Heil- und Hilfsmittel Krankenkasse beklagt Unterversorgung vieler Patienten

Herzschrittmacher, Rollatoren, Hörgeräte: Medizinische Hilfsmittel werden immer häufiger gebraucht. In einem aktuellen Bericht beklagt die Krankenkasse Barmer GEK, dass viele Patienten unterversorgt sind - und die Zulassung zu lax ist.

Schneller unterwegs mit dem Rollator: Die Kosten für die Gehhilfen werden zum Teil von den Kassen übernommen
DPA

Schneller unterwegs mit dem Rollator: Die Kosten für die Gehhilfen werden zum Teil von den Kassen übernommen


Berlin - Der Bedarf für medizinische Hilfsmittel wird in den kommenden Jahren steigen, vermuten Experten. Doch der Markt sei von Intransparenz geprägt, warnt die Krankenkasse Barmer GEK in ihrem aktuellen "Heil- und Hilfsmittelreport". Der Bericht beruht auf den Daten von mehr als neun Millionen Versicherten der Barmer GEK. Unter Heilmittel werden bestimmte Therapien zusammengefasst: die Arbeit von Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden und Podologen. Zu den Hilfsmitteln zählen etwa Hörgeräte oder Pflegebetten, aber auch Implantate.

"Es gibt Hinweise auf Über-, Unter- und Fehlversorgung", heißt es in dem Bericht. Unterversorgt sind demzufolge etwa Diabetiker, die Anspruch auf medizinische Fußpflege haben. 75 Prozent der Risikopatienten, denen aufgrund ihrer Erkrankung die Entwicklung chronischer Wunden droht, würden nicht podologisch versorgt. Zudem zeigten sich große regionale Unterschiede bei der Inanspruchnahme dieser Leistung.

Nur etwa 40 Prozent der Menschen, die eine chronische Wunde am Unterschenkel (Ulcus cruris) haben, bekommen laut dem Report eine Kompressionstherapie mit entsprechenden Strümpfen und Bandagen. Deren Unterlassung sei bis auf wenige Ausnahmen ein Behandlungsfehler, sagt Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK. Spezielle Verträge der Krankenkasse mit einigen Wundzentren versuchten, dieses Versorgungsdefizit zu überwinden. Nach Angaben der Kasse sind rund 210.000 Menschen in Deutschland von einem Ulcus cruris betroffen.

Fehlender Nutzennachweis bei der Zulassung

Die Krankenkasse beklagt zudem - wie im Vorjahr- die laxen Bedingungen für die Zulassung neuer Medizinprodukte. Oft reiche eine Selbsterklärung der Hersteller, in der versichert wird, dass das Produkt aus technischer Sicht einwandfrei funktioniert. Der Nutzen für den Patienten müsse dagegen nicht erwiesen sein.

Insgesamt haben die Gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2013 rund 5,26 Milliarden Euro für Heilmittel ausgegeben, der größte Posten ist die Physiotherapie. Die Ausgaben für Hilfsmittel beliefen sich auf rund 6,8 Milliarden Euro - in beiden Bereichen ist das im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von mehr als fünf Prozent. Im ersten Halbjahr 2014 seien die Ausgaben für Hilfsmittel sogar um fast elf Prozent nach oben geschnellt, berichtet die Versicherung.

Dies liegt laut dem Report vor allem an Preissteigerungen, der Anstieg bei der Zahl der mit Heil- oder Hilfsmitteln versorgten Versicherten falle deutlich geringer aus. Die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen insgesamt stiegen von 2012 bis 2013 um rund 5,5 Prozent, schreibt die Barmer GEK. Sie beliefen sich, mit Zuzahlungen der Versicherten, auf rund 194,5 Milliarden Euro.

wbr

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Seite 1
gjohann 16.09.2014
1. Zulassung von Hilfsmitteln.
Ich kann ein Lied davon singen, wie untauglich manche Hilfsmittel sind und habe mich auch schon gewundert wie solche Dinge überhaupt zugelassen werden.
fatherted98 16.09.2014
2. Der Kassenrolator...
...ist so schwer und unhandlich das er von gebrechlichen Senioren eh nicht verwendet werden kann...insofern steht er meist in der Ecke...tja...sinnvoller Mitteleinsatz.
skeptiker53 16.09.2014
3. Unterversorgung ?!?
Unterversorgung ? Ach was, das verwundert uns jetzt...Wo die armen Krankenkassen doch jeden Doctor zigmal im Jahr klarmachen, wo seine Budgetgrenzen (für Heilmittel, Hilfsmittel und Arznei) liegen, damit er bloß nix zuviel aufschreibt. Als weitere Unterstützung bekommt er dann noch tolle, schöne Fragebogen worauf er ausführlich erklären darf, warum Patient XY nun gerade Hilfsmittel ABC braucht, inklusive bisherige Behandlungen ("und warum diese nicht erfolgreich waren...") und kodierte Diagnosen. Aber klar, es ist die Schuld der bösen Ärzte, wenn die Leute jetzt unterversorgt sind...
inci3 16.09.2014
4.
Zwei Anmerkungen dazu: 1. Die angebliche Unterversorgung hat nichts mit den Hilfsmitteln selbst zu tun, sondern mit den Verordnungen. Und da sind die Kassen die ersten, die den Rotstift ansetzen, wenn es um das Streichen bzw. nicht übernehmen von Hilfsmitteln geht. 2. Gäbe es nicht diesen Grund zum meckern, würde über die viel zu teure Verordnung von Hilfsmitteln gemeckert, die die Kassen in den Ruin trieben.
sachfahnder 16.09.2014
5. Was erzählt der Typ...
.. von der BEK / GEK denn da für einen Stuss? Diese Kasse rödelt und windet sich bei mir seit Jahren um die Zuzahlung für ein Hörgerät! Aber jeden Monat die maximalen Beiträge kassieren :(
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