Bewertungsportal Die meisten Patienten würden ihren Arzt weiterempfehlen

Deutsche Patienten sind offenbar mit ihren Ärzten zufrieden: Eine aktuelle Auswertung des Bewertungsportals "Weisse Liste" zeigt, welche Mediziner am häufigsten empfohlen werden. Orthopäden und Unfallchirurgen schneiden weniger gut ab.

Vertrauensperson: Vor allem mit ihrem Hausarzt sind Patienten zufrieden
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Vertrauensperson: Vor allem mit ihrem Hausarzt sind Patienten zufrieden


Gütersloh/Hamburg - Der Hausarzt ist eine Vertrauensperson, die man sich danach aussucht, ob man gut mit ihr zurechtkommt. Das schlägt sich auch in der Bewertung von Hausärzten und anderen Fachärzten im Arztvergleichsportal "Weisse Liste" nieder. Besonders Hausärzte schneiden dort gut ab.

Rund 85 Prozent der Teilnehmer der vier Bewertungsportale der "Weissen Liste", AOK, Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK) würden ihren Arzt weiterempfehlen. Die besten Empfehlungsraten bekommen Internisten (89 Prozent) und Allgemeinmediziner (88 Prozent), gefolgt von Urologen (87 Prozent). Schlusslichter der Auswertung von knapp 250.000 Einzelbewertungen waren Dermatologen (62 Prozent), Orthopäden (64 Prozent) und Unfallchirurgen (67 Prozent).

Gleichwohl hielten auch bei jenen Fachrichtungen, die am schlechtesten abgeschnitten hatten, immer noch knapp zwei Drittel der Befragten den jeweiligen Arzt für empfehlenswert. Die "Weisse Liste" ist ein Projekt der Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit Selbsthilfe-, Sozial- und Verbraucherorganisationen.

Keine objektiven Werte, sondern Eindrücke

Für ihre Analyse hat die "Weisse Liste" alle bis zum Juni 2013 ausgefüllten Fragebögen des Arztbewertungsportals ausgewertet. Um einen Arzt bewerten zu können, müssen Patienten sich unter Angabe ihrer Krankenkasse registrieren. Teilnehmen können Versicherte von Barmer GEK, TK und AOK. Patienten sollen nur Ärzte bewerten, bei denen sie in den vergangenen zwölf Monaten in Behandlung waren. Gefragt wird nach der Praxisorganisation, der Kommunikation des Arztes, der Behandlung und einem Gesamteindruck.

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Wie alle anderen Bewertungsportale kann die "Weisse Liste" keine objektiven Werte vergleichen, die etwas über die Qualität der Ärzte aussagen. Mit indirekten Fragen zur Behandlung versucht das Portal, Hinweise auf nachlässige Kommunikation oder Behandlung zu bekommen: "Der Arzt erkundigt sich regelmäßig nach der Verträglichkeit der verordneten Medikamente." Oder: "Ich habe den Eindruck, dass der Arzt an einen Facharzt oder Spezialisten überweist, wenn dies medizinisch notwendig ist." Bevor die Informationen über einen Arzt veröffentlicht werden, müssen mindestens fünf Patienten den Mediziner bewertet haben.

Entscheidend ist für die Patienten vor allem, wie gut der Arzt kommuniziert und dabei auf Fragen, Ängste und Sorgen eingeht. Diese Eigenschaft beeinflusst die Weiterempfehlung am stärksten. Auch dabei schneiden Internisten und Allgemeinmediziner am besten ab, erneut landen Dermatologen und Orthopäden am Schluss der Liste. Wichtig ist den Patienten auch, ob der Arzt sich Zeit für die Behandlung nimmt und sie gründlich untersucht. Die Praxisorganisation ist dagegen weniger wichtig.

Dabei schneiden nicht alle Orthopäden schlecht ab, es gibt deutliche Unterschiede: Ein Drittel von ihnen wird von 80 bis 100 Prozent der eigenen Patienten weiterempfohlen, jeden zehnten Orthopäden allerdings würden nur 40 Prozent der Patienten einem Bekannten empfehlen.

Mehr als jeder sechste (17 Prozent) der Befragten fühlte sich vom bewerteten Arzt bedrängt, Igel-Leistungen in Anspruch zu nehmen, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werden. Hier führen Augenärzte mit 37 Prozent vor Orthopäden mit 27 Prozent.

Während die Patienten darauf vertrauen, dass ihr Arzt sie rechtzeitig an einen Spezialisten überweist (94 Prozent), könnte der Austausch von Befunden zwischen verschiedenen Ärzten noch besser klappen (77 Prozent Zufriedenheit).

Unter anderem weil die Stichprobe nicht zufällig ist, kann die Befragung nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein. Als Hausärzte gelten in der Befragung alle Ärzte mit der Bezeichnung Allgemeinmedizin, Praktischer Arzt, Arzt und Innere Medizin. Es wurden nur Fachgebiete eingeschlossen, bei denen mindestens 1000 Bewertungen vorlagen.

dba

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insgesamt 14 Beiträge
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kaaaa 06.09.2013
1. Objektiv
"Also ich werde die Frau Merkel wählen, die lächelt freundlicher und ist bescheidener als Herr Steinbrück." Das hat ungefähr die gleiche Qualität, wie die Qualifikation des Arztes nach seinen kommunikativen Fähigkeiten und der genommenen Zeit zu bewerten. Was sagt das denn aus? Vielleicht hat ja der schlechteste Arzt die meiste Zeit, weil keiner hin geht! Und der Arzt, der in unser aller Interesse unliebsame Wahrheiten ausspricht (z.B. Abnehmen, mehr Sport oder auch mal die Verweigerung eines gelben Zettels) werden schlecht bewertet. Hört sich ja auch unangenehm an. Meines Erachtens sind das moderne Pranger. Mir haben Ärzte berichtet, dass Patienten z.B. Krankschreibungen einfordern mit dem Hinweis, dass sie sonst schlechte Bewertungen ins Internet stellen. Wie wertvoll ist das dann?
Berlin142 06.09.2013
2. Habe mir das Bewertungsportal einmal angesehen...
Die Fragen, die dort gestellt werden, lassen einen klare Bewertung gar nicht zu. Es wird überhöhte Bedeutung auf technische Dinge gelegt (ist das Wartezimmer groß genug), aber eigentlich erfolgt keine Frage nach einem Warum für eine Bewertung. Damit wird das Ganze vollkommen unsinnig. Ein Beispiel: Ich wolle eine Ärztin/einen Arzt aus meiner Nähe hier bewerten. Ich ging dort mit einer starken fibrigen Erkältung hin. Alles, was man mir vorschlug, war, dass ich mich vegan ernähren solle und am Besten einen Besuch mit einem "Wunderheiler" vereinbaren sollte. Sorry - ich halte weder etwas von Globuli noch von irgend einer anderen Form von "Wunschmdedizin". Nur kann ich solche Sachen gar nicht auf diesem Bewertungsportal angeben. Natürlich hat man mir zugehört. Aber das Ergebnis des Arztbesuches war eigentlich so, dass man das Geld, das für die Behandlung von der Kasse gezahlt wird, zurückfordern müsste. Ich bin dann zu einem anderen Arzt gegangen, der mir Antibiotika verschrieb und mir half, die Sache auszukurieren. JT
Martin Georg 06.09.2013
3. Zeit für den Patienten
Es ist schade, dass die Hautärzte pro Patient und Quartal durchschnittlich für 5 min. bezahlt werden; dies erklärt sicherlich die niedrige Bewertung.
Meckerliese 06.09.2013
4. so kann es auch sein
Ich brauchte 6 in Worten: sechs "Fachärzte" bis man endlich meine Krankheit festgestellt hat. Jeder konnte mir nicht helfen. Aber grosse Rechnungen haben alle geschrieben. Da waren sie alle schnell. Am wenigsten wissen die Orthopäden - kriegen aber das meiste Geld. Was ich da erlebt habe spottet jeder Beschreibung. Man könnte ganze Bücher schreiben. Ein Osteophat wusste gleich was zu tun ist und hat auch alles erkannt. Toll was? Man sollte öfter mal was neues probieren und nicht immer jeden Scheiss glauben was uns die Schulmediziner auftischen.
Strangelove 06.09.2013
5.
Zitat von sysopCorbisDeutsche Patienten sind offenbar mit ihren Ärzten zufrieden: Eine aktuelle Auswertung des Bewertungsportals "Weisse Liste" zeigt, welche Mediziner am häufigsten empfohlen werden. Orthopäden und Unfallchirurgen schneiden weniger gut ab. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/arztsuche-weisse-liste-meisten-patienten-wuerden-arzt-weiterempfehlen-a-920754.html
wer geht denn nicht zu einem Arzt den er weiterempfehlen würde?! Ein anderes Ergebnis hätte ich auch nicht erwartet.
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