Studienüberblick Forscher befürworten Aspirin zur Krebsvorsorge

Aspirin senkt das Krebsrisiko - darauf deuten viele Studien hin. Jetzt haben britische Forscher Nutzen und Nebenwirkungen abgewogen. Demnach profitieren vor allem ältere Menschen, die die Tabletten bis zu zehn Jahre lang einnehmen.

Aspirin-Tablette : Mehrjährige tägliche Einnahme soll das Krebsrisiko senken
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Aspirin-Tablette: Mehrjährige tägliche Einnahme soll das Krebsrisiko senken


Acetylsalicylsäure, kurz ASS, ist hauptsächlich als Schmerzmittel bekannt. Zusätzlich senkt der Wirkstoff Fieber, hemmt Entzündungen und die Blutgerinnung. Und: Langfristig eingenommen können die unter anderem unter dem Markennamen Aspirin vertriebenen Tabletten das Krebsrisiko senken. Dies berichten britische Forscher im Fachblatt "Annals of Oncology" , die in einer Übersichtsarbeit zahlreiche Studien und Meta-Analysen zusammengefasst haben.

Aspirin habe nach aktueller Studienlage einen positiven Effekt, wenn man im Alter von 50 bis 65 Jahren mit der täglichen Einnahme beginne und diese mindestens fünf Jahre lang fortführe, schreibt das Team um Jack Cuzick von der Queen Mary University in London. Noch größere Vorteile ergäben sich bei einer zehnjährigen Einnahme. Zwar deute sich an, dass eine noch längere Einnahme ebenfalls vorteilhaft sei, aber es sei noch unklar, in welchem Alter man mit der Dauerprophylaxe aufhören solle. Mit zunehmenden Alter steigt das Risiko der schlimmsten Aspirin-Nebenwirkung: schwere Blutungen in Magen, Darm oder Gehirn.

Wer hat es bezahlt?
Die Arbeiten an dem Übersichtsartikel wurden von der International Society of Cancer Prevention, Cancer Research UK, der British Heart Foundation und der American Cancer Society finanziert.
Das Risiko, innerhalb einer 15-Jahres-Spanne an Krebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, sinke für Männer durch die zehnjährige Einnahme um neun Prozent, für Frauen um sieben Prozent. Nach Angaben der Forscher ist ein Schutzeffekt gegenüber Krebs in Magen, Speiseröhre, Darm, Lunge, Brust und Prostata belegt.

Keine zu hohe Dosierung

Die Dosierung in den Studien lag meist bei 75 bis 325 Milligramm Aspirin pro Tag. Höhere Dosierungen scheinen die positiven Effekte nicht zu verstärken, aber die Nebenwirkungen, schreiben die Autoren.

Die Forscher rechnen Folgendes vor:

Wenn 1000 Männer und 1000 Frauen im Alter von 55 Jahren anfangen, zehn Jahre täglich Aspirin zu nehmen, gilt für diese zehn und die folgenden zehn Jahre:

  • Es sterben zwischen 11 und 15 Männer weniger an Krebs - ohne das Aspirin wären es insgesamt 116.
  • Es sterben zwei Männer mehr an den Folgen eines Schlaganfalls, einer Blutung im Verdauungstrakt oder eines Magengeschwürs, ohne Aspirin würden 23 Männer daran versterben.
  • Es sterben zwischen 6 und 8 Frauen weniger an Krebs, ohne das Aspirin wären es insgesamt 88.
  • Es stirbt eine Frau mehr an den Folgen eines Schlaganfalls, einer Blutung im Verdauungstrakt oder eines Magengeschwürs, ohne Aspirin würden 18 Frauen daran versterben.

Cuzik und Kollegen nennen einige Punkte, die weiter untersucht werden sollten. So ist es zum Beispiel noch unklar, ab welchem Alter die Risiken der Aspirin-Einnahme den Nutzen übersteigen. Überhaupt müsste weiter ermittelt werden, welches die optimale Einnahmedauer und -Dosis sei.

Vor kurzem hatten US-amerikanische Forscher zudem eine Studie vorgelegt, laut der Aspirin nicht jeden, sondern nur bestimmte Menschen vor Darmkrebs schützt: Nämlich die, bei denen das Enzym PGDH in größerer Menge in Darmzellen vorkommt. Sollte sich das bestätigen, müssten Schutzeffekt und Nebenwirkungen der Aspirin-Einnahme noch genauer von Fall zu Fall abgewogen werden.

Bevor jemand die Krebsvorbeugung per Aspirin selbst in die Hand nimmt, gilt grundsätzlich: Andere Maßnahmen helfen noch besser - mit dem Rauchen aufhören und Übergewicht reduzieren. Zudem sollte wegen der möglichen Nebenwirkungen ein Arzt in die Entscheidung für oder gegen die Aspirin-Prophylaxe mit eingebunden werden.

Mehr zum Thema im SPIEGEL WISSEN 3/2014

wbr

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Linda14 06.08.2014
1. Aspirin ist nicht unumstritten
Wenn es eben geht, greife ich zur Naturheilkunde. Deshalb gibt es bei mir nur die nötigsten Medis in der Hausapotheke und das sind Aspirin und Paracetamol. Von Aspirin halte ich sehr viel, jedoch denke ich nicht, dass man täglich auch nur geringe Dosen an Aspirin zu sich nehmen sollte. Ich kenne es von früher noch so, dass Ärzte nur Aspirin 100 verschrieben haben, wenn regelmäßige Magenschleimhautuntersuchungen stattgefunden haben. Auch ist das Risiko von Blutungen erhöht und wenn man notfallmäßig unters Messer kommt, kann es dadurch zu Komplikationen kommen. Aspirin würde ich vielleicht in kleinen täglichen Mengen vor einer langen Reise im Auto, Bahn oder Flugzeug nehmen, zwecks Thromboseprophylaxe aber ansonsten denke ich auch, dass es bestimmt besser ist, in erster Linie Risikofaktoren abzustellen und auch eine gesunde Ernährung kann viel bringen.
LH526 06.08.2014
2.
Also befürworten die Forscher den Wirkstoff Acetylsalicylsäure und nicht explizit das Medikament Aspirin?
tannenzapfen 06.08.2014
3. Zu 2.
Selbstverständlich, ist doch das gleiche. Der Name 'Aspirin' ist aber deutlich bekannter als der wirkstoff, also eher geeignet für eine Überschrift.
Mr T 06.08.2014
4. aspirin
Acetylsalicylsäure ist ein natürlich vorkommendes Schmerzmitte, also ein Naturprodukt, nur auf "chemischen" Mitteln hergestellt. Das heisst, dass man keine Nebenwirkungen von anderen pflanzlichen Stoffen fuerchten muss, denn warum sollte eine Pflanzze nur harmloste Substanzen herstellen?
zila 06.08.2014
5. Wichtigstes Detail fehlt
Naemlich, ob die 75mg (oder 81mg) Baby-Aspirin das Risiko fuer Nebenwirkungen erheblich senken und dabei vergleichsweise effektiv sind, d.h. die 375mg waere nicht automatisch 4x besser. Ausserdem ist vielleicht 2x taeglich die halbe Dosis besser?
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