Krankenhäuser Ärztekammer bestätigt 2200 Behandlungsfehler

Vergessenes Operationsbesteck, dramatische Verwechslungen, mangelnde Hygiene: Mehr als zehntausend Menschen haben sich im Jahr 2013 wegen Behandlungsfehlern beschwert. In 2200 Fällen hatten die Patienten nach SPIEGEL-Informationen recht.

Schwester greift nach OP-Besteck: Im Jahr 2013 machten Ärzte 2200 Fehler
DPA

Schwester greift nach OP-Besteck: Im Jahr 2013 machten Ärzte 2200 Fehler


Hamburg - Rund 12.000 Patienten haben sich im Jahr 2013 bei den Ärztekammern wegen vermuteter Behandlungsfehler beschwert. 8000 Fälle wurden abgeschlossen, davon hat sich in rund 2200 Fällen der Verdacht bestätigt. Nach SPIEGEL-Informationen geht dies aus der aktuellen Statistik der Kammern hervor.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, führt dies auf wachsenden Stress zurück: "Seit Jahren steigt die Arbeitsintensität in deutschen Kliniken und Praxen." Lange Arbeitszeiten und ständiger Leistungsdruck erhöhten die Fehlerwahrscheinlichkeit.

Daher sei "bemerkenswert", dass die Zahl der registrierten Behandlungsfehler in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben sei. Auch die gesetzlichen Krankenkassen prüfen Verdachtsfälle: Ihr Medizinischer Dienst hatte 2013 rund 14600 Gutachten erstellt und dabei knapp 3700 Behandlungsfehler festgestellt.



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felix-ferry 22.06.2014
1. Als Patient hat man in Deutschland fast kein Chance
zu seinem Recht zu kommen. Der Gutachter ist ebenfalls ein Arzt und keine neutrale Stelle. Alle gehören dem selben Krähenclan an . Selbst offensichtliche Fehler werden stets abgewiegelt. Es muss schon was sehr extremes geschehen sein damit ein Patient zu seinem recht kommt. Darum schießt fast jede Rechtschutzversicherung Behandlungsfehler aus. Man hat halt keine Chance zu gewinnen.
Spiegelleserin57 22.06.2014
2. die Dunkelziffer dürfte weit höher sein..
nicht jeder Patient versteht was passiert und in die Akten Einsicht nehmen nur wenige da viele Akten auch nur nach sehr großen Konflikten einsehbar sind. Vieles kann man auch einfach wegdiskutieren und letztendlich gilt das Krähenprinzip. Mir sagte mal ein Professor sehr deutlich dass sein Vorgänger einen gravierenden Fehler begangen habe und als ich später gegen diesen Arzt vorgehen wollte und den Professor als Gutachter heranziehen wollte fiel es ihm sehr sehr schwer überhaupt etwas noch in diesem Fall zu sagen und letztendlich kam nur Schweigen. man braucht sehr gute Anwälte um etwas zu bewirken und Gutachten. Nicht zuletzt hilft im Extremfall die Gerichtsmedizin deren Wert leider bis heute nur ungenügend Anerkennung findet da sie der einzige Bereich ist der sehr stark zur Aufklärung betragen kann, nur leider ist dann für den Patienten zu spät!
lemmuh 22.06.2014
3.
Zitat von felix-ferryzu seinem Recht zu kommen. Der Gutachter ist ebenfalls ein Arzt und keine neutrale Stelle. Alle gehören dem selben Krähenclan an . Selbst offensichtliche Fehler werden stets abgewiegelt. Es muss schon was sehr extremes geschehen sein damit ein Patient zu seinem recht kommt. Darum schießt fast jede Rechtschutzversicherung Behandlungsfehler aus. Man hat halt keine Chance zu gewinnen.
Ein Gutachter ist aber immer und überall vom Fach, sonst bräuchte man in ja überhaupt nicht.
tom_ 22.06.2014
4. In 2200 Fällen hatten die Patienten recht....
Das geht davon aus, dass die Bewertungen korrekt waren. Hier möchte ich kurz ein Beispiel aus eigenem Erleben schildern. Vor einigen Jahren stürzte meine Mutter im Treppenhaus und zog sich dabei eine Kopfverletzung zu. Sie machte (das mag dem Schock geschuldet sein) den Fehler den Hausarzt anzurufen, statt sich ins Krankenhaus bringen zu lassen. Von Seiten der Ärztin wurde die Kopfwunde gerade abschließend versorgt als ich eintraf. Die Ärztin meinte, ich solle mit ihr in ein paar Tagen bei einem Unfallarzt vorbeisehen. Das Risiko innerer Verletzungen, einer Gehirnerschütterung etc. ignorierte sie. Später stellte sich heraus, dass sie die Kopfwunde OHNE REINIGUNG verschlossen hatte. Das Gewebe unter der Kopfhaut hat sich handtellergroß bis auf den Knochen verflüssigt. Es fanden sich Sandkörner, Fusseln und mehr in der Wunde. Langwierige Nachbehandlung folgte. Laut Beurteilung des Falles kein Kunstfehler. Gehen wir davon aus, dass es erheblich mehr Kunstfehler gibt. Die meisten werden nur "unter den Teppich" gekehrt. Davon abgesehen wissen viele Leute gar nicht, dass sie falsch behandelt bzw. diagnostiziert werden, so dass sich auch daraus eine große Dunkelziffer ergibt.
einmensch2013 22.06.2014
5. Nicht nur die Zahl der Behandlungsfehler
steigt. Auch die Zahl der Anklagen steigt. Wir werden in Deutschland bald eine Situation wie in den USA haben, dass vor jedem Krankenhaus ein Anwalt mit einer Visitenkarte steht und fragt, ob man der Meinung ist, dass alles optimal verlaufen ist. Nein, es läuft nicht immer alles optimal, ja, Ärzte machen tatsächlich Fehler. Für einen Patienten ist das tragisch, jedoch gibt es tatsächlich viele Anlaufstellen für Patienten, was gut so ist. Allerdings sollte sich die Gesellschaft fragen, was ihr ausgeschlafene, hoch motivierte und bestens ausgebildete Ärzte wert sind. Ich kenne nur wenige Leute, die den psychischen und physischen Belastungen dieses Berufes gewachsen sind. Etwas mehr Respekt vor den "Krähen" wäre durchaus angebracht.
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