Antibiotika bei Bronchitis: Kaum Nutzen, aber Nebenwirkungen

Die meisten Antibiotikarezepte werden in Praxen bei Atemwegsinfekten verschrieben. Dabei lösen in neun von zehn Fällen Viren die Bronchitis aus. Eine Studie zeigt: Das am häufigsten verschriebene Mittel hilft fast nie - verursacht aber Nebenwirkungen. Gesund werden die Patienten von selbst.

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Corbis

Erkältung: Gegen virale Infekte sind Antibiotika machtlos

Schmerzender Husten, Heiserkeit und Abgeschlagenheit treiben gerade im Winter viele Patienten in die Arztpraxen. Fehlt sonst nichts, stellt der Hausarzt am Ende der Untersuchung häufig die Diagnose akuter Atemwegsinfekt oder Bronchitis. Und der Patient verlässt die Sprechstunde nicht selten mit einem Rezept für ein Antibiotikum in der Hand. Dabei werden die meisten Patienten auch ganz ohne Medikamente wieder gesund.

Sinnvoll sind Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen, zum Beispiel einer Lungenentzündung, denn gegen die Viren, die für 90 Prozent der akuten Atemwegsinfektionen verantwortlich sind, wirken die Medikamente nicht. Dennoch verschreiben deutsche Ärzte millionenfach vor allem einen Wirkstoff: Amoxicillin. Der Kassenschlager ist laut Arzneiverordnungsreport 2012 das meistverschrieben Antibiotikum.

Doch der Wirkstoff lässt bei Infekten der unteren Luftwege - gemeint sind Luftröhre, Bronchien und Lungenflügel - die Patienten nicht schneller gesund werden, hat jetzt ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden. Auch die Beschwerden der Patienten werden nicht gelindert, berichten Paul Little von der britischen University of Southampton und Kollegen im Medizinjournal "The Lancet".

Ärzte diskutieren immer wieder, ob Antibiotika speziell bei älteren Patienten nützlich sein könnten, obwohl bekannt ist, dass Viren und nicht Bakterien die meisten Erkrankungen auslösen. Zum Beispiel könnte die vorsorgliche Antibiotikagabe theoretisch bei älteren Patienten eine zusätzliche bakterielle Infektion verhindern. Aus der Forschung gab es dazu bisher widersprüchliche Erkenntnisse.

Mehr Nebenwirkungen durch Antibiotika

"Der Einsatz von Amoxicillin zur Behandlung von Patienten mit Atemwegsinfekten, bei denen kein Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht, wird wahrscheinlich nicht helfen, könnte aber schaden", warnt jetzt Studienautor Little. Speziell, wenn sie unwirksam seien, hätten Antibiotika oft Nebenwirkungen wie Durchfall, Ausschlag oder Übelkeit, erläutert der Mediziner.

Die Studie stützt sich auf Untersuchungen an 2061 Erwachsenen in zwölf europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Der Zufallsgenerator entschied, ob die Teilnehmer entweder das Antibiotikum oder ein Placebo dreimal täglich für sieben Tage bekamen. Ärzte beurteilten den Zustand zu Beginn der Behandlung, die Teilnehmer führten über ihre Symptome ein Tagebuch. Relevante Unterschiede in der Länge oder der Stärke der Symptome fanden die Forscher zwischen den beiden Gruppen nicht, auch nicht bei Patienten über 60. Bei älteren Patienten wäre ein Vorteil der Antibiotikagabe noch am ehesten erklärbar: Geschwächt von anderen Krankheiten könnte das Mittel sie theoretisch vor einer zusätzlichen bakteriellen Infektion schützen.

Antibiotika
Antibiotika sind Wirkstoffe, die gegen Bakterien wirken. Je nach Arzneimittel hemmen die Mittel das Bakterienwachstum oder töten die Krankheitserreger ab.

Gegen von Viren, Pilzen, Würmern oder Parasiten ausgelöste Krankheiten sind Antibiotika wirkungslos.
Gesund auch ohne Medikament

Allerdings gab es in der Placebogruppe mehr Fälle (19,3 Prozent), in denen sich ein Symptom verschlimmerte oder ein neues hinzukam, als bei Patienten, die ein Antibiotikum erhielten (15,9 Prozent). Umgerechnet bedeutet das aber auch, dass 30 Patienten mit Amoxicillin behandelt werden müssten, um einen einzigen Fall der Verschlechterung zu verhindern, betonen die Studienautoren. Sie weisen zudem darauf hin, dass in der Placebo-Gruppe ein knappes Viertel (24 Prozent) an Nebenwirkungen litten, in der Gruppe mit Antibiotikum aber 28,7 Prozent. Im Krankenhaus behandelt werden mussten in der gesamten Studie lediglich zwei Personen aus der Placebo- und ein Patient aus der Amoxicillin-Gruppe.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die meisten Leute von allein wieder gesund werden. Aber da eine kleine Gruppe Patienten von Antibiotika profitiert, bleibt die Herausforderung, diese Individuen zu identifizieren", sagt Little. Unterstützung für diese Einschätzung erhält er in einem Kommentar von Philipp Schütz vom schweizer Kantonsspital Aarau. Schütz urteilt: "Little und seine Kollegen haben überzeugende Daten vorgelegt, die niedergelassene Allgemeinmediziner ermutigen sollten, bei risikoarmen Patienten auf Antibiotika zu verzichten, wenn kein Verdacht auf Lungenentzündung besteht."

Lesen Sie hier, wie Sie gesund durch die Grippe-Saison kommen, und was die Erkältung von der echten Grippe unterscheidet.

dba/dapd

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insgesamt 39 Beiträge
Das kommt jetzt natürlich VÖLLIG überraschend. Wer verdient da wohl dran? Jaja ;-)
Zitat von sysopDie meisten Antibiotikarezepte werden in Praxen bei Atemwegsinfekten verschrieben. Dabei lösen in neun von zehn Fällen Viren die Bronchitis aus. Eine Studie zeigt: Das am häufigsten verschriebene Mittel hilft fast nie - verursacht aber Nebenwirkungen. Gesund werden die Patienten von selbst. Antibiotika gegen Erkältung: Amoxicillin wirkt bei Bronchitis nicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/antibiotika-gegen-erkaeltung-amoxicillin-wirkt-bei-bronchitis-nicht-a-873796.html)
Das kommt jetzt natürlich VÖLLIG überraschend. Wer verdient da wohl dran? Jaja ;-)
Verun 19.12.2012
Und wieder verbreiten die Massenmedien Aberglauben gegen die Wissenschaft. Ist das ein Trend? Wollt ihr lieber Homöopathie? Antibiotika helfen nicht direkt gegen Virenerkrankungen - aber sie verhindern bakterielle [...]
Zitat von sysopDie meisten Antibiotikarezepte werden in Praxen bei Atemwegsinfekten verschrieben. Dabei lösen in neun von zehn Fällen Viren die Bronchitis aus. Eine Studie zeigt: Das am häufigsten verschriebene Mittel hilft fast nie - verursacht aber Nebenwirkungen. Gesund werden die Patienten von selbst. Antibiotika gegen Erkältung: Amoxicillin wirkt bei Bronchitis nicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/antibiotika-gegen-erkaeltung-amoxicillin-wirkt-bei-bronchitis-nicht-a-873796.html)
Und wieder verbreiten die Massenmedien Aberglauben gegen die Wissenschaft. Ist das ein Trend? Wollt ihr lieber Homöopathie? Antibiotika helfen nicht direkt gegen Virenerkrankungen - aber sie verhindern bakterielle Superinfektionen die zu schwerwiegenderen Komplikationen führen können. Dann doch lieber ein paar Nebenwirkungen! Nur so nebenbei denn es scheint allgemein unbekannt zu sein: Ärzte sind nicht blöde. Die wissen in den meisten Fällen genau was sie tun. Auch wenn die Medien sie gerne so hinstellen wollen. Und das Volk schreit "Jaaaa!".
wolibien 19.12.2012
Ich hatte eine bakterielle Halsinfektion und bekam ein Antibiotikum. Ich halte meinen HNO-Arzt für fähig, eine Virusinfektion als solche zu erkennen und dann keines zu geben. Punkt. Was soll dieser Artikel eigentlich ?
Ich hatte eine bakterielle Halsinfektion und bekam ein Antibiotikum. Ich halte meinen HNO-Arzt für fähig, eine Virusinfektion als solche zu erkennen und dann keines zu geben. Punkt. Was soll dieser Artikel eigentlich ?
frubi 19.12.2012
Meinen Hausarzt bräuchte ich nur bitten und schon hätte ich die Hand voller Antibiotika. Nun habe ich meinen Hausarzt in den letzten 5 Jahren 2 mal gesehen weil ich eben nicht wegen jedem kleinen Husten zum Onkel Dr. renne [...]
Zitat von VerunUnd wieder verbreiten die Massenmedien Aberglauben gegen die Wissenschaft. Ist das ein Trend? Wollt ihr lieber Homöopathie? Antibiotika helfen nicht direkt gegen Virenerkrankungen - aber sie verhindern bakterielle Superinfektionen die zu schwerwiegenderen Komplikationen führen können. Dann doch lieber ein paar Nebenwirkungen! Nur so nebenbei denn es scheint allgemein unbekannt zu sein: Ärzte sind nicht blöde. Die wissen in den meisten Fällen genau was sie tun. Auch wenn die Medien sie gerne so hinstellen wollen. Und das Volk schreit "Jaaaa!".
Meinen Hausarzt bräuchte ich nur bitten und schon hätte ich die Hand voller Antibiotika. Nun habe ich meinen Hausarzt in den letzten 5 Jahren 2 mal gesehen weil ich eben nicht wegen jedem kleinen Husten zum Onkel Dr. renne und mir die volle Dröhnung verabreichen lasse. Eienn gripalen Infekt kann man auch mit Ruhe, Wärme und etwas Leidesnfähigkeit aussitzen. Ich kriege schon immer einen Anfall wenn Arbeitskollegen bei leichtem Husten direkt davon schwadronieren, dass sie bestimmt eine Grippe haben. Wir Menschen haben auch so etwas wie ein Immunsystem und das funktioniert sehr gut, wenn man es mal arbeiten lässt. Gerne auch in Zusammenarbeit mit dem Doktor aber bestimmt nicht mit einer Pillenmischung.
granaten_apfel 19.12.2012
Vermutlich soll er das Weihnachtsloch füllen. Ist auch ganz einfach. "Winter, Infekt und vor allem PÖHSE ANTIBIOTIKA" sind Evergreens und geben hervorragenden sinnfreien Füllstoff für die Feiertage ab.
Zitat von wolibienIch hatte eine bakterielle Halsinfektion und bekam ein Antibiotikum. Ich halte meinen HNO-Arzt für fähig, eine Virusinfektion als solche zu erkennen und dann keines zu geben. Punkt. Was soll dieser Artikel eigentlich ?
Vermutlich soll er das Weihnachtsloch füllen. Ist auch ganz einfach. "Winter, Infekt und vor allem PÖHSE ANTIBIOTIKA" sind Evergreens und geben hervorragenden sinnfreien Füllstoff für die Feiertage ab.
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  • Mittwoch, 19.12.2012 – 15:49 Uhr
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Sprechstunde
Grippe: So schützt man sich

1. Häufig die Hände waschen. Wasser und normale Seife reichen aus, spezielle antibakterielle Seife ist nicht notwendig.

2. Die Hände vom Gesicht fernhalten. Hat man einen mit dem Virus belasteten Gegenstand angefasst, ist das Risiko groß, sich zu infizieren, wenn man sich an die Nase oder den Mund fasst.

3. Während der Grippewelle Abstand zu anderen Personen halten, engen Kontakt vermeiden. Dazu zählt auch, anderen die Hand zu geben, sie zu küssen oder zu umarmen.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de




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