AOK-Report Zu wenige Krebspatienten werden in Tumorzentren behandelt

Werden Krebspatienten in Deutschland optimal behandelt? Spezialkliniken erhöhen die Chance auf Heilung. Doch der Onkologie-Report 2013 der AOK offenbart: Noch immer werden viele Patienten nicht in zertifizierten Tumorzentren behandelt.

Strahlentherapie: Viele Krebspatienten werden nicht optimal behandelt
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Strahlentherapie: Viele Krebspatienten werden nicht optimal behandelt


Berlin - Sie haben die größten Erfahrungen mit der Krankheit Krebs - dennoch werden viele Krebspatienten nicht in zertifizierten Tumorzentren behandelt. Nach Auffassung der AOK Rheinland/Hamburg kann die Versorgung der Betroffenen noch deutlich verbessert werden.

Aus dem Onkologie-Report 2013 der Krankenkasse geht hervor, dass in Nordrhein-Westfalen und Hamburg lediglich bei Brustkrebs das Gros der Erkrankten (80 Prozent) in einem zertifizierten Zentrum behandelt wurden. Bei anderen Krebsarten wie Lungen- oder Prostatakrebs waren es nur rund ein Fünftel der Patienten, bei Darmkrebs ein Drittel.

"Dieser niedrige Anteil dürfte auch bundesweit ein Problem darstellen", sagte Günter Wältermann, Vorstandschef der Landes-AOK, am Donnerstag in Berlin. Konkrete Zahlen dazu wurden nicht genannt.

"Die Versorgung in Brustzentren führt dazu, dass die Brustkrebssterblichkeit gesenkt werden kann", sagte Ulrike Nitz, Chefärztin des Brustzentrums Niederrhein. Die Tumorzentren seien eine Art Schrittmacher für die Behandlung onkologischer Erkrankungen, so Wältermann.

Die derzeitige Aufstellung habe allen Erfolgen zum Trotz auch Fehler: So gebe es noch zu wenig ambulante Behandlungsangebote und Vernetzung mit der - oft jahrelangen - Nachsorge und Weiterbehandlung durch niedergelassene Ärzte. Auch fehle es an einer einheitlichen Zertifizierung durch unabhängige Experten, sagte Nitz. "Im Augenblick ist das für einen Patienten in mancher Klinik wie in einer Autowerkstatt, da hängen auch zig Zertifikate an der Wand und niemand weiß, was sie bedeuten."

Die Wahl des richtigen, spezialisierten Krankenhauses sei jedoch entscheidend, sagte Landes-AOK-Vorstandsmitglied Matthias Mohrmann: "Die Überlebensrate mit einem Ovarialkarzinom liegt nach fünf Jahren bei durchschnittlich 40 Prozent, in einzelnen Kliniken aber bei bis zu 60 Prozent."

Hier finden Sie eine Übersicht der zertifizierten Tumorzentren in Deutschland.

cib/dpa



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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
janne2109 06.09.2013
1. ??
schade, liegt vielleicht dara, dass Ärzte ihre Patienten nicht abgeben wollen??
kingcole 06.09.2013
2. Warum das passiert? Ein Beispiel in der Familie
Wir hatten einen Krebsfall in der Familie. Nach vielen Telefonaten zu Kliniken und Rückfragen nach Empfehlungen von niedergelassenen Ärzten ist die Betroffene nach Goslar gegangen, da dort ein Zentrum für Brustkrebs zertifiziert ist und der verantwortliche Arzt (Dr. Klingemann) einen sehr guten Ruf bei versierten niedergelassenen Ärzten hatte. Natürlich kann ich den Arzt in seiner fachlichen Qualifikation nicht einschätzen, aber vom Einsatz, von der Gründlichkeit, den Anspruch an medizinische Geräte, habe ich wieder ein Stück Glauben an Ärzte gewonnen. Am aussagefähigsten waren die Meinungen des Pflegepersonals, die seine verbindliche Striktheit, fachliche Versierung so in ihrer Laufbahn selten erlebt haben. Das war fühlbarer Respekt. Das Problem war lt Aussagen der Mitarbeiter in Ganggesprächen folgendes: Wenn Patienten mit schlecht durchgeführter Diagnostik zu ihm kam (Ultraschall, etc.) rief er die/den niedergelassenen Arzt an und hat sie/ihn zusammengefaltet. Selbst wenn Patienten mit schlechten Unterlagen von größeren kliniken kamen. Bei niedergelassenen Ärzten der Gegend scheint sich rumgesprochen zu haben, die dann nicht mehr an ihn "verwiesen" haben, sondern an Wald- und Wiesenkliniken. Patienten sind im Falle einer Diagnose zum Teil überfordert, aber dass niedergelassene ärzte nicht an zertifizierte Zentren überweisen, ist der eigentliche Skandal. Hier wäre Aufklärung von Nöten.
!!!Fovea!!! 06.09.2013
3.
Zitat von sysopDPAWerden Krebspatienten in Deutschland optimal behandelt? Spezialkliniken erhöhen die Chance auf Heilung. Doch der Onkologie-Report der AOK offenbart: Noch immer werden viele Patienten nicht in zertifizierten Tumorzentren behandelt. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/onkologie-report-2013-aok-fordert-a-920736.html
Zertifiziertes Tumorzentrum... Nur weil ein Zettel (den das Krankenhaus teuer bezahlt!) an der Wand hängt, mit den Kennzeichnung "XXX-Zentrum", heißt das noch lange nicht, dass es auch gut ist, bzw. die Ärzte besser operieren. Wenn ein Zertifiziererteam aus Radiologen besteht, dann kann ein Chirurg den sonst etwas erzählen, da ein Radiologe nicht die Kenntnis eines Chirurgen hat. Zertfizierung ist reiner Sozialismus, nur die Zahlen müssen stimmen, die dort überprüft werden. Naja, und die Kennzahlen werden vom Zentrum selber erstellt. Nur die Abnahme der Kennzahlen erfolgt durch die Zertifizierungsbehörde, und bis die kommt, hat man Zeit, die Zahlen schön zu rechnen. Also, liebe AOK, vergessen sie ihre "zertifizierten Zentren"......
Snowfan 06.09.2013
4. Vielfältige Gründe
Eine Zertifizierung sichert sicherlich einen Mindeststandard, keine Frage. Aber: Die Feststellung allein, dass zu wenig Patienten in einem solchen Zentrum behandelt werden, sagt doch herzlich wenig aus. Denn oft ist es nicht der Unwille oder der hier unterstellte Verdacht, dass die Ärzte lieber Patienten behalten, um an ihnen zu verdienen. Gerade in ländlichen Regionen liegt das nächste Zentrum oft weiter entfernt. Der Betroffene kann nicht alleine dort hin fahren, Angehörige nicht immer frei nehmen. Oder Betroffene wollen nicht so weit weg von zu Hause behandelt werden. Oder sie müssen sich mit Krankenkassen über Fahrtkostenübernahme streiten (gar nicht mal zu eigentlichen Behandlungsterminen, sondern zu Untersuchungen). Ein Elternteil von mir hatte Darmkrebs und konnte das 90km entfernte Zentrum zu OP & Behandlung aufsuchen: Super. Aber ich arbeite selber als Psychoonkologin in einem kleinen (zertifizierten) Brustzentrum. Wo ich aber auch andere gynäkologische Onkologie-Patientinnen sehe, für die diese Klinik nicht zertifiziert ist. Aber wie soll eine Hartz IV-Empfängerin denn die Fahrtkosten ins nächste Zentrum finanzieren? Wenn selbst die Zugfahrt fast 30€ kostet? Wenn selbst finanzielle Zuschüsse von Stiftungen (wg. Perückenkosten etc.) direkt auf Hartz IV angerechnet werden? Den Aspekt sollte man bitteschön nicht außer Acht lassen! Manche Patienten haben nun mal keine Wahl - und manche entscheiden sich bewusst für die vielleicht weniger optimale heimatnahe Versorgung.
rolf.klostermann 06.09.2013
5. Protonentherapie gegen Krebs
Es ist sehr schade und befremdend, dass man selbst hier in diesem Artikel keinen Hinweis zur Behandlung mit Protonentherapie findet, obwohl diese Behandlungsformen als Schulmedizin ausweislich bekannt ist.
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