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Alzheimer-Demenz: Wie das Vergessen entsteht

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Menschliches Gehirn (Computer-Animation): Forscher entschlüsseln Entstehung von Alzheimer Zur Großansicht
Corbis

Menschliches Gehirn (Computer-Animation): Forscher entschlüsseln Entstehung von Alzheimer

Erst kommen die Eiweißklumpen, dann der neuronale Untergang: Alzheimer ist eine komplexe Krankheit, die schon Jahre vorher im Gehirn entsteht, bevor die ersten Symptome auftauchen. Forscher suchen nach Wegen, den Verfall der Denkleistung zu stoppen.

"Ich habe mich sozusagen selbst verloren", sagte Auguste Deter einst ihrem Arzt Alois Alzheimer. Sorgfältig notierte der junge Nervenarzt alle Äußerungen seiner verwirrten Patientin, die im Jahr 1901 von ihrem verzweifelten Ehemann in die Städtische Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt am Main eingeliefert worden war.

Dass mehr als 100 Jahre später mehr als 24 Millionen weltweit an der nach dem Arzt benannten Erkrankung leiden würden, konnte der Neurologe damals nicht ahnen. Auch nicht, dass heute ein Drittel der Gesamtbevölkerung in Deutschland im Alter von über 90 Jahren eine Form von Demenz zeigen würde, vor allem die Alzheimer-Erkrankung. Tendenz steigend.

Nach dem Tod seiner Patientin hatte der junge Mediziner in deren Gehirn Eiweißablagerungen zwischen den Nervenzellen gefunden. Neben diesen Plaques hatte Alzheimer erstmals auch Neurofibrillen in den Nervenzellen entdeckt: verklebte Faserbündel des Tau-Proteins, die typisch sind für die Erkrankung. "Um diese Eiweißablagerungen dreht sich unsere Forschung noch heute", sagt Alexander Drzezga, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin an der Universitätsklinik Köln.

So schneiden bestimmte Enzyme aus der Zellmembran der Nervenzellen das so genannte Beta-Amyloid-Peptid aus, eine Kette von 38 bis 43 Aminosäuren. Besonders die langen Exemplare unter ihnen neigen dazu, miteinander zu verkleben. Und häufen sich bald zu Klumpen an, die irgendwann nicht mehr aufzulösen sind. Mit den Jahren können die Amyloid-Plaques einen erheblichen Teil des Gehirns ausfüllen. Außer dem Beta-Amyloid verklebt im Inneren der Nervenzellen auch das Transportprotein Tau vermehrt. Vor allem in der Hirnregion des Hippocampus und in der Großhirnrinde sterben Nervenzellen ab, was zu den Symptomen der Demenz führt.

Die Summe vieler Faktoren

Diese Prozesse lösen im Hirngewebe eine chronische Entzündung aus. Zusätzlich spielt offensichtlich das Hormon Insulin beim Untergang der Nervenzellen eine Rolle. Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 haben ein doppelt so hohes Risiko, an Alzheimer zu erkranken als andere.

"Da gibt es noch viel zu entdecken", sagt Lutz Frölich, Leiter der Abteilung für Gerontopsychiatrie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. Womöglich sei die Diagnose Alzheimer (mehr über die Möglichkeiten der Alzheimer-Diagnose lesen Sie hier) in Wahrheit ein Sammeltopf für ganz unterschiedliche Hirnerkrankungen.

Immerhin wissen Mediziner heute, dass sich bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten erster Demenz-Symptome bereits Proteine im Gehirn ablagern können. Und dass bei manchen Menschen mächtige Eiweißklumpen in verschiedenen Hirnregionen liegen, ohne dass sie je Anzeichen eines geistigen Verfalls entwickeln. Offensichtlich spielt dabei eine Rolle, wie gut die Nervenzellen untereinander und bestimmte Hirnbereiche miteinander vernetzt sind.

"Je besser die Vernetzung, desto mehr ist der Mensch gegen den geistigen Verfall gefeit", sagt Andreas Fellgiebel, Leiter der Gedächtnisambulanz an der Universitätsmedizin Mainz. Desto besser nämlich kann der Betroffene den Verlust von Nervenzellen kompensieren. Wie es gelingen kann, die Nervenzellen besser miteinander zu verknüpfen und Menschen damit vor der gefürchteten Demenz zu schützen, will Fellgiebel künftig näher erforschen.

DIAGNOSE UND FRÜHERKENNUNG VON ALZHEIMER
LEBEN MIT ALZHEIMER

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Ich vermisse die unmissverstaendlichen
commonsense2 06.11.2013
der beginnenden Erkrankung, Eigentests etc. es wird zwar viel ueber den Ablauf gesagt, jedoch nichts was man "vorbeugend' tun kann, um es ev. zu vermeiden - ausser Gehirnvernetzung bzw. untruegliche Testfragen/Aufgaben etc.
2. Artikel lesen
mitleserinnen 06.11.2013
es gibt keine Tipps zur Vorbeugung von Alzheimer, weil man bis heute nur Vermutungen anstellen kann, was die Krankheit auslöst. Man konnte bis vor kurzer Zeit die Diagnose ausschließlich bei einer Autopsie sichern.
3. Ernaehrung nicht vergessen und weitere Faktoren...
b5200 06.11.2013
... wie z.B. Aluminium. Bitte zum Thema Aluminium im Internet suchen. Das Thema ist in der Forschung relativ neu, gewinnt aber an Bedeutung. Ernaehrung ist auch ein wichtiges Thema. Siehe das Demenzrisiko bei Diabetes. Diesbezueglich wird das Thema Getreideprodukte, insbesondere Weizen (Stichworte Gluten bzw. Myelin) wichtig. Ein gutes Buch dazu ist das von Dr. med. William Davis mit dem Titel 'Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht'. Freilich, das ist bei alltaeglichen und seit Jahrhunderten von Menschen konsumierten Lebensmitteln wie Brot, Kaese usw. natuerlich schwer einzusehen auch deswegen, weil die Konsequenzen erst nach Jahren und Jahrzehnten sichtbar werden.
4. wenn ich
tiger56 06.11.2013
die Statisik noch richtig im Kopf habe lag die durchschnittliche Lebenserwartung mit Beginn des 20 Jhd in Deutschland noch bei rund 36Jahren. Wer 90ig heute werden will - muß sowohl den Mut dazu haben das Risiko einzugehen - als auch über genügend "Knete" verfügen. Auch wenn es sarkastisch klingt - Feuerwehrleute u. Schichtarbeiter haben eine 8Jahre geringere Lebenserwartung. Eine Möglichkeit die Wahrscheinlichkeit für "diese" Erkrankung zu verringern:O)))
5. Weizenkeim?
zila 06.11.2013
Zitat von b5200... wie z.B. Aluminium. Bitte zum Thema Aluminium im Internet suchen. Das Thema ist in der Forschung relativ neu, gewinnt aber an Bedeutung. Ernaehrung ist auch ein wichtiges Thema. Siehe das Demenzrisiko bei Diabetes. Diesbezueglich wird das Thema Getreideprodukte, insbesondere Weizen (Stichworte Gluten bzw. Myelin) wichtig. Ein gutes Buch dazu ist das von Dr. med. William Davis mit dem Titel 'Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht'. Freilich, das ist bei alltaeglichen und seit Jahrhunderten von Menschen konsumierten Lebensmitteln wie Brot, Kaese usw. natuerlich schwer einzusehen auch deswegen, weil die Konsequenzen erst nach Jahren und Jahrzehnten sichtbar werden.
Aluminiumablagerungen sind vermutlich eher eine Nebenerscheinung bei alzheimer und nicht die Ursache. Anfang der 90'er war das schonmal ein Thema, ist also nicht "relativ neu". Es ist dann fallen gelassen worden und jetzt hat man mit neueren Methoen Aluminium und Kupfer in einigen Proteinen nachgewiesen, die soweit ich mich entsinne hauptsaechlich Eisen binden. Wie immer gilt: eine Korrelation ist noch keine Ursache, man kann aber vorsichtshalber darauf achten, Aluminium zu minimieren. Der hochgelobte gesunde gruene Tee ist uebrigens eine richtige Aluminiumbombe. Mit Weizen meinen Sie hoffentlich den gebleichten Industrieweizen, den z.B. Weizenkeim ist eines der gesuendesten Lebensmittel ueberhaupt. Was Gluten und der ganze Hype mit Alzheimer zu tun haben soll ist mir nicht klar. Ich denke, dass man ueber die Ernaehrung die Autophagie als vermutlich wichtigsten Alterungsprozess etwas beeinflussen kann, da helfen Lebensmittel, die auch ansonsten dafuer bekannt sind, gesund zu sein (etwa Brokkoli).
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Zur Autorin
  • Tinka Dietz
    Astrid Viciano hat in Deutschland, Frankreich und Spanien Medizin studiert, war nach ihrer Promotion Redakteurin bei "Focus", "Die Zeit" und beim "Stern", zuletzt für zwei Jahre in Los Angeles. Seit Juli 2012 lebt sie als freie Autorin in Paris.
Morbus Alzheimer
Die Alzheimer-Krankheit wird auch Morbus Alzheimer oder Demenz vom Alzheimer-Typ genannt. Der bayerische Nervenarzt Alois Alzheimer beschrieb die Erkrankung erstmals 1906 anhand von Beobachtungen an seiner 51-jährigen Patientin Auguste Deter, die fünf Jahre lang unter schwerem Gedächtnisverlust und paranoiden Wahnzuständen gelitten hatte, bevor sie starb. Bei der Analyse ihres Gehirns fand Alzheimer steinharte Ablagerungen, die sogenannten Plaques und Fibrillen.

Die langsam fortschreitende Erkrankung ist neurodegenerativ, das heißt in bestimmten Gehirnbereichen wie dem Hippocampus, den motorischen Arealen und dem Hirnstamm, gehen die Nervenzellen allmählich zugrunde. Die durchschnittliche Krankheitsdauer liegt zwischen sechs und acht Jahren, in Ausnahmefällen zwischen einem und 15 Jahren. Im Verlauf kann es zu Jahre anhaltenden Plateauphasen kommen, während derer sich der Patient stabil auf dem erreichten Niveau hält.


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