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Wurzelbehandlung: Letzte Rettung für den Zahn

Zahnarztpraxis: Frauen gehen häufiger zum Zahnarzt als Männer, auch das steht im Barmer-GEK-Report Zur Großansicht
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Zahnarztpraxis: Frauen gehen häufiger zum Zahnarzt als Männer, auch das steht im Barmer-GEK-Report

Der jährliche Zahnreport der Krankenkasse Barmer GEK analysiert die Erfolge von Wurzelbehandlungen. 89 Prozent der Zähne sind nach drei Jahren noch erhalten, manchmal folgten aber schmerzhafte Folgetherapien.

Berlin - Wenn das Zahnmark stark entzündet oder bereits abgestorben ist, hilft nur noch eines, um den Zahn zu erhalten: eine Wurzelbehandlung. Der Zahnarzt öffnet dann den Zahn und entfernt das Mark, in dem auch Nervenfasern liegen, aus der Wurzel. Je nach Fall werden die Kanäle noch einmal oder mehrmals desinfiziert, bevor sie mit Füllmaterial versehen und verschlossen werden. Ziel der Behandlung ist es, dass der Zahn keine Schmerzen mehr verursacht.

Der aktuelle Zahnreport der Barmer GEK legt in diesem Jahr den Fokus auf die Wurzelbehandlung. Dabei geht er auch der Frage nach, wie viele der so therapierten Zähne nach drei Jahren noch erhalten sind, also nicht gezogen werden mussten. Rund 8,6 Millionen Menschen sind bei der Barmer GEK versichert, also gut zehn Prozent der Bevölkerung. Ausgewertet wurden Daten von 2010 bis 2012, diese wurden zum Teil auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Wie oft droht das Ziehen des wurzelbehandelten Zahns?

Das Ergebnis: 6,1 Prozent der Versicherten unterzogen sich 2012 einer Wurzelbehandlung. Am häufigsten wurde der Eingriff in Berlin (7,2 Prozent) und Sachsen-Anhalt (7 Prozent) durchgeführt; am seltensten in Hessen und Baden-Württemberg (je 5,5 Prozent). In den ebenfalls erfassten Jahren 2010 und 2011 sehen die Daten ähnlich aus.

Die durchschnittlichen Ausgaben für eine Wurzelkanalbehandlung lagen bei rund 125 Euro. War der Zahn bei Therapiebeginn noch vital, waren die Kosten im Schnitt 20 Euro höher als bei einem bereits abgestorbenen Zahn, weil die Behandlung dann aufwendiger ist.

In gut 84 Prozent der Fälle verursachte der wurzelbehandelte Zahn die drei folgenden Jahre keine weiteren Beschwerden, in den übrigen Fällen war eine von den Kassen übernommene Folgebehandlung notwendig. Bei rund zwei Prozent der Zähne führten Zahnärzte eine erneute Wurzelbehandlung durch, bei rund vier Prozent folgte eine Wurzelspitzenresektion, also das chirurgische Entfernen der Wurzelspitzen, in deren Umgebung sich Eiter ansammeln kann. In rund elf Prozent der Fälle wurde der Zahn gezogen.

Überkappung: Die Wurzel schützen

Der Report beschäftigt sich auch mit der sogenannten direkten Überkappung, bei der die Wurzel nicht behandelt wird, sondern das durch eine tiefgehende Karies bedrohte Zahnmark mit Hilfe einer Art Abdeckung geschützt wird. Die Erfolgswahrscheinlichkeit dieser Maßnahme sei jedoch umstritten, so der Report. Je nach Quelle seien nach drei Jahren noch 60 bis 90 Prozent der so behandelten Zähne frei von einer Wurzelentzündung. Die Barmer GEK ermittelte, dass nach drei Jahren bei 72 Prozent der überkappten Zähne noch keine Wurzelbehandlung nötig geworden sei.

Zusätzlich analysiert der Bericht, wie oft die Versicherten generell zum Zahnarzt gehen und was dort an Prophylaxe, Diagnose und Therapie passiert. 2012 haben demnach im Schnitt 74 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer vertragszahnärztliche Leistungen in Anspruch genommen.

Die durchschnittlichen Kosten pro Versichertem lagen, inklusive Eigenanteil, bei 202 Euro (Frauen) beziehungsweise 179 Euro (Männer). Auch hier gab es Unterschiede je nach Bundesland: Der niedrigste Wert kommt aus dem Saarland (173 Euro pro Versichertem), der höchste aus Hamburg (205 Euro pro Versichertem). Wer Zahnersatz brauchte, musste allerdings deutlich tiefer in die Tasche greifen: Rund 1300 Euro kostete dies pro Fall, der Eigenanteil lag bei mehr als 720 Euro.

Versicherte in den neuen Bundesländern nehmen zahnärztliche Behandlungen häufiger in Anspruch als in den alten.

wbr

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Toter Zahn
sbirte 07.05.2014
Meine Erfahrung ist das der Zahn danach abgestorben ist. Ein paar Jahre später verfärbt er sich und nach ca. 10 Jahren ist der Zahn so mürbe das dieser nach und nach zerbricht. Dann kann der Rest gezogen werden und man braucht ne Krone oder Brücke. Gutes Geschäftsmodell für den Zahnarzt. Wir hatten mal nen neuen Zahnarzt wo die ganze Familie nach und nach Wurzelentzündungen nach normalen Kariesbehandlung bekommen hat. Nach meiner dritten Entzündung hab ich wieder zu meinem alten Zahnarzt gewechselt und seitdem nie wieder eine Entzündung gehabt. Meinen Eltern ging es ähnlich. Solche Untersuchungen hinsichtlich der ärztlichen Qualität bzw. Häufungen würde ich viel interessanter finden. Seitdem habe ich eigentlich kaum noch Probleme mit meinen Zähnen gehabt.
2. falsch recherchiert!
Feuerwehrmann001 07.05.2014
"War der Zahn bei Therapiebeginn noch vital, waren die Kosten im Schnitt 20 Euro höher als bei einem bereits abgestorbenen Zahn, weil die Behandlung dann aufwendiger ist." Das ist einfach mal komplett falsch. Das Gegenteil ist der Fall, weil die Bakterien viel weiter vorgedrungen sind und in der Regel das Lumen kleiner ist, daher schwieriger darzustellen und aufzubohren. Die Kasse honoriert nur in diesem Fall die "Vitalextirpation", also die Entfernung des vitalen Nerves nicht. Die Entfernung des abgestorbenen Nerves wird nämlich nicht honoriert. Die dargestellten "durchschnittlichen Kosten" stimmen auch nicht, weil sie nicht die privat in Rechnung gestellten Leistungen enthalten ohne die eine Behandlung am nicht lege artis, also sachgemäß erbracht werden kann. Kein Wunder also, dass dann der Misserfolg auch höher ist, wenns nicht mehr als die 125.- kosten darf. Ich verbrat schon mal für 60-70 Euro Material und brauch 1-2 Stunde n dafür. Danach ist zwar die Erfolgsquote überdurchschnittlich, aber leider auch der Preis.
3. @sbirte
spon-facebook-10000518769 07.05.2014
Klar ist ein wurz.beh. Zahn abgestorben, das ist nicht nur Ihre Erfahrung. Aber statt dummes Zeug zu erzählen ("der will ja nur daran verdienen") lieber mal nachdenken: Wurzelbeh. passieren nur bei einer grossen Karies. Dagegen kann man etwas tun: Zähne putzen.
4. Zeitbombe...
ruhepuls 07.05.2014
Ein wurzelbehandelter Zahn ist eine tickende Zeitbombe, da es praktisch nie gelingt, ihn vollständig zu verfüllen. In den Restkanälen vermehren sich Bakterien und stellen einen Dauerreiz für das Immunsystem dar. Ob das zu Folgen führt, hängt von der Konstitution und sonstigen Belastungen im Einzelfall ab. Es ist zwar blöd, einen Zahn zu verlieren, aber oft ist das Ziehen die bessere Alternative. Ansonsten jährliche Kontrolle per Röntgen, wobei man sich im Klaren sein muss, dass etwa 10-20% der Entzündungen im Kiefer nicht auf dem normalen Röntgenbild zu sehen sind (aber im digitalen CT meist schon).
5. Abgebrochen !!!
spiegelfrauchen 07.05.2014
Gruselige und teure Behandlungen und der Zahn ist nach knapp 2 Jahren abgebrochen. ! Vielen Dank , die Torturen hätte ich mir schenken können .
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Karies
Bakterienschaden
Bakterien im Mund sind völlig normal: Sie gehören zur Mundflora dazu, mehr als 700 verschiedene Bakterienarten tummeln sich in der Mundhöhle. Ist die Mundflora im Gleichgewicht, schützen die dort angesiedelten Bakterien sogar vor Infektionen mit krankmachenden Erregern.

Nach dem Essen bilden die Bakterien gemeinsam mit Speichel einen Biofilm auf den Zähnen, Plaque genannt. Dieser muss regelmäßig entfernt werden. Ansonsten vermehren sich vor allem jene Bakterien, die Karies verursachen können, insbesondere dann, wenn ihnen unbegrenzt Zucker zur Verfügung steht, denn der unterstützt ihren Stoffwechsel. Die Karieskeime, zu denen unter anderem Lactobazillen und verschiedene Streptokokken zählen, produzieren organische Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Karies entsteht.
Vorstufen
Bevor das berühmte Loch im Zahn auftritt, fallen bereits weiße Flecken auf den Zähnen auf. Das sind Stellen, an denen dem Zahn Mineralien fehlen, was noch heilbar ist. Unter anderem deswegen wird Zahnpasta Fluorid zugesetzt: Das Fluorid soll dafür sorgen, dass Mineralien aus dem Speichel wieder in den Zahnschmelz eingebaut werden.
Gefährdete Zähne
Bei Kleinkindern entsteht Karies vor allem am Zahnfleischrand an den oberen Schneidezähnen, Zahnärzte nennen das Nuckelflaschenkaries. Im Kindesalter sind dagegen vor allem die Kauflächen der Backenzähne betroffen. Bei Erwachsenen schließlich sitzt Karies in engen Zahnzwischenräumen. Erst im Seniorenalter kommt es häufiger zu Wurzelkaries an freiligenden Zahnhälsen.
Folgen
Neben unangenehmen Behandlungen beim Zahnarzt droht der Verlust der kariösen Zähne. Je früher der Zahn behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, ihn erhalten zu können. Dabei versucht der Zahnarzt zunächst, die Bakterien daran zu hindern, sich weiter auszubreiten. Der Zahnarzt alleine kann allerdings nicht viel bewirken, wenn der Patient nicht mitmacht: Eine gute Mundhygiene ist Pflicht, damit der Zahn gerettet werden kann.
Vorbeugung
Zahnärzte nennen drei Säulen der Prophylaxe: eine gesunde Ernährung, die gründliche Mundhygiene und regelmäßige Fluoridierung. Zusätzlich gibt es in vielen Zahnarztpraxen Angebote für eine professionelle Zahnreinigung.
Schutz bei Kleinkindern
Stillen gilt als natürlicher Schutz vor Karies. Geht das nicht, kommt es auf die richtigen Sauger an. Die Flasche sollten Kleinkinder nur zu den Mahlzeiten bekommen oder zum Durstlöschen. Und auch dann sollten nur ungesüßte Getränke in der Flasche sein: Wasser oder Tee. Sobald das Kind Zähne hat, sollten man diese mit einer fluoridhaltigen Kleinkindzahnpasta putzen. Sie sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Schutz bei Kindern bis sechs Jahren
Kinder, die ihre Milchzähne haben und selbst Zähne putzen können, sollten das zweimal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta tun. Damit die Zähne komplett geputzt werden, empfehlen Zahnärzte die "KAI-Methode": zuerst die Kauflächen, dann die Außen- und die Innenseite der Zähne.

Die Zahnpasta für Kleinkinder sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Zähneputzen bei Schulkindern
Mit den ersten bleibenden Zähnen gibt es auch eine neue Zahnpasta für die Kinder: 1500 ppm Fluorid empfehlen Zahnärzte, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube. Geputzt wird weiterhin zweimal täglich mindestens zwei Minuten. Weil die bleibenden Zähne enger stehen als die Milchzähne, sollten sich Schulkinder an den Gebrauch von Zahnseide gewöhnen. Einmal täglich empfehlen Zahnärzte.
Tipps für Erwachsene
Natürlich müssen auch Erwachsene nach der KAI-Regel zweimal täglich Zähne putzen. Wichtig ist aber vor allem, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide zu reinigen. Gepflegt werden sollte auch das Zahnfleisch, sonst entstehen Schäden am Zahnhals - wo Karies sich schneller ausbreiten kann.
Zahnbürste und Zahnpasta
Die Zahnbürste sollte man alle drei Monate wechseln. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, wenn Sie unsicher sind, welche die richtige für Sie ist.

Die Zahnpasta sollte einen Fluoridgehalt von 1.400 bis 1.500 ppm haben, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
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