Lasik-Operation: Scharfe Sicht mit Risiko
Brille nervt, Kontaktlinse auch - also ab zum Lasern? Das Geschäft mit der Augenkorrektur boomt, doch Ärzte streiten über den Nutzen. Viele Patienten kämpfen mit trockenen Augen und Blendeffekten. Einige Experten verteufeln die Lasik als reine Lifestyle-OP.
Andrea Sawatzki hat sie hinter sich, ebenso wie Brad Pitt, Anthony Hopkins und Tiger Woods: eine Lasik-Operation der Augen. Danach, so das Versprechen, kann der Patient wieder scharf sehen - auch ohne Sehhilfe. Das Verfahren boomt: Jährlich werden in Deutschland mehr als 100.000 Augenlaseroperationen durchgeführt.
Bis 2015 wird die Zahl der Lasik-Operationen sogar durchschnittlich um sieben Prozent jährlich steigen, erwartet der Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie e.V. Die Palette der Anbieter ist breit, der Markt stark umkämpft. Einige Krankenhäuser im Ausland werben mit Frühbucherrabatten, die Städtetour ist inklusive, und auch deutsche Kliniken wollen mit einem Festpreis punkten. Also weg mit der Brille und ab unter den Laserstrahl!
Doch hält die Methode, was ihre Werbung verspricht?
Die Fachwelt zeigt sich - auch nach 15 Jahren Lasik-Operationen in Deutschland - gespalten, wenn es um die Risiken und den Nutzen des Eingriffes geht. "Die Lasik ist keine Wundermethode. Sie ist aber in der Lage, eine bestehende Fehlsichtigkeit bis zu acht Dioptrien zu korrigieren", sagt Michael Knorz. Er leitet das FreeVis Lasik Zentrum des Universitätsklinikums Mannheim und führte 1993 die Lasik in Deutschland ein.
Idealerweise sieht der Patient nach der OP zwar wie ein Normalsichtiger. Aber auch dieser braucht mit 40 oder 50 Jahren oftmals eine Nahsichtbrille. "Wenn ich ein Leben lang ohne Brille sein will, muss ich einige Nachoperationen einplanen", sagt Knorz.
Manchmal wird das Ziel verfehlt
Zudem kann ein gewisser Restfehler bleiben, der sofort nach der Operation eine Brille erfordert. "Individuelle Heilungsreaktionen können dazu führen, dass nach dem Lasern die angestrebte Sehschärfe nicht völlig erreicht wird", räumt das Augenzentrum Köln ein. "Doch mit modernen Geräten liegt die Wahrscheinlichkeit bei über 90 Prozent, dass die Sehschärfe nach dem Eingriff maximal 0,5 Dioptrien über oder unter dem angestrebten Zielwert liegt."
Eine amerikanische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent der Patienten mit dem Ergebnis der Operation zufrieden sind. Dreht man den Spieß jedoch um, hieße das, dass jeder Zehnte mit dem erzielten Ergebnis nicht sonderlich zufrieden ist - eine nicht gerade geringe Zahl. Tatsächlich klagen zahlreiche Patienten über trockene Augen und Fremdkörpergefühle beim Zwinkern. Hinzu kommen zunächst bei fast allen Behandelten Blendeffekte in der Nacht.
"Bei 95 Prozent aller Patienten verschwinden diese Beschwerden innerhalb der ersten drei Monate", sagt Knorz. Bei Korrekturen über fünf Dioptrien blieben jedoch gewisse Blendungen noch bestehen. Einige Patienten sind dadurch dauerhaft so beeinträchtigt, dass sie ihr Auto in der Dunkelheit stehen lassen müssen. Knorz zufolge liegt die Quote dafür bei Korrekturen von minus eins bis fünf Dioptrien bei 1:200.000. Bei Korrekturen bis acht Dioptrien liegt sie schon bei drei bis vier Prozent. "Über acht Dioptrien ist eine Behandlung nicht mehr ratsam."
Risiken sind anders zu bewerten
Während viele Augenärzte die Lasik dennoch insgesamt für eine sichere Methode halten, sind andere Experten skeptisch. "Die Lasik ist eine Operation, die medizinisch nicht notwendig ist", sagt Andreas Berke, Dozent für Physiologische Optik an der höheren Fachschule für Augenoptik in Köln. "Sie ist eine Lifestyle-OP, bei der man die Risiken ganz anders bewerten muss als bei einer medizinisch erforderlichen OP."
Zudem ist Berke der Ansicht, dass sich die Hornhaut dafür nicht eignet. Ähnlich wie eine Ballonhülle muss sie viel Spannung aushalten, den Augeninnendruck. Durch die Lasik werde die Hornhaut geschwächt: Die Ärzte schneiden dabei ein dünnes Hornhautscheibchen ab und klappen diesen "Flap" wie einen Buchdeckel zur Seite weg. Nach der OP wird er wieder zurückgeklappt. "Der Flap wächst allerdings nie wieder so fest an wie vorher - die Hornhaut verliert ihre mechanische Widerstandskraft", so Berke. Die Langzeitfolgen könne man nicht abschätzen. Einer seiner Patienten habe acht Jahre nach dem Eingriff sogar eine Hornhauttransplantation benötigt.
Knorz dagegen ist überzeugt, dass die bisherigen Langzeitstudien bei weitem ausreichend seien und eine Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren den Studien zufolge genüge. Eines, da sind sich alle Experten einig, gilt es bei der Lasik jedoch unbedingt zu vermeiden: die Keratektasie. Dabei wird die Hornhaut so stark geschwächt, dass sie auseinandergeht. Mit einer Brille lässt sich das nicht korrigieren, dem Patienten hilft nur noch die Transplantation einer neuen Hornhaut.
Andreas Berke sieht deshalb noch großen Verbesserungsbedarf bei der Aufklärung der Patienten. "Die Lasik wird im Vorbeigehen erledigt, den Patienten ist oft nicht klar, welche Auswirkungen ein solcher Eingriff haben kann."
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- Samstag, 02.03.2013 – 07:36 Uhr
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- Janine van Ackeren ist Physikerin und arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin in Duisburg.
Janine van Ackeren
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