausde 06.02.2013
Sicher wichtig für die Betroffenen. Es kann uns alle treffen. Genau so wichtig ist es die Ursachen zu erforschen. Was ist es das unser Gehirn so krank macht? Lebensumstände? Ernährung? Die zunehmende Alterserwartung? Wenn Demenz [...]
Sicher wichtig für die Betroffenen. Es kann uns alle treffen. Genau so wichtig ist es die Ursachen zu erforschen. Was ist es das unser Gehirn so krank macht? Lebensumstände? Ernährung? Die zunehmende Alterserwartung? Wenn Demenz zur "Volkskrankheit" der älteren Generation wird, dann ist die Frage wer zahlt die Betreuung und Behandlung? Erfahrungsgemäß lassen sich Mittel gegen solche verbreiteten Krankheiten, die Pharmakonzerne fürstlich bezahlen, wenn es sie dann mal gibt. Das Spiel ist ja bekannt. Forschungsgelder aus dem Steuersäckel kassieren, um dann die kranken Steuerzahler abzukassieren. Es wird zur Generationenfrage kommen. Werden sich die jungen Zahlenden dann uns Alte verwirrte noch leisten wollen? Weiter mag ich gar nicht denken....
sbrf 06.02.2013
Das ist doch nicht Alzheimer, das ist Politiker ....
Das ist doch nicht Alzheimer, das ist Politiker ....
ridgleylisp 06.02.2013
Möglichst viel ausgiebig schlafen! Viele ältere Menschen glauben mit weniger Schlaf auskommen zu können, und gewöhnen sich daran: Falsch! Wer unregelmäßig schläft merkt wie sehr es das Gedächtnis beeinflusst. Als Sprachlehrer [...]
Möglichst viel ausgiebig schlafen! Viele ältere Menschen glauben mit weniger Schlaf auskommen zu können, und gewöhnen sich daran: Falsch! Wer unregelmäßig schläft merkt wie sehr es das Gedächtnis beeinflusst. Als Sprachlehrer erlebe ich es täglich besonders detailliert: Nach schlechtem Schlaf sind einige Vokabeln einfach nicht "da", wenn man sie braucht.
theodore96 06.02.2013
Dass man das Alter eines Menschen mit medizinischen Fortschritt endlos verlängern kann, ist ein (un)frommer Wunsch der Wissenschaftsgläubigen. Menschliches Leben hat eine Grenze. Das gilt es zu akzeptieren. Was ist das für ein [...]
Dass man das Alter eines Menschen mit medizinischen Fortschritt endlos verlängern kann, ist ein (un)frommer Wunsch der Wissenschaftsgläubigen. Menschliches Leben hat eine Grenze. Das gilt es zu akzeptieren. Was ist das für ein Leben, wenn Menschen über Jahre ohne Selbstbestimmung durch eine Welt laufen, an der sie nicht mehr wirklich teilhaben können, weil der Geist sich bereits aus dieser Wirklichkeit verabschiedet hat? Dass man nur ein paar Jahre braucht, um diesen "Defekt" zu unterbinden bzw. zu reparieren ist eine Wahnvorstellung der Fortschrittsgläubigen. Unser Leben hat eine Grenze, die man nicht immer weiter verschieben kann. Als Christ würde ich hinzufügen: Dieses Leben ist nicht alles. Ich muss nicht alles, was machbar erscheint, aus ihm herauspressen, sondern es als einen Weg verstehen, der auf ein Ziel zuläuft, dass hinter meinem Vorstellungsvermögen liegt. das gibt mir jedenfalls die Gelassenheit meiner Endlichkeit etwas Gutes abzugewinnen und selbst vom Sterben noch etwas zu erwarten.
agua 06.02.2013
Den Satz mut 2/3 der Betroffenen haben Alzheimer,verstehe ich nicht.Sind die 2/3 nicht die Betroffenen?Davon abgesehen wird es vielleicht immer dringlicher ,die Ursache dafuer herauszufinden,wenn man schon weiss,dass es zu dieser [...]
Den Satz mut 2/3 der Betroffenen haben Alzheimer,verstehe ich nicht.Sind die 2/3 nicht die Betroffenen?Davon abgesehen wird es vielleicht immer dringlicher ,die Ursache dafuer herauszufinden,wenn man schon weiss,dass es zu dieser Zunahme kommen wird.
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  • Mittwoch, 06.02.2013 – 21:59 Uhr
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