Arzneimittel: Nebenwirkungs-Datenbank für jedermann startet

Die Furcht vor Nebenwirkungen von Arzneimitteln ist groß, viele Patienten nehmen wegen der drohenden Risiken verschriebene Medikamente erst gar nicht ein. Das zuständige Bundesinstitut bietet jetzt eine Datenbank, in der jeder nach Verdachtsfällen suchen kann.

Nebenwirkungs-Portal: Verzeichnis unbestätigter Verdachtsfälle Zur Großansicht
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Nebenwirkungs-Portal: Verzeichnis unbestätigter Verdachtsfälle

Hamburg - Ärzte und auch Patienten können sich ab jetzt im Internet bereits über mögliche Risiken von Medikamenten informieren, bevor feststeht, wie relevant die potentiellen Nebenwirkungen für die Anwender sind. Das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bietet dafür einen Zugang zu seiner Datenbank mit Verdachtsmeldungen unerwünschter Arzneimittelwirkungen, zunächst in einer Testphase.

"Jeder kann jetzt in den bei uns gemeldeten Verdachtsmeldungen kostenfrei recherchieren. Damit schaffen wir noch mehr Transparenz für Ärzte, Patienten und andere interessierte Bürger", sagt Walter Schwerdtfeger, Präsident des Bundesinstituts.

Die Datenbank ersetze weder die Packungsbeilage für Patienten noch die Fachinformation für Ärzte, betont die Behörde. Beide blieben Informationsquellen zur Anwendung und zu den Risiken von Medikamenten. Der entscheidende Unterschied: In der Datenbank ist ein Großteil der seit 1995 gemeldeten Verdachtsfälle gespeichert, in Packungsbeilage und Fachinformation dagegen werden nur überprüfte und bewertete Meldungen verzeichnet.

Die nun zugänglichen Rohdaten seien noch nicht behördlich bewertet und lieferten keine Empfehlungen, so das BfArM. Sie müssten stets medizinisch interpretiert werden und könnten daher keinesfalls die Aufklärung des Patienten durch den Arzt über mögliche Nebenwirkungen eines Arzneimittels ersetzen.

Die Zahl der in der Datenbank aufgeführten Verdachtsfälle erlaubt auch keine Rückschlüsse darauf, wie häufig Nebenwirkungen eines Arzneimittels tatsächlich sind. Nicht alle Patienten erzählen ihrem Arzt von Nebenwirkungen, zudem werden bei bekannten Präparaten, die viele Menschen nehmen, mehr Verdachtsfälle gemeldet als bei unbekannten.

Das Portal ist vor allem für Fachleute interessant, obwohl die Daten für jedermann zugänglich sind. Allerdings erst, wenn man sich auf der Startseite der Nebenwirkungs-Datenbank durch einen seitenlangen Hinweistext gearbeitet hat.

dba/dpa

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1.
a24 23.04.2013
Welch Ironie, dass diese Daten öffentlich gemacht werden, es aber gleichzeitig in D keine Online-Datenbank mit Beipackzettel für Patienten gibt.
2. Online-Datenbank mit Beipackzetteln gibts doch...
spon-1226581447969 23.04.2013
... auf www.pharmnet-bund.de, dort im Menü auf Arzneimittel-Informatiossystem klicken und dann auf die Recherche für medizinische Laien. Voila!
3. Studien
heike.renker 23.04.2013
Das ganze macht nur dann Sinn, wenn bei sich häufenen Fällen, sagen wir - Leberschäden oder Herzinfarkten - der Hersteller verpflichtet wird, der Sache nachzugehen. Das bedeutet im Klartext die Frage zu beantworten, welcher Zusammenhang zwischen dem Medikament und dem Gesundheitsschaden besteht. Studien wären erforderlich. Dazu müssten Hersteller von Bfarm verpflichtet werden. Ansonsten haben wir zwar schön viele Verdachtsfälle, aber keiner weiss, ob die Schäden von den Medikamenten kommen.
4. Wichtiger wäre es,
killerbiene 24.04.2013
eine Datenbank, wo Patienten aufgetretene Nebenwirkungen melden können.
5. sieht ja erstmal aus wie ein Schritt in die richtige Richtung . . .
risch01 24.04.2013
. . . das ändert aber wohl nichts an der Tatsachen, das generell zu oft ein Arzneimittel verschrieben wird, und es zu oft auch bedenkenlos verwendet wird. Der Gott in weiß hat es schließlich empfohlen! http://www.nuovictus.com/gesundheit/gesundheit-spezialisierung-oder-ganzheitliches-denken/
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