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Arbeitsstudie: Schichtdienst greift das Denkvermögen an

Rund um die Uhr: Schichtarbeit kann krank machen. Zur Großansicht
DPA

Rund um die Uhr: Schichtarbeit kann krank machen.

Schichtarbeit kann auf Dauer krank machen. Sie erhöht nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Laut einer aktuellen Studie leidet auch das Denkvermögen unter dem verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus.

Morgens schon ganz früh oder mitten in der Nacht: Schichtarbeiter arbeiten oft dann, wenn andere noch oder schon schlafen. Das geht auf die Dauer auf das Herz-Kreislauf-System, soviel ist schon länger bekannt. Nun aber haben französische Forscher vom CNRS-Institut in Toulouse herausgefunden, dass auch die kognitiven Fähigkeiten leiden.

Bei Menschen, die mehr als zehn Jahre unregelmäßigen Arbeitszeiten ausgesetzt waren, würden Gedächtnisleistung und das Denkvermögen deutlich schneller abnehmen, als bei anderen Berufstätigen, schreiben die Wissenschaftler in einer im Fachjournal "Occupational and Environmental Medicine" veröffentlichten Studie.

Die Belastung von mehr als zehn Jahren Schichtarbeit entspreche einem Alterungsprozess von zusätzlich sechseinhalb Jahren, sagt Studienleiter Jean-Claude Marquié. Sich nach dem Ausscheiden aus dem Schichtdienst davon zu erholen, dauere mindestens fünf Jahre.

Auf einen Blick

Geschwächter Rhythmus

1 Schichtarbeit wirkt sich negativ auf die Gesundheit der Betroffenen aus.

2 Die Desynchronisation der inneren Uhr kann zu Schlaf- und Stoffwechselstörungen führen sowie zu Magengeschwüren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar zu einem erhöhten Krebsrisiko.

3 Der Taktgeber im Gehirn läuft bei jedem Menschen etwas anders. Schichtpläne sollten daher auf die individuellen Bedürfnisse der Chronotypen abgestimmt sein.

Medizinische Betreuung für Schichtarbeiter

Die Versuchsgruppe bei der Studie der CNRS-Forscher umfasste über 3000 Berufstätige aus Südfrankreich, die in verschiedenen Branchen arbeiteten. Zu Beginn der Untersuchungen waren die Studienteilnehmer zwischen 32 und 62 Jahre alt, etwa die Hälfte von ihnen arbeitete im Schichtsystem. Die Probanden absolvierten in den Jahren 1996, 2001 und 2006 mehrere Tests, bei denen ihr Lang- und Kurzzeitgedächtnis, ihre Reaktionsfähigkeit und ihre allgemeinen kognitiven Fähigkeiten gemessen wurden.

Das Ergebnis: Schichtarbeiter schnitten dabei schlechter ab als Berufstätige mit geregelten Arbeitszeiten. Allerdings müssten die Ergebnisse noch in anderen Studien bestätigt werden, schreiben die Forscher. Zudem lassen sich die Aussagen aus der regional angelegten Studie nicht unbedingt global übertragen.

Studienleiter Marquié schlägt eine besondere medizinische Betreuung für Schichtarbeiter sowie arbeitnehmerfreundlichere Dienstpläne vor. Dabei könne es schon helfen, anstatt um 4 Uhr morgens zwei Stunden später zu beginnen.

Dass der ständige Wechsel für die innere Uhr den Organismus belastet, ist schon länger bekannt. Wissenschaftler belegten bereits einen Zusammenhang zwischen Schichtdiensten und Bluthochdruck, einem hohen Cholesterinspiegel sowie der Entstehung von Diabetes. Auch ein erhöhtes Herzinfarktrisiko ist bewiesen. Für solche Erkrankungen könnte die Störung der inneren Uhr verantwortlich sein, glauben Experten.

joe/AFP

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Das kann ich so unterschreiben
shooop 04.11.2014
Ich habe Gott sei Dank den Ausstieg aus dem Schichtdienst gefunden. Meine Kollegen, die immer noch Tag und Nacht arbeiten, sind eigentlich lebendig und trotzdem tot. Herz-Kreislauf Krankheiten und Verdauungsstörungen und eine Alterung, die sagenhaft ist. Die sind teilweise noch nicht mal 60 und sehen aus wie mein 75jähriger Opa.
2. Twilight Shift is Best !
thorsten.munder 04.11.2014
Das Schichtarbeit Krank macht weiss jeder der sie machen muss ( Speziell 3 Schichten ) wobei aber die Betonung immer auf " MUSS " liegt keiner geht Freiwillig auf zB. auf Nachtschicht ! Leute die sowas machen machen es weil sie dazu gezwungen sind um Ihren Lebensunterhalt zu Verdienen ! Also Ihr Report mag ja super sein aber nur für so Intellektuelle oder so die`s gar nicht nötig haben Überhaupt was zu " Arbeiten " .
3.
silenced 04.11.2014
Es kommt dabei auch sehr darauf an WIE die Schichten liegen. Ich zum Beispiel arbeite in einem festen Rhythmus, das heißt: 2 Frühschichten (6h), 2 Spätschichten (8h) und 2 Nachtschichten (9h). Danach gibt es ein dreitägiges Wochenende zur Erholung. Sehr viele andere die ich kenne welche auch in Schichten arbeiten, bei denen sieht das ganz anders aus. Da ist jede Woche anders, mal eine Frühschicht, dann 2 Spätschichten gefolgt von einer weiteren Frühschicht und dann ein oder zwei Nachtschichten, meist richtet sich das danach was an Personal gerade verfügbar ist. Das natürlich macht mehr als Krank, denn das ist Krank. Ein weiteres, bei Arbeitgebern sehr beiebtes, Schichtsystem sind geteilte Schichten. Werden gerne in Pflegeheimen genutzt. Man geht früh auf Arbeit, Mittags heim und am Abend kommt man noch einmal für 2h. Schwachsinn pur, aber für viele leider traurige Realität. Sicher Ok wenn man 5min Arbeitsweg hat, doch wer hat das heute noch? Ich persönlich mag meinen Rhythmus, ermöglicht sehr viel Freizeit und eine relativ gute Planungssicherheit für die nächsten 2 - 3 Monate.
4. Schichtdienst in Berliner Regierung ?
wunhtx 04.11.2014
Für mich ist es völlig neu, dass in Berlin Schichtdienst geleistet wird. Mir war dies weder von Merkel, Gauck oder De Maiziere bekannt. Erst jetzt kann ich aber die Aktionen dieser Personengruppe verstehen. Allerdings kenne ich sehr viele Menschen deren Denkvermögen nicht wie das derer von Berlin angegriffen ist. Liegt es nicht auch an der hohen Bezahlung bei wenig Leistung. Vom Rede alleine wird niemand satt. Warum konnten wir Bonn nicht behalten ?
5. Arbeiten überhaupt beeinträchtigt das Denkvermögen - und das ist ein Verbrechen an der Menschheit.
labudaw 04.11.2014
Warum tun Gewerkschafter nichts gegen die Arbeit - man kann doch die recihen alle enteigen und leben alle in Saus und Braus. Übrignes mein Opa hat 30 Jahre nur Nachtschicht im Pütt gemacht, tagsüber seinen Stück Acker bestellt, dann gepennt. Dann Schnaps und Zigarren mit Stumpen in der Pfeiffe geraucht - mit 83 seelig gestorben. Nie krank.
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