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24. Februar 2013, 21:45 Uhr

Wirkstoff Arbutin

Behörde warnt vor Aufheller-Cremes

Sie sind der neue Trend der Kosmetikindustrie: BB-Cremes sollen lästige Pigmentflecken aufhellen, die Haut glätten und schützen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt jetzt vor einem Wirkstoff, der in vielen dieser Cremes enthalten ist. Arbutin steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Möglichst glatt und feinporig, mit einem frischen Teint: Für viele Menschen, insbesondere Frauen, ist eine makellose Haut unerlässlich. Da wird gecremt, gepeelt und gepudert und eine ganze Palette von Produkten zur Hilfe herbeigeholt. Die klassische Feuchtigkeitscreme tut es dabei längst nicht mehr, Schönheitsbewusste greifen heute auch zum Concealer und zur Foundation - und seit neuestem auch gerne zur BB-Creme.

BB-Cremes, die in Asien längst als das "absolute Beauty-must-have" gelten, wie die Style-Zeitschrift "Glamour" schreibt, sind jetzt auch in Europa auf dem Vormarsch und haben ihren Platz auf der Schminkkommode weil sie Narben und Rötungen abdecken, Pigmentflecken aufhellen und die Haut einfach nur schöner machen sollen.

Doch just vor diesen Bleich- und Schönheitscremes warnt jetzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), sofern sie den Wirkstoff Arbutin enthalten. Nach einer Anfrage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") hat das Amt den häufig verwendeten Wirkstoff als "gesundheitlich bedenklich" eingestuft. "Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes ist die Verwendung von Arbutin wegen seiner Eigenschaft, Hydrochinon freizusetzen, kritisch zu sehen", sagte ein Sprecher des BfR der "FAS". Das Amt schließe sich einer Empfehlung des Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) der EU an.

Risikobewertung hat sich geändert

Dass über die Risikobewertung kosmetischer Mittel oftmals lange beraten wird, und dass sich die Resultate dabei auch ändern können, zeigt ein Papier der BfR-Kommission für kosmetische Mittel vom Mai 2009. Darin hieß es noch: "Bei der Anwendung von ß-Arbutin als Hautbleichmittel besteht keine Exposition mit Hydrochinon in nennenswerter Höhe, die eine Gefährdung für den Verbraucher bedeuten könnte."

Die Frage läuft also, wie so oft, wenn es um potentiell toxische Substanzen in Lebensmitteln und Produkten geht, auf die Menge des Wirkstoffs hinaus. Das sagt auch das BfR gegenüber der "FAS": Es sei jetzt am Gesetzgeber, einen Grenzwert einzuführen. "Gefragt ist hier in erster Linie die EU", sagte der Sprecher.

Inzwischen findet man BB-Cremes hierzulande schon fast überall, ob in Parfümerien, Drogerien, in Apotheken oder als Pröbchen in Zeitschriften. In Asien und Afrika sind die Produkte schon seit etlichen Jahren auf dem Markt - geschuldet der Tatsache, dass die Frauen dort - aber auch immer mehr Männer - helle Haut haben wollen. Das Geschäft mit den Bleichcremes boomt dort schon längst, auch in Europa setzt die Kosmetikindustrie auf einen großen Absatz. Oft werden die Produkte als Wundercremes oder Alles-in-einem-Cremes beworben, denn sie sollen nicht nur Pigmentflecken aufhellen sondern die Haut auch glätten und dank eines hohen Lichtschutzfaktors vor frühzeitiger Alterung schützen.

Der "Makel-Balsam"

Die Abkürzung "BB" kommt aus dem Englischen und steht für "Blemish Balm", was so viel wie "Makel-Balsam" bedeutet. Wie bei vielen Hautprodukten gibt es bereits Billigvarianten für unter 10 Euro zu haben, für teurere Markenprodukte muss man mitunter mehr als 50 Euro berappen. Und natürlich findet man in Beauty-Magazinen längst die entsprechenden Tests, nach dem Motto: "Welche BB-Creme passt zu mir?"

Dabei warnen Gesundheitsmagazine vor dem Wirkstoff Arbutin bereits seit einigen Jahren, allerdings in einem anderen Zusammenhang: Arbutin steckt in höherer Konzentration vor allem in der Schale von Birnen. Der Stoff wird von Darmbakterien im Körper zu Glukose und Hydrochinon umgewandelt, das wiederum als krebserregend gilt. Toxikologen raten deshalb Menschen, die oft Birnen essen, dazu, die Früchte lieber zu schälen.

Doch wie gefährlich die krebserregende Wirkung von Arbutin wirklich ist, lässt sich anhand der bisherigen Studienlage noch nicht genau sagen. Kosmetika mit Hydrochinon jedenfalls sind bereits seit 2001 in Europa nicht mehr erlaubt. Das europäische Verbraucherschutzgremium SCSS sieht aber kaum einen Unterschied zwischen der Wirkung beider Substanzen, da Arbutin auch durch Enzyme in der Haut in Hydrochinon umgewandelt werden könne.

Zum Gebrauch von Arbutin wollte sich der Bundesverband der Deutschen Dermatologen der "FAS" zufolge jedenfalls nicht äußern. Auch die Hautärztin Anne Hundgeburth aus Köln, auf die der Verband verwies, sagte, es gebe bisher noch keine Studien, die beweisen, dass Arbutin krebserregend ist. Deshalb warnte sie vor übereilten Reaktionen, sprach sich allerdings für verpflichtende Warnhinweise auf den Verpackungen aus. Schwangeren und Müttern in der Stillzeit sowie Kindern riet sie ebenfalls davon ab, Cremes mit Arbutin zu verwenden.

cib

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