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Krankenkassen-Bericht: Immer mehr Menschen mit Rückenschmerzen in Klinik

Volksleiden: 85 Prozent der Bevölkerung haben im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Rückenschmerzen Zur Großansicht
DPA

Volksleiden: 85 Prozent der Bevölkerung haben im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Rückenschmerzen

Wenn Ärzte nicht mehr weiter wissen, landen Menschen mit Rückenschmerzen immer häufiger im Krankenhaus. Viele werden operiert, dabei könnte oft eine Schmerztherapie helfen.

Das Kreuz tut weh, der Nacken knackt, Bewegungen stocken: Rückenschmerzen kennt fast jeder. In den meisten Fällen verschwinden sie von allein wieder, vielen Betroffenen helfen Bewegung oder Schmerzmittel. Nicht selten führen die Probleme die Patienten aber in die Klinik: Dem Krankenhausreport 2015 der Barmer GEK zufolge haben Klinikaufenthalte aufgrund von Rückenschmerzen in den vergangenen acht Jahren um 50 Prozent zugenommen.

Diese Steigerung sei nur zu einem kleinen Teil auf demografische Veränderungen zurückzuführen, heißt es in dem Report, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Bei der Barmer GEK sind 8,6 Millionen Menschen versichert. Da diese Gruppe nicht repräsentativ ist für Deutschland, wurden die Ergebnisse auf die Alters- und Geschlechtsstruktur der Bevölkerung Deutschlands im Jahr 2011 übertragen.

Rechnet man die Zahlen der Krankenkasse auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands hoch, gab es im Jahr 2013 insgesamt 415.000 Krankenhausaufenthalte wegen Schmerzen im unteren Rücken (lumbale Rückenschmerzen). Im Jahr 2006 waren es rund 282.000 gewesen.

Der Trend spiegelt sich auch in den Maßnahmen wider: Fast jeder Dritte der Krankenhauspatienten wird entweder an der Wirbelsäule operiert oder bekommt eine interventionelle Schmerztherapie. Darunter versteht man das Spritzen von Medikamenten in den Rücken, das von einer Bildgebung begleitet und kontrolliert wird. Diese Leistung hat sich den Krankenkassenzahlen zufolge seit 2006 verdoppelt und die Zahl der Kliniken, die eine solche Behandlung anbieten, ist um 40 Prozent gestiegen (von 612 Krankenhäusern im Jahr 2006 auf 858 Kliniken im Jahr 2014).

Die sogenannte multimodale Schmerztherapie, bei der die Betroffenen neben Schulungen auch medizinische und psychologische Beratung und physikalische Therapien bekommen, hat sich in den vergangenen acht Jahren vervierfacht. Diese Behandlung bekommen häufig Patienten, deren Schmerzen durch andere Verfahren nicht gelindert werden konnten. Vor allem Menschen mit chronischen Schmerzen suchen oft jahrelang bei verschiedenen Ärzten nach der richtigen Therapie, ohne sie zu finden.

Nicht selten landen diese Patienten irgendwann auf dem OP-Tisch: Die Zahl der Bandscheiben-Operationen hat dem Report zufolge zwischen 2006 und 2014 um zwölf Prozent zugenommen. Das Problem dabei ist: Ein chirurgischer Eingriff birgt zwar alle Gefahren einer Operation wie etwa Blutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen und Herz-Kreislauf-Probleme durch die Narkose. Eine Garantie, dass die Schmerzen nach dem Eingriff verschwunden sind, gibt es aber nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie etwa hält zur Diagnose Bandscheibenvorfall fest: "Bis zu 90 Prozent der symptomatischen Bandscheibenvorfälle können durch eine konservative Therapie beherrscht werden" - also ohne OP.

Barmer-GEK-Chef Christoph Straub wertet die aktuellen Zahlen auch als Ausdruck dafür, dass Schmerzpatienten zu oft nicht am richtigen Ort therapiert würden. Von den 415.000 Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden, würden 140.000 weder operiert noch bekämen sie eine spezielle Schmerztherapie. "Wir sehen eine deutliche Fehlentwicklung", so Straub.

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Bis 30/40 hatte ich mindestens
wernerwenzel 21.07.2015
3x im Jahr Rückenschmerzen, die ich kaum aushalten konnte. Dann schaute ich mir mal eine Jeans an. Im Sitzen quetscht der enge Bund doch jeden Rücken praktisch zu Brei. Also den obersten Knopf immer aufmachen, wenn man sitzt und nicht in Gesellschaft ist. Den Rest erledigte dann ein halbwegs passables Lattenrost bzw. die gelegentliche Kontrolle desselben. Seitdem habe ich keine Probleme mehr mit dem Rücken. Natürlich sind nicht alle Mitbürger in dieser Hinsicht so dumm wie ich, der ein oder andere aber vielleicht doch, deshalb könnte auch denjenigen schon so ein banaler Tipp helfen.
2. zu wenig
butternut 21.07.2015
In punkto Schmerztherapie sind deutsche Ärzte in der Regel sehr zurückhaltend. Ibuprofen und Diclofenac helfen nur bei leichten bis mittelmäßigen Schmerzen. Dafür sind die Nebenwirkungen von Diclofenac übel. Warum Rückenschmerzpatienten sich Leber und Niere kaputt machen müssen, nur um keine Opioide zu verabreichen, ist mir ein Rätsel. Es ist doch schon seit Jahrzehnten durch unzählige Studien gesichert, dass bei entsprechendem Schmerzgeschehen Opioide seltenst süchtig machen.
3. Psychosomatik
vhn 21.07.2015
Man untersuche zehn Leute von der Straße auf einen Befund am Rücken. Per CT z. B. Davon haben dann fünf einen Befund, der potentiell Schmerzen machen könnte. Allerdings haben von diesen fünf vllt nur zwei Leute Schmerzen, mit denen sie zum Arzt gehen. Gerade beim Thema Rücken äußert sich eine starke psychosomatische Komponente. Der Volksmund kennt das mit Aussprüchen wie "Er hat eine schwere Last zu tragen." oder "Das hat ihm das Rückgrat gebrochen." Durch die Entwicklung in unserer Gesellschaft kommen wundert einen diese Entwicklung der Krankenzahlen im psychosomatischen Bereich nicht. Leider fehlt den Patienten oft die adäquate Therapie. Irgendwann findet sich immer ein berechnender Operateur, der diese Patienten operiert. Stattdessen wäre eher gesunder Menschenverstand angesagt. Sich Zeit nehmen zu können für den Einzelnen. Und eine multimodale Schmerztherapie mit Ärzten, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten. Funktioniert leider in der Praxis viel zu selten. Zuhören und auf jemanden eingehen ist in unserer Gesellschaft leider nicht mehr "in"...
4. Bewegungsmangel
mischamai 21.07.2015
Wenn ich so die Leute in meinem Umfeld beobachte,alles Kreaturen die sich nie bewegen,vom Bürojob in der ach so sportlichen BMW und ab nach Hause bis vor die Tür.Dann schleppt man sich vor den Fernseher und wieder keine Chance für den Körper.Wer seine Rückenmuskulatur derartig vernachlässigt braucht sich nicht zu wundern.Da hilft auch keine OP mehr,ausser dem Chirurgen der darauf noch einen Massenrabatt bekommt,eine Schande wer sich selber so vernichtet.
5. Ignorant
olo_kit 21.07.2015
die Medizin mit ihren "Pillen" und modernen Diagnosegeräten ist gescheitert. Es gibt ganz hervorragende und nebenwirkungsfreie "Anwendungen" die an der Wurzel des Übels - egal ob Kreuzschmerzen, akut oder chronisch - erfolgreich angewendet werden können. Aber wer die (Geld-) Macht hat hat das Sagen. Und die Patienten leiden weiter. Die meisten Erkrankungen haben als Grundursache eine Störung des Energiegleichgewichts im Chi. Die TCM weiss daß schon lange und wendet dieses Wissen erfolgreich an. Der alte Streit und die Ignoranz der (vorwiegend) westlichen Pharma-Medizin mit ihrem Gesundheitssystem verhindern immer noch diese Erforgreichen Anwendungen.
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