Transplantationsskandal: AOK stoppt Versand von Spendeausweisen

Organspendeausweis: Verunsicherung der Patienten Zur Großansicht
dapd

Organspendeausweis: Verunsicherung der Patienten

Reaktion auf den Skandal bei der Vergabe von Organen: Die AOK hat den Versand von Info-Briefen und Ausweisen zur Organspende an Versicherte gestoppt. Die Krankenkasse fordert eine Aufklärung des undurchsichtigen Handels.

Berlin/Hamburg - Wegen des Organspendeskandals stoppen die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) ihre Pläne, die rund 24 Millionen Versicherten ab September regelmäßig über die Organspende zu informieren. "Die AOK wird ihren Versicherten zunächst kein individuelles Informationsmaterial und keine Organspendeausweise zuschicken", sagte der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, der "Berliner Zeitung".

Der Organspendeskandal habe in der Bevölkerung zu großen Irritationen geführt. An Kliniken hatten Ärzte Akten manipuliert, damit Patienten schneller operiert wurden. "Daher brauchen wir dringend eine Aufklärung der Vorwürfe, mehr Transparenz im Organspendeverfahren und eine strikte Kontrolle." Daran müsse aber noch gearbeitet werden.

Graalmann ließ ausdrücklich offen, ob die AOK mit dem Versenden der Informationsbriefe beginnen wird, wenn Anfang November das neue Transplantationsgesetz in Kraft tritt. Die erst im Sommer verabschiedete Novelle sieht vor, dass die Krankenkassen ihre Versicherten immer wieder Informationsmaterial über das Thema Organspende und einen Spenderausweis zuschicken. Derzeit wird aber noch kontrovers diskutiert, wie die Organvergabe manipulationssicher umgestaltet werden kann.

boj/dpa

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Fragen und Antworten zur Organvergabe in Deutschland
Welche Organisationen sind an der Organvermittlung beteiligt?
1997 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Transplantationsmedizin in drei finanziell und organisatorisch unabhängige Bereiche aufteilt: Für die Organisation der Organspende ist die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO) zuständig. Die Vermittlung der Organe übernimmt die Stiftung Eurotransplant. Die eigentliche Übertragung des Organs auf den Empfänger findet in den bundesweit rund 50 Transplantationszentren statt.
Wie läuft die Zusammenarbeit?
Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf Hirntod, vermittelt ein regionales DSO-Zentrum bei Bedarf unabhängige Neurologen für die Abklärung. Die Stiftung unterstützt die Ärzte außerdem bei der Klärung der Frage, ob der Patient einer Organspende zugestimmt hat oder ob seine Angehörigen dies tun. Dann werden die Daten des gespendeten Organs von der DSO an die Stiftung Eurotransplant übermittelt.
Was ist die Aufgabe von Eurotransplant?
Die Stiftung vermittelt gespendete Organe in sieben europäische Länder mit insgesamt 124 Millionen Einwohnern: Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Slowenien. Eurotransplant sitzt in Leiden in Südholland und führt in ihren Wartelisten rund 15.000 Menschen. Zum Vergleich: 2010 wurden in Zuständigkeitsbereich von Eurotransplant knapp 7000 Lebern, Herzen, Lungen, Nieren und Bauchspeicheldrüsen gespendet und eingepflanzt.
Woher bekommt Eurotransplant seine Informationen?
Bei Eurotransplant läuft alles zusammen: die Daten der Menschen, die auf eine Transplantation warten, und die Daten der gespendeten Organe. Die Informationen über die Wartenden kommen von den Transplantationszentren, die Daten über die Organe von der DSO.
Hängt es vom behandelten Arzt ab, welche Informationen zu Eurotransplant gelangen?
Die Ärzte sind an die "Richtlinien für die Wartelistenführung" der Bundesärztekammer gebunden. Danach ist eine Organtransplantation medizinisch geboten, wenn Erkrankungen "nicht rückbildungsfähig fortschreiten oder durch einen genetischen Defekt bedingt sind und das Leben gefährden oder die Lebensqualität hochgradig einschränken". Weiter heißt es in den Richtlinien: "Die Gründe für oder gegen die Aufnahme in die Warteliste sind von dem darüber zu entscheidenden Arzt zu dokumentieren."
Was hat das mit Eurotransplant zu tun?
Entscheidend bei der Auswahl des geeigneten Empfängers sind die Dringlichkeit der Transplantation und die Erfolgsaussichten. Dafür wird etwa bei Lebertransplantationen aus Laborwerten der sogenannte MELD-Score berechnet. Er ist ein Maß für die Wahrscheinlichkeit des erkrankten Menschen, ohne Transplantation innerhalb der nächsten drei Monate zu sterben.
Wie ist es möglich, dass dabei geschummelt wird?
Dazu sagte der Präsident von Eurotransplant, Bruno Meiser, die Zuordnung der Organe sei jederzeit komplett nachvollziehbar. "Werden die Daten aber gefälscht übermittelt, ist auch Eurotransplant hilflos." Aus seiner Sicht kann aber ein Mensch allein nicht betrügen. "Irgendeinem Kollegen muss zumindest aufgefallen seien, dass Laborwerte unrealistische Schwankungen aufwiesen oder Werte nicht zueinanderpassten."

dapd

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