Ein rätselhafter Patient Baby, warum ist so viel Zink in deinem Blut?

Ein fünf Monate altes Frühchen liegt mit Lungenproblemen im Krankenhaus. Bei einem Bluttest sticht ein zu hoher Zinkwert hervor. Zwei Tage später ist er weiter gestiegen. Was ist da los?

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Wenn Babys zu früh auf die Welt kommen, haben sie ein höheres Risiko für Lungenprobleme. Die Organe reifen recht spät in der Schwangerschaft heran und sind deshalb bei einer frühen Geburt mitunter nicht vollständig entwickelt.

So geht es auch einem fünf Monate alten Frühchen in Dänemark: Es muss aufgrund von Lungenproblemen in der Universitätsklinik von Odense behandelt werden. Zuerst ist es in der Pädiatrie, später muss das Baby dann auf die Kinderintensivstation verlegt werden.

Die Blutwerte des kleinen Patienten werden regelmäßig überwacht, das ist Routine.

Wenige Tage zuvor war der Wert noch unauffällig

Bei den Testergebnissen fällt ein Wert auf: Die Zinkkonzentration im Blut liegt mit 20,2 Mikromol pro Liter leicht über dem normalen Bereich von zehn bis 19. Das überrascht die zuständigen Kinderärzte vor allem, weil der Wert fünf Tage zuvor - als das Kind noch in der Pädiatrie war - mit 11,6 deutlich niedriger und völlig normal war.

Die Ärzte behalten den ungewöhnlichen Messwert im Blick, zwei Tage später nehmen sie erneut eine Blutprobe. Nun ist der Zinkwert noch höher: 42,4 Mikromol pro Liter.

Wie kann das sein?

Die Ärzte prüfen alle Medikamente und Vitaminpräparate, die das Baby bekommt. Keines davon enthält relevante Mengen Zink. Ob man die Präparate alle einmal testen solle, fragt das zuständige Labor nach. Es könnte ja sein, dass eines davon aufgrund eines Fehlers Zink enthalte. Die Kinderärzte halten diese Analysen zunächst für unnötig.

Spurensuche im Labor

Sie erkundigen sich aber zur Sicherheit, ob im Labor bei der Analyse der Blutprobe ein Fehler unterlaufen sein könnte. Die Kollegin, die die Messung durchgeführt hat, kann sich an diese Probe explizit erinnern. Weil erhöhte Zinkwerte so selten sind, hatte sie die Analyse von sich aus ein zweites Mal durchgeführt, um einen Messfehler auszuschließen: Das Resultat war demnach korrekt.

Kann bei der Blutentnahme etwas schiefgelaufen sein - und das Zink bei dieser Prozedur in die Probe gelangt sein? Sowohl in der Pädiatrie als auch auf der Kinderintensivstation wird bei Babys das Blut aus kleinen Gefäßen an der Ferse genommen. Vielleicht haben die Mitarbeiter dort Zink auf die Wunde aufgetragen und so die Messwerte verfälscht? Nein, das war nicht der Fall, teilen die Zuständigen mit.

Ein Gespräch mit der Mutter löst schließlich das Rätsel, wie das Team um Eva Rabing Brix Petersen im Fachblatt "Biochemica Medica" berichtet: Um die Wundheilung an der Ferse zu beschleunigen, hatte die Mutter eine Salbe aufgetragen. Und diese enthielt neben Vitamin E auch Zinkoxid. Das Zink kreiste also nicht im Babyblut, sondern kam tatsächlich bei der Entnahme in die Probe.

Drei Tage später nehmen die Ärzte noch einmal eine Blutprobe vom anderen Fuß, auf den die Mutter keine Salbe aufgetragen hat. Der Zinkwert ist mit 14,3 Mikromol pro Liter im Normalbereich.

"Wenn etwas falsch erscheint, dann ist es oft auch falsch", schreiben sie abschließend in ihrem Fallbericht.

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Ein rätselhafter Patient


insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
firenafirena 11.03.2018
1. Rätselhaft?
Das einzig Rätselhafte an der Sache ist für mich die Frage, wieso auf einer Kinderintensivstation Eltern unbesehen offenbar selbst mitgebrachte Kosmetika auf ihre (schwer) kranken Babys schmieren können. Zumal ich mich wundere, wie man überhaupt auf die Idee kommt mit bestehender Infektionsgefahr, etc. Ein Frühchen, dazu noch krank, braucht Körperkontakt und medizinische Betreuung von der die Ärzte auch wissen und sonst nix...
CancunMM 11.03.2018
2.
mein erster Gedanke war: Mutter hat das Kind mit Penatencreme eingecremt.
gartenkram 12.03.2018
3. Wieso
Kann zink bei einer blutprobe auftauchen, das auf die haut aufgebracht wurde? Müsste das nicht entfernt sein, wenn vor blutabnahme die stelle desinfiziert wird?
frenchie3 12.03.2018
4. @3 Cremes ziehen in die Haut ein
Bei der hohen Empfindlichkeit der Geräte reicht offensichtlich der Millimeter Weg durch die Haut um die Probe zu kontaminieren. Mir wäre es auch nicht in den Sinn gekommen daß jemand unbeaufsichtigt in der Intensivstation rumfuhrwerkt
willibaldus 12.03.2018
5.
Zitat von firenafirenaDas einzig Rätselhafte an der Sache ist für mich die Frage, wieso auf einer Kinderintensivstation Eltern unbesehen offenbar selbst mitgebrachte Kosmetika auf ihre (schwer) kranken Babys schmieren können. Zumal ich mich wundere, wie man überhaupt auf die Idee kommt mit bestehender Infektionsgefahr, etc. Ein Frühchen, dazu noch krank, braucht Körperkontakt und medizinische Betreuung von der die Ärzte auch wissen und sonst nix...
Zinksalbe beschleunigt schon die Wundheilung bei manchen Fällen. Nicht bei tiefen Verletzungen oder grossflächigen Wunden. Bei leichten Verbrennungen oder wunder Haut sehr zu empfehlen. Zink selber ist wichtig für körpereigene Enzyme, die an Wundheilung beteiligt sind. Zinkmangel behebt man aber nicht durch Salbe. Ein Teil des Zinkoxid in der Salbe wird zu leicht löslichen Zinksalzen. Es ist noch nicht geklärt, es ist aber möglich, dass dadurch lokal eine verbesserte Aktivität der körpereigenen Wundheilung erreicht wird.
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