Sicherheit: Übergewichtige sterben bei Autounfällen eher
Sicherheitsgurt, Airbag und Sitze im Auto sind für Durchschnittsmenschen ausgelegt. Eine US-Studie deckt jetzt auf: Massiv Übergewichtige haben ein erhöhtes Risiko, bei Autounfällen zu sterben. Die Mediziner fordern einen besseren Schutz für Menschen mit extremen Maßen.
Wenn es auf der Straße kracht, verlassen Autofahrer sich auf das Sicherheitskonzept ihres Autos: Airbags rund um den Körper, der sich selbst straffende Gurt und nachgebende Flächen sollen Verletzungen verhindern. Doch besonders massiv Übergewichtige müssen offenbar damit rechnen, dass der Schutz im Fahrzeug versagt - weil die Systeme nicht auf ihre Körpermaße ausgelegt sind.
Schwer übergewichtige Menschen haben nach den Ergebnissen einer neuen Studie ein deutlich erhöhtes Todesrisiko bei Autounfällen. Zu diesem Schluss kommen US-Forscher in der Fachzeitschrift "Emergency Medicine Journal". Demnach steigt das Risiko, bei einer Autokollision zu sterben, bei stark übergewichtigen Passagieren um 21 Prozent, bei Fettleibigen um 51 Prozent und bei extrem Fettleibigen sogar um 80 Prozent. Ein möglicher Grund für das erhöhte Risiko könnte sein, dass die Sicherheitsvorkehrungen von Autos für Normalgewichtige konzipiert sind.
Daten aus 57.000 Unfällen
Für ihre Untersuchung verglichen Thomas Rice von der University of California in Berkeley und Motao Zhu von der University von West Virginia zunächst Daten von 57.000 Kollisionen, die sich zwischen 1996 und 2008 in den USA ereignet hatten. Sie begrenzten die Untersuchung anschließend auf Autos von vergleichbarer Größe, Fahrzeugtyp und Airbag-Ausstattung. Außerdem berücksichtigten sie Faktoren wie Alter oder Alkoholkonsum der Unfallopfer. Ausgewertet wurden letztlich 3403 Unfälle, zu deren Fahrern Angaben über Gewicht, Alter und die Verwendung von Sicherheitsgurten vorlagen.
Die Akten der Rettungsteams ergaben, dass Menschen mit starkem Übergewicht oder Fettleibige - als Grundlage für die Einordnung diente der sogenannte Body-Mass-Index - häufiger Verletzungen im Brustbereich erlitten als Normalgewichtige. Crashtests mit Leichen zeigten, dass bei Passagieren mit starkem Übergewicht das Bauchfett wie eine Art Schwamm wirkt und das Auslösen der Sicherheitsgurte verzögert.
Es sei daher wichtig, Autos so zu konzipieren, dass sie Übergewichtige besser schützen, empfehlen die Autoren der Studie. Sie verweisen darauf, dass in den USA mehr als 33 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen stark übergewichtig oder fettleibig sind. Gefährdet sind aber nicht nur stark Übergewichtige: Laut der Studie haben auch Menschen mit Untergewicht bei Autounfällen ein erhöhtes Sterberisiko.
dba/AFP
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