Krankenkassenreport Zahl bösartiger Hauttumore nimmt drastisch zu

Zu viel UV-Strahlung, bessere Früherkennung, alternde Bevölkerung: Die Zahl der Menschen in Deutschland mit Hautkrebs steigt drastisch, zeigt ein aktueller Report der Barmer GEK. Viele unterschätzen die Gefahr der häufigsten Tumorart.

Gerät zur Hautuntersuchung: Früherkennung wird ab 35 alle zwei Jahre empfohlen
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Gerät zur Hautuntersuchung: Früherkennung wird ab 35 alle zwei Jahre empfohlen

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In Deutschland erkranken immer mehr Menschen an Hautkrebs. Zwischen 2005 und 2012 hat nach Hochrechnungen der Barmer GEK die Zahl der weißen Hautkrebsfälle um 79 Prozent zugenommen. Am schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, litten 2012 318.000 Menschen - 60 Prozent mehr als noch 2005. Das sind die Ergebnisse des Arztreports 2014, den die Barmer GEK gemeinsam mit dem Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (Aqua) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

"Hautkrebs ist eine der unterschätzten Krebserkrankungen in Deutschland", sagte Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer-GEK. Die Daten des Reports stammen von mehr als acht Millionen Versicherten - bundesweit sind das mehr als zehn Prozent der Bevölkerung.

Hierzulande erkranken jedes Jahr mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs, es ist die häufigste Tumorart des Menschen. Der weiße Hautkrebs, zu dem vor allem das sogenannte Basaliom und das Plattenepithelkarzinom zählen, ist dabei weitaus häufiger. Diese Tumore wachsen zwar invasiv, streuen aber kaum und führen daher nur selten zum Tod. Sie werden weder im Deutschen Krebsregister noch in internationalen Publikationen wie dem am Montag vorgestellten Welt-Krebsbericht 2014 berücksichtigt.

Der schwarze Hautkrebs hingegen verursacht früh gefährliche Metastasen und daher vergleichsweise viele Todesfälle. Im Jahr 2012 sind laut Statistischem Bundesamt 2875 Menschen an einem malignen Melanom gestorben.

Die wichtigsten Ursachen für die Zunahme der Hautkrebsfälle:

UV-Strahlung

Vor allem die UV-Strahlung spielt bei der Entstehung von Hautkrebs die wichtigste Rolle. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Deutschen ihre Urlaube immer mehr in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung verlegt und ihr Freizeitverhalten verändert. Zudem werden Solarien noch viel genutzt - trotz der bekannten Gefahren. "Die Haut vergisst nichts", sagt Rudolf Stadler, ehemaliger Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. "Wir sehen mittlerweile immer mehr jüngere Frauen, die an Hautkrebs erkranken."

Alterung der Bevölkerung

Aber auch alte Männer entwickeln zunehmend Tumore der Haut. Bei ihnen steht der weiße Hautkrebs im Vordergrund. Dieser wächst häufig im Gesicht und kann das umliegende Gewebe im fortgeschrittenen Stadium zerstören - eine Operation wird dann schwierig. Auch vom schwarzen Hautkrebs sind Männer im Gegensatz zu Frauen eher im höheren Alter betroffen. Insgesamt steigt die Zahl der Diagnosen von Hautkrebs durch die zunehmende Überalterung der Gesellschaft.

Immunsuppression

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Zunahme von Hauttumoren ist die steigende Zahl von Menschen mit einem gestörten Immunsystem. Wer eine Autoimmunerkrankung hat oder aufgrund einer chronischen Krankheit oder nach einer Transplantation Medikamente schlucken muss, die das Immunsystem unterdrücken, ist deutlich anfälliger für Mutationen, die auf Lichteinstrahlung folgen. "Nach fünf Jahren Immunsuppression entwickelt fast die Hälfte der Betroffenen Hautkrebs", so Stadler.

Früherkennung

Seit dem 1. Juli 2008 zahlen Krankenkassen alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening für alle Versicherten ab dem 35. Lebensjahr. Das führte den Analysen der Barmer GEK zufolge zwischen 2007 und 2008 zu einem überdurchschnittlichen Anstieg bei den Diagnosen weißer Hautkrebs und malignes Melanom. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass nur knapp ein Drittel der Versicherten (31 Prozent) an dem Screening teilnimmt. Eine Forsa-Umfrage hatte 2013 ergeben, dass 38 Prozent der in Deutschland Versicherten bereits an einem Hautkrebs-Screening teilgenommen haben.

HAUTKREBS
Malignes Melanom
Mit dem Begriff Hautkrebs wird umgangssprachlich oft das maligne Melanom bezeichnet, die bekannteste und gefährlichste Hautkrebsform. Dieser "schwarze Hautkrebs" entwickelt sich in der Regel als bösartige Neubildung pigmentbildender Zellen der Haut. Dabei wirken sich offenbar Effekte des ultravioletten Lichts aus: Unter anderem unterdrückt UV-Strahlung die Immunabwehr - mit der Folge, dass Krebsherde ungestört heranwachsen können.

Als besonders gefährdet gelten Menschen mit vielen pigmentierten Muttermalen ( Nävi ), hellem Hauttyp und genetischer Vorbelastung. Auch sogenannte Altersflecken können auf ein erhöhtes Hautkrebsrisiko hinweisen. Bei Männern steigt das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter. Frauen bekommen Hautkrebs auch schon in jungen Jahren.
Früh erkannt, sind die Heilungschancen gut: Ist der Tumor nicht mehr als 1,5 Millimeter dick, überleben mehr als 90 Prozent der Patienten die nächsten zehn Jahre. Sind hingegen bereits Metastasen in Leber, Lunge, Gehirn oder Knochen aufgetreten, ist der Krebs meist nicht mehr heilbar. Jährlich sterben etwa 2500 Menschen am malignen Melanom.
Weißer Hautkrebs
Häufiger als maligne Melanome treten Hautkrebsarten auf, die sich nicht aus den pigmentbildenden Zellen der Haut entwickeln und oft unter den Begriffen weißer oder heller Hautkrebs zusammengefasst werden. Am häufigsten sind darunter das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom . Das UV-Licht der Sonne schädigt in den Hautzellen die Erbsubstanz DNA. Mutationen entstehen, die zu Krebs führen können. Das Risiko, an einem sogenannten nichtmelanozytären Hautkrebs zu erkranken, steigt mit der lebenslang erworbenen UV-Dosis und daher mit zunehmendem Alter. Diese Hautkrebserkrankungen bilden fast nie Metastasen (Tochtergeschwülste) und sind somit in der Regel heilbar.
Vorbeugende Maßnahmen
Die beste Prävention gegen Hautkrebs ist nach wie vor ausreichender Schutz vor UV-Strahlung , unter anderen auch durch Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und schützende Kleidung. Sonnenbrände sollte man vermeiden und Kinder nicht übermäßig der Sonne aussetzen, vor allem nicht in der Mittagszeit.
Früherkennung
Je früher Hautkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Deshalb empfielt es sich, den eigenen Körper zu beobachten. Damit auch der Laie entsprechende Hautveränderungen entdecken kann, gibt es eine einfache ABCD-Regel. Die Abkürzung steht für Asymmetrie, Begrenzung, Colour (Farbe) und Durchmesser:

Asymmetrie: Ein Fleck kann gefährlich sein, wenn er keine runde oder ovale Form hat, sondern asymmetrisch aufgebaut ist.
Begrenzung: Eine unscharfe Begrenzung kann ebenso auf ein Melanom hindeuten wie unregelmäßige Ausfransungen oder Ausläufer des Pigmentmals.
Colour (Farbe): Ein Muttermal mit mehreren Farbtönungen sollte genau beobachtet werden.
Durchmesser: Auch ein Pigmentmal, dessen Durchmesser größer als fünf Millimeter ist, sollte beachtet werden.

Seit 1. Juli 2008 zahlen gesetzliche Krankenkassen vom 35. Lebensjahr an alle zwei Jahre eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs bei qualifizierten Hausärzten und Dermatologen.
"Die erfreuliche Nachricht ist, dass Menschen mit einem früh erkannten malignen Melanom auch nach zehn Jahren noch eine Überlebensrate von über 90 Prozent haben", sagt Stadler, der die Klinik für Dermatologie am Johannes-Wesling-Klinikum in Minden leitet. Dabei sind die Größenunterschiede für einen Laien minimal: "Ist der Tumor weniger als einen Millimeter groß, sind die Chancen auf Heilung sehr gut", so Stadler. "Bei einem drei bis vier Millimeter großen Melanom, das aufgebrochen ist, überlebt hingegen nur die Hälfte der Betroffenen die nächsten fünf Jahre."

In Deutschland bieten sowohl Dermatologen als auch Hausärzte Früherkennungsuntersuchungen an. Dem Report zufolge erreichen Hausärzte alle sozialen Schichten, wohingegen Bevölkerungsschichten mit höherem Bildungsniveau eher Dermatologen aufsuchten. Diese führten 2011 und 2012 insgesamt 3,37 Millionen Früherkennungsuntersuchungen durch, Hausärzte 4,18 Millionen.

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insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
MtSchiara 04.02.2014
1. Krebsuntersuchung
Man sollte vorsichtig damit sein, sich beim Hausarzt auf Krebs untersuchen zu lassen. In meinem Umkreis gibt es zwei Fälle junger Frauen, die aufgrund falscher Entwarnung durch den Arzt nicht rechtzeitig therapiert wurden und so an einem im Prinzip heilbaren Krebs gestorben sind. Und meint der Artikel wirklich 4 Millimeter oder stattdessen 4 cm? Ist wirklich schon ein 4mm-Krebs in 50 Prozent der Fälle tödlich?
Lebensberater 04.02.2014
2. optional
2.875 Tote durch Hautkrebs/malignem Melanom (2012) sind nicht viel, allein im Strassenverkehr kamen 2011 über 4.000 Personen ums Leben (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/zahl-der-verkehrstoten-erstmals-seit-20-jahren-wieder-gestiegen-a-842953.html). Also den Aufschrei mal etwas leiser ansetzen. Im übrigen bleibt es bis heute eine reine Behauptung, "UV-Strahlung spiele bei der Entstehung von Hautkrebs die wichtigste Rolle." Dazu müßte es eine epidemiologische Vergleichsuntersuchung geben, die man aus offensichtlichen Gründen gar nicht durchführen kann. Wissenschaftlich ist dieser behauptete Zusammenhang nicht zu belegen.
arakiel 04.02.2014
3.
Zitat von sysopDPAZu viel UV-Strahlung, bessere Früherkennung, alternde Bevölkerung: Die Zahl der Menschen in Deutschland mit Hautkrebs steigt drastisch, zeigt ein aktueller Report der Barmer GEK. Viele unterschätzen die Gefahr der häufigsten Tumorart. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/barmer-gek-arztreport-hautkrebs-boesartige-tumore-nehmen-drastisch-zu-a-950879.html
Die meisten Hautärzte sind der Meinung das Vorsorgeuntersuchungen mit 35 bereits zu spät sind. Man sollte mit 25 damit anfangen. Das wird in diesem Artikel leider verschwiegen.
christianf42 04.02.2014
4. Sonnenschutzwahn
Interessanterweise entwickelt sich der berüchtigte schwarze Hautkrebs meist an Stellen, die der Sonne kaum oder gar nicht ausgesetzt sind (dort kann die Haut kein Vitamin D bilden, was vorbeugend wirkt). Die Manie, schon beim kleinsten Sonnenstrahl jedes freie Stückchen Haut mit Sonnencreme mit Sonnenschutzfaktor 30 zuzukleistern dürfte die Lage eher verschlimmern - am besten für die Haut und den Schutz vor Hautkrebs ist, die ungeschützte Haut der Sonne regelmäßig, aber in Maßen auszusetzen.
benmartin70 04.02.2014
5.
Zitat von arakielDie meisten Hautärzte sind der Meinung das Vorsorgeuntersuchungen mit 35 bereits zu spät sind. Man sollte mit 25 damit anfangen. Das wird in diesem Artikel leider verschwiegen.
Und wie Vertrauenswürdig ist das? Die Hautärzte verdienen daran, oder?
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