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Antibiotika-resistente Keime: Die Gefahr durch globalisierte Erreger

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Bakterien: Mit der Zeit entwickeln Mikroorganismen Resistenzen gegen Antibiotika Zur Großansicht
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Bakterien: Mit der Zeit entwickeln Mikroorganismen Resistenzen gegen Antibiotika

Indien, Thailand, Ägypten: Auf Reisen fangen sich Menschen häufig antibiotikaresistente Keime ein. Oft ist das unproblematisch. Ein aktueller Fall an der Uniklinik Kiel offenbart jedoch die Gefahr, die von solchen Bakterien ausgeht.

Am Uniklinikum Kiel haben sich mehrere Patienten mit gefährlichen multiresistenten Bakterien infiziert. Fünf Verstorbene hatten neben ihren teils schweren Erkrankungen auch den gefährlichen Keim im Körper. Der sogenannte Acinetobacter baumannii sei gegen vier Antibiotikagruppen resistent, berichtet das Krankenhaus.

Der Erreger führe zwar nur relativ selten zu schweren Infektionen, die überwiegend auf Intensivstationen, bei schwerkranken Patienten vorkommen. Dann jedoch sind schwere Verläufe bis hin zur lebensbedrohlichen Sepsis möglich, besser bekannt als Blutvergiftung. Die Resistenzen verschlechtern die Chancen, dass die Betroffenen kuriert werden können.

Die 14 infizierten Patienten wurden isoliert, so die Uniklinik. Einige seien erkrankt, bei anderen sei das Bakterium nur nachgewiesen, verursache aber aktuell keine Symptome. Bis auf Weiteres werde der Campus Kiel keine internistischen Notfallpatienten aufnehmen, die künstlich beatmet werden müssten.

Der Keim wurde vermutlich von einem Patienten ins Klinikum gebracht, der aus dem Mittelmeerraum nach Kiel verlegt worden war.

Wie oft bringen Reisende multiresistente Keime mit?

Die Frage treibt Infektionsforscher schon seit längerem um. Ein Team um Christoph Lübbert, Leiter des Fachbereichs Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, hat gerade eine Forschungsarbeit zum Thema veröffentlicht: Die Wissenschaftler haben gut 200 gesunde Fernreisende auf eine Besiedelung des Magen-Darm-Trakts mit multiresistenten Mikroorganismen untersucht. Besonderes Augenmerk galt ESBL-bildenden Bakterien. Sie produzieren Enzyme, die die Mehrzahl der verfügbaren Antibiotika wirkungslos machen.

Vor Abreise fanden sich bei knapp sieben Prozent (14 Teilnehmern) ESBL-Keime. Nach der Rückkehr trugen rund 30 Prozent der Reisenden, die vorher ESBL-negativ waren, solche Keime im Darmtrakt. "Frühere Studien gingen von Raten zwischen 14 und 25 Prozent aus", sagt Lübbert.

Antibiotikaresistenzen
Multiresistente Erreger werden nicht nur importiert, sie entstehen auch in Deutschland. Das liegt am zu häufigen oder falschen Antibiotikaeinsatz beim Menschen sowie am Gebrauch der Medikamente in der Massentierhaltung. Verschärft wird das Problem dadurch, dass seit vielen Jahren keine neuen Antibiotika entwickelt wurden.
Besonders auffällig: Mehr als 70 Prozent der Indienreisenden und fast 50 Prozent der Südostasien-Reisenden importierten ESBL-bildende Bakterien nach Deutschland. Und das, obwohl sich die meisten nach eigener Aussage an die Empfehlungen der Ärzte gehalten hatten, regelmäßig die Hände zu waschen und nur abgepackte Getränke zu konsumieren. "Das macht deutlich, dass diese multiresistenten Erreger in der Umwelt und in der Nahrungskette dieser Länder angekommen sind", warnt der Leipziger Infektiologe.

Für Gesunde sind die Keime meist ungefährlich

ESBL-bildende Bakterien machen nicht jeden krank, die Besiedelung kann völlig unbemerkt ablaufen. Wer unterwegs unter Durchfall leidet, muss jedoch in Betracht ziehen, dass er sich mit den problematischen Erregern infiziert hat. Der Experte rät davon ab, in diesem Fall ohne genaue Abklärung Antibiotika zu nehmen, da die Standardmittel bei multiresistenten Erregern nicht helfen. Die Behandlung könnte die Besiedlungsdauer sogar verlängern.

Dieser Rat wird durch eine aktuelle Studie finnischer Forscher gestützt. Sie zeigte, dass sich Reisende häufiger multiresistente Keime einfangen, wenn sie Antibiotika einnehmen. Besser wäre es laut Studienleiter Anu Kantele, bei nicht zu schwerem Durchfall zunächst nichtantibiotische Medikamente zu nehmen.

Eine weitere Erkenntnis der Leipziger Studie: Keiner der relativ jungen, gesunden Probanden erkrankte innerhalb von sechs Monaten nach der Rückkehr aufgrund der ESBL-Besiedelung. Nach einem halben Jahr waren lediglich neun Prozent noch Träger der importierten Bakterien. Lübbert sagt allerdings, es sei nicht sicher, dass bei diesen Probanden die Besiedlung mit dem Problemkeim vollständig verschwindet. "Im Krankenhaus können sie zu einer Gefahr für andere Patienten werden, wenn es zum Beispiel aufgrund von Hygienefehlern zu einer Übertragung der multiresistenten Erreger auf besonders gefährdete Patienten wie Empfänger von Organtransplantaten kommt", warnt Lübbert.

Insbesondere auf der Neugeborenenstationen, in der Hämatologie, bei der Behandlung von Krebserkrankungen, in der Transplantationsmedizin und auf der Intensivstation stellen multiresistente Erreger eine große Gefahr für die Patienten dar.

Risikofaktoren bei Patienten abfragen

Im Universitätsklinikum Leipzig wird inzwischen bei jedem neu eingelieferten Patienten vorab geklärt, ob er Risikofaktoren für multiresistente Erreger aufweist, also zum Beispiel

  • in den vergangenen sechs Monaten eine Fernreise unternommen hat,
  • aus einem Senioren- oder Pflegeheim kommt
  • oder in einer anderen Klinik war.

Wer als Träger multiresistenter Bakterien infrage kommt oder länger als 14 Tage im Leipziger Krankenhaus bleiben muss, dessen Stuhl wird bei Aufnahme und im weiteren Verlauf dann einmal wöchentlich auf entsprechende Erreger untersucht. Fällt das Screening positiv aus, werden entsprechend verschärfte Hygienemaßnahmen umgesetzt. "Das Screening kostet das Klinikum zwar zunächst viel Geld. Langfristig wird es sich aber auszahlen, weil so Krankenhausinfektionen vermieden werden", sagt Lübbert.

Mit Material von dpa

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1. Es besteht Handlungsbedarf beim Bund, nicht bei den einzelnen Krankenhäusern
testuser2 23.01.2015
Keiner möchte - bisher - in Kiel von einem Skandal sprechen. Die Frage ist aber auch nicht, ob ein Krankenhaus rechtzeitig über das Auftreten der Fälle informiert hat oder ein, zwei Tage zu spät. Vielmehr muss das System angepasst werden und die zuständigen Minister müssen endlich ihrer Pflicht nachkommen, Verantwortung übernehmen und handeln. Das Problem ist seit langer Zeit bekannt, der Vergleich mit Holland, wo strenge Quarantänemassnahmen greifen, wurde oft gezogen. Die Verantwortung kann auch nicht mit dem Hinweis auf eine Quelle der Bakterien aus dem Mittelmeerraum oder sonstwo von sich gewiesen werden. Die Bakterien kommen viel häufiger in Krankenhäusern vor, als es sich die meisten vorstellen. Ein paar Tausend Tote in Deutschland pro Jahr reichen anscheinend nicht aus. Die Verantwortung auf die Krankenhäuser zu schieben, die ihre Hygienemassnahmen verbessern sollen reicht ebenso wenig, wie die allgemeinen Hinweise an Ärzte, mit Antibiotika nicht verschwenderisch umzugehen. Frage: Wann wird die Stoffgruppe der Teixobactine als Medikament zur Verfügung stehen, gibt es da bereits eine Jahreszahl ?
2. ...
Newspeak 23.01.2015
Ich finde schon, daß man einen Teil der Verantwortung auf die Krankenhäuser schieben kann. Die müssten nämlich Fachärzte für Mikrobiologie/Hygiene einstellen, was aus Kostengründen unterlassen wird. Es ist ein offenes Geheimnis, daß es um die konsequente Einhaltung von einfachsten Richtlinien in diesem Bereich in vielen deutschen Krankenhäusern schlecht bestellt ist, meistens aufgrund mangelnder Ausbildung/Überlastung des Personals und eben auch fehlender Kontrolle.
3. Wie schön!
spon-facebook-1102241758 23.01.2015
Wie schön daß man hier in Deutschland endlich wach wird. In den Niederlanden z.B. kommt man als Deutscher aus genau solchen Gründen (multiresistente Keime), egal was man hat, erst mal in Quarantäne. Uncool! Jetzt müssen nur noch unsere lobbyverblendeten überbezahlten Politiker wach werden. Das könnte dauern, denn die Herrschaften gehören ja zur höheren Kaste, die bevorzugt behandelt wird.
4. Hui
sunandsea 23.01.2015
Das ist ja schon eine fast differenzierte Berichterstattung ggü. manch anderem Portal. Die wichtigste Maßnahme nach diesem Vorfall ist wohl, dass für Patienten-Übernahmen aus Südeuropa/Nordafrika in Zukunft strengere Regeln gelten. Langfristig wäre dann ein Vorgehen wie in den Niederlanden wünscheswert. Was mich noch interessieren würde - wie ist denn die Sterblichkeit von Intensivpatienten an deutschen Unikliniken? Hier werden ja die schwerstkranken Patienten behandelt.
5. Fernsreisende
copit 24.01.2015
Wie bitte? Mittelmeer, also Fernreisende?
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Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.


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