App bei Vergiftungsunfällen: Hilfe, mein Kind hat Spüli geschluckt

Vom Spülmittel getrunken, Mamas Tablette geschluckt oder giftige Beere verspeist: Was tun, wenn sich Kinder vergiftet haben? Eine neue App gibt nicht nur Tipps zur Ersten Hilfe, sie wählt auch die Nummer des nächstgelegenen Giftinformationszentrums.

Notfall-App: Schnelle Hilfe bei Vergiftungen Fotos
Bundesinstitut für Risikobewertung

Berlin - Für einen kurzen Augenblick war das Kind unbeobachtet - und schon nahm es einen Schluck aus der Shampooflasche. Was sollte man in so einem Fall am schnellsten tun? Eine neue App gibt Eltern und Erziehern Tipps bei Vergiftungen von Kindern. Im Notfall kann direkt aus dem Handyprogramm das nächstgelegene Giftinformationszentrum angerufen werden. Das teilten das Bundesverbraucherministerium und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am Donnerstag mit, die den Service anbieten.

Die kostenlose App für Smartphones mit den Betriebssystemen Android und iOS enthält unter anderem Angaben zu Chemikalien, Medikamenten und Pflanzen, mit denen sich Kinder vergiften können. Die Informationen sind in die Bereiche Haushalt, Medikamente sowie Pflanzen und Pilze unterteilt. Zusätzlich existiert eine alphabetische Auflistung. Die Anwendung beschreibt jeweils typische Vergiftungssymptome, gibt Hinweise zu Inhaltsstoffen sowie zu den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen. Den Notruf 112 könne sie im Ernstfall aber nicht ersetzen, heißt es.

Viele Unfälle wären vermeidbar, wenn Erwachsene die Risiken kennen und gefährliche Produkte immer sicher aufbewahren würden, sagte Ministerin Ilse Aigner (CSU). Bei den neun öffentlichen Giftinformationszentren in Deutschland gehen nach Ministeriumsangaben jährlich 200.000 Anrufe ein, etwa die Hälfte der Fälle betrifft Kinder. Am häufigsten schlucken die Jungen und Mädchen Haushaltsreiniger oder Kosmetikprodukte. Gefährlicher sind in der Regel Vergiftungen mit Medikamenten, ätzenden Substanzen oder Ölen.

dal/dpa

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1. Mein Kind hat eine Beeregegessen läuft blau an und ringt nach Luft...
Matzescd 22.08.2013
...und anstelle den Notruf zu wählen, hole ich mein Smartphone raus und suche nach... ja wie heißt denn die Beere? Die rote... die kleine rote... nee die nicht... oder doch...? Der Akku ist gleich leer... ob ich doch die 112? Ach ist ja jetzt egal seh ich grad. Man braucht nicht für jeden quatsch eine App. Das ist selbst für die Generation, die abwesend, auf's Display stierend durch die Landschaft torkelt zu viel.
2. Generation App: zu dumm zum Nachdenken
mopsfidel 22.08.2013
Spüli verschluckt! Pfund Butter essen? 5 Liter Wasser trinken? Ganz einfach: 112, Krankenhaus, Magen auspumpen
3. erst denken, dann schreiben
hneunhoe 22.08.2013
klar erst 112 wählen, und dan? Warten? >Bis der Krankenwagen kommt, kann viel Zeit vergehen und wenn man kein PKW hat, dann hat man keine Alternative (oder soll man loslaufen?) Da kann so ein APP schon einmal erste Tipps und Hilfen geben. Also, bevor man Kommentare schreibt, bitte erst denken, bevor man alles einfach als Schwachsinn abtut
4. Habe gedacht und dann geschrieben
Matzescd 22.08.2013
Zitat von hneunhoeklar erst 112 wählen, und dan? Warten? >Bis der Krankenwagen kommt, kann viel Zeit vergehen und wenn man kein PKW hat, dann hat man keine Alternative (oder soll man loslaufen?) Da kann so ein APP schon einmal erste Tipps und Hilfen geben. Also, bevor man Kommentare schreibt, bitte erst denken, bevor man alles einfach als Schwachsinn abtut
Also bei uns am Kühlschrank hängt so ein PAPP (kennen sie das Material noch?) kärtchen. Da steht unter anderem die Nummer des Giftnotrufs drauf. Davon verspreche ich mir mehr Hilfe also von einem Progrämmelchen das mir dann die Nummer wählen kann. Nicht alles, was auf den ersten Blick hilfreich erscheint, ist es auch. App, App, App... die Welt kann nicht mehr ohne. Vermutlich wird dann die Vergiftung getwittert und bei Facebook gepostet... man muss ja auf den Krankenwagen warten oder hat kein Auto aber wenigstens ein Smartphone. Während ich auf den Krankenwagen warte, kümmere ich mich um mein Kind. Und da klicke ich ganz bestimmt auf dem Handy rum.
5.
wolffie68 22.08.2013
Zitat von MatzescdAlso bei uns am Kühlschrank hängt so ein PAPP (kennen sie das Material noch?) kärtchen. Da steht unter anderem die Nummer des Giftnotrufs drauf. Davon verspreche ich mir mehr Hilfe also von einem Progrämmelchen das mir dann die Nummer wählen kann. Nicht alles, was auf den ersten Blick hilfreich erscheint, ist es auch. App, App, App... die Welt kann nicht mehr ohne. Vermutlich wird dann die Vergiftung getwittert und bei Facebook gepostet... man muss ja auf den Krankenwagen warten oder hat kein Auto aber wenigstens ein Smartphone. Während ich auf den Krankenwagen warte, kümmere ich mich um mein Kind. Und da klicke ich ganz bestimmt auf dem Handy rum.
Auf Ihrer Pappkarte stehen also umfangreiche Tipps für Pilze, Medikamente, Chemikalien etc. drauf. Wenn ich die Möglichkeit habe, mit einem Klick in die APP den Giftnotruf zu wählen und dann danach mal zu schauen, was man selbst als erste Hilfe machen kann, sehe ich das als Vorteil. Meist habe ich auch mein Handy dabei und nicht meinen Kühlschrank oder glauben Sie, man kann sich nur zu Hause vergiften?
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