Krankenkassen-Bericht Mehr als drei Millionen leiden unter chronischem Schmerz

Die Zahl der Schmerzpatienten in Deutschland steigt seit Jahren: Mehr als drei Millionen plagen laut einem Krankenkassenbericht sogar chronische Schmerzen. Gleichzeitig fehlen Experten in der Therapie.

Ständige Qual: Frauen sind häufiger von chronischem Schmerz betroffen als Männer
DPA

Ständige Qual: Frauen sind häufiger von chronischem Schmerz betroffen als Männer


3,25 Millionen Menschen in Deutschland leben mit chronischen Schmerzen - das berichtet die Krankenkasse Barmer GEK im "Arztreport 2016". Die Zahl der Schmerzpatienten sei seit 2005 kontinuierlich gestiegen. Damals waren 1,6 Prozent der Bevölkerung betroffen, 2014 waren es laut der Krankenkasse vier Prozent.

Frauen leiden häufiger unter chronischen Schmerzen als Männer, Ältere öfter als Jüngere. Zudem gilt die Dunkelziffer von Betroffenen ohne einschlägige Diagnose als hoch.

Doch auch zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede. Laut "Arztreport" fiel die Diagnose "chronischer Schmerz" am häufigsten in Brandenburg und Berlin - 5,8 beziehungsweise 5,7 Prozent der Bevölkerung sind dort betroffen. Am seltensten wurde die Diagnose in Bremen mit 2,9 Prozent gestellt.

Barmer-GEK-Chef Christoph Straub machte auf Verbesserungen in der Schmerztherapie aufmerksam. Zusätzlich müsste aber bereits der Hausarzt Lotse sein, sodass Betroffene früh von verschiedenen ärztlichen Fachrichtungen betreut werden könnten, damit Schmerzen möglichst gar nicht erst chronisch werden.

Jahrelanges Leiden

Im Schnitt dauert die Leidensgeschichte eines Schmerzpatienten sieben Jahre. Nach Angaben der Bundesärztekammer kämpft jeder Fünfte sogar 20 Jahre und länger gegen die Beschwerden.

2014 erhielten laut "Arztreport" rund 61.000 Patienten eine sogenannte multimodale Schmerztherapie: Sie kombiniert Physiotherapie, Medikamente und Psychotherapie. Das entspräche jedoch nur einem Fünftel aller Betroffenen, die potenziell für eine solche Therapie geeignet wären.

Nach Angaben der Deutschen Schmerzliga und weiterer Fachorganisationen kommen Patienten oft nur über Umwege zur passenden Therapie - es fehle an einer Vernetzung innerhalb der medizinischen Fachgebiete. Erste Anlaufstelle sei oft die Apotheke. Patienten wüsten oft nicht, dass es Ärzte mit einer speziellen schmerzmedizinischen Ausbildung gebe. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin meint, für eine flächendeckende Versorgung seien mindestens 10.000 Schmerzmediziner nötig. Derzeit gebe es nur 400 Ärzte, die in Vollzeit Schmerzpatienten versorgen.

Die Mediziner haben sich auf einem Ärztetag bereits vor zwei Jahren für mehr und bessere Schmerztherapien eingesetzt - unter anderem durch Teams verschiedener Fachrichtungen.

wbr/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
smartphone 23.02.2016
1. leicht erklärbar das mit dem Chroniker
Meine KV übersendete mir am Samstag ein Briefchen, in welchen mal lockerflockig der Jahresbeitrag umschlappe 23% erhöht wurde.... Und das obwohlman nie krank und SB Höchstsatz hat ...
Spiegelleserin57 23.02.2016
2. alles kein Wunder...
wenn Billigpräparate verschrieben werden die als Nebenwirkungen Schmerzen haben verwundert dies alles nicht. Dann wird ein Schmerzmittel verordnet was wiederum Nebeniwrkungen verursacht die werden wiederum mit Medikamenten bekämpft und so ist es eine Kette ohne Ende nur weil an der falschen Ecke gespart wird. Wieviele Menschen sterben pro Jahr an den Nebenwirkungen von Medikamenten? Es gibt auch viel zu wenige Schmerzthrapeuten die sich mit dem Thema Schmerz wirklich gut auskennen. Man muss auf diesem Gebiet nämlich viel mehr Wissen als nur die Schmerztherapie. Psychologie und vor allem auch Orthopädie gehören ebenso dazu wie die gesamte Breite der Thumortherapien. Das ist vielen Anästhsisten eben auch zu viel da dieser Bereich dann auch eine entsprechende Weiterbildung erfordert.
Byod 23.02.2016
3.
keen Problem. Einfach mal etwas "Gras" rauchen, und dann stimmt das wieder.
sickamo 23.02.2016
4. Hanf als Medizin?
Vielleicht sollten die drei Millionen mal nach Israel gehen ... Dort ist die Wissenschaft schon etwas weiter ...
lachina 23.02.2016
5. Das mit den sieben Jahren ist richtig....
besonders lange dauert die Anerkennung bei Frauen Ü 40. Da ist man gerne die "hysterische Ziege" oder "das frustrierte Weib in den Wechseljahren". Erst auf meine eigene Recherche hin wurde ich zu Schmerztherapeuten geschickt, die den Schmerz ernst genommen haben. Da waren, wie gesagt, sieben Jahre rum und die Sache nur noch mit Opioiden in den Griff zu bekommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.