Badeunfall in Australien Rätsel um Angriff durch Meerestiere gelöst

Die Unterschenkel eines Jugendlichen waren nach einem Gang ins Meer blutüberströmt. Was hat ihn attackiert? Jetzt identifizierte eine Meeresbiologin die mutmaßlichen Angreifer.

DPA/ Jarrod Kanizay

Er wollte nur seine Beine abkühlen - doch als ein australischer Teenager nach einer halben Stunde aus dem Meer kam, strömte aus Hunderten Wunden in seinen Beinen das Blut. Eine Meeresbiologin hat das Rätsel um die winzigen Angreifer offenbar gelöst.

Der 16-jährige Sam Kanizay ging nach einem Footballmatch in Melbourne ins nahe gelegene Meer. Zur Abkühlung stand er auch eine Weile still. Als er wieder aus dem Wasser herauskam, waren seine Füße und Unterschenkel von kleinen Bissen übersät. Aus Hunderten winzigen Wunden strömte Blut. Zunächst rätselten Experten über die Angreifer. Es könnte sich um Flohkrebse oder um Quallenlarven gehandelt haben, vermuteten Wissenschaftler.

Kanizays Vater nahm am Tag nach dem Angriff Proben an der Stelle, an dem sein Sohn im Wasser attackiert wurde. Er fischte dabei einige kleine Tierchen aus dem Wasser und filmte, wie sie Fleischreste vertilgen.

Genefor Walker-Smith vom Museum Victoria in Melbourne identifizierte die Tiere inzwischen als sogenannte Meeresflöhe - eine Unterart von Amphipoden, wie sie in allen Weltmeeren vorkommen. Sie bestätigte damit die Vermutung von Jeff Weir vom australischen Delfin-Forschungszentrum in Hastings, der ebenfalls auf Flohkrebse als Angreifer getippt hatte.

Normalerweise ernähren sich die Flohkrebse (Lysianassid Amphipod) von toten Fischen oder Seevögeln. "Eigentlich greifen sie keine Menschen an", sagte Walker-Smith. "Das war ein dummer Zufall."

Blutungen erst nach Stunden gestillt

Die Biologin erklärte die starken Blutungen des Teenagers damit, dass der Junge eine halbe Stunde lang in kaltem Meerwasser stand. Wegen der niedrigen Temperaturen habe er die Bisse vermutlich nicht bemerkt. "Normalerweise spürt man das und reibt die Tiere einfach weg", sagte sie im Fernsehsender ABC. Kanizay hatte mit zahlreichen Bisswunden in Krankenhaus gebracht werden müssen. Erst nach Stunden gelang es, die Blutungen zu stillen.

Amphipoden sind nur zwischen sechs und 13 Millimeter groß. Die Art, die den Schüler angriff, wird Meeresflöhe oder auch Meeresläuse genannt. Walker-Smith äußerte die Vermutung, dass der Schüler in der Nähe eines toten Tieres stand und die Amphipoden dann auf ihn wechselten. "Er stand einfach lange Zeit still im kalten Wasser. Das hat ihnen viel Zeit gegeben, zuzuschnappen." Der Schüler hatte anfangs vermutet, dass er Sand an den Beinen habe. Erst als er den vermeintlichen Sand wegwischte, entdeckte er das viele Blut.

Aus Sicht der Biologin besteht durch die Tierchen für Menschen keine Gefahr. Walker-Smith beschrieb die Meeresflöhe vielmehr als wichtigen Teil des maritimen Ökosystems. "Wenn wir sie nicht hätten, dann wäre das Meer voller toter Fische und Vögel. Sie sind einfach Teil der Nahrungskette, der Kette des Lebens."

Dem Opfer der Beißattacken geht es inzwischen wieder besser. Sam habe zwar noch Schmerzen, sagte sein Vater dem Sender ABC, er sei aber bei guter Gesundheit. "Wir erwarten, dass er sich wieder vollständig erholt."

dpa/brt

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