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15. Februar 2013, 15:57 Uhr

Belgische Studie

Weniger Frühgeborene nach Rauchverbot

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Öffentliche Rauchverbote können ungeborene Kinder schützen: In Belgien hat das Risiko für eine Frühgeburt abgenommen, seitdem in Restaurants und Bars nicht mehr geraucht werden darf. Pro tausend Geburten verhindert das Rauchverbot sechs Frühgeburten, heißt es in einer Studie.

Solange das Rauchen in der Öffentlichkeit erlaubt ist, müssen auch Risikogruppen zwangsläufig mitrauchen. Zu ihnen zählen Schwangere: Der Rauch gefährdet auch ihr ungeborene Kind. Es ist bekannt, dass Rauchen das Risiko für eine Frühgeburt erhöht. Im Umkehrschluss müsste ein öffentliches Rauchverbot helfen, die Frühgeburtenrate zu senken. Dieser Theorie sind belgische Forscher der Universität Hasselt erstmals nachgegangen.

In Belgien wurde das öffentliche Rauchverbote in drei Stufen eingeführt: zunächst am Arbeitsplatz, dann in Restaurants, schließlich in Bars. Tatsächlich konnten die Forscher zeigen, dass das Risiko für Frühgeburten passend zu diesen Stufen immer weiter abgenommen hat. Das Rauchverbot hat nach den Ergebnissen der Forscher sechs Frühgeburten je tausend Geburten verhindert.

Rauchen Schwangere, sind ihre Babys bei der Geburt häufig leichter als die von Nichtraucherinnen. Diesen negativen Effekt kann auch das Passivrauchen auslösen. Das haben bereits frühere Studien gezeigt. Das steigende Risiko für eine Frühgeburt hat für die Kinder eine lebenslange Bedeutung: Verschiedene Studien liefern Hinweise, dass das Risiko für unterschiedliche Krankheiten auch über die Kindheit hinaus ansteigt.

Umfassende Daten aus Geburtsregister

Tim Nawrot und seine Kollegen untersuchten das Risiko für Frühgeburten in Belgien zwischen 2002 und 2011 - dieser Zeitraum umfasst die Einführung des Rauchverbots an den meisten Arbeitsplätzen (2006), in Restaurants (2007) und in Bars, die auch Essen servieren (2010). Als Frühgeburt galten Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. Nach dem Beginn jeder neuen Stufe des Rauchverbots sank das Frühgeburtsrisiko ab. Vor dem Einsetzen der Verbote beobachteten die Wissenschaftler dagegen keine solchen Effekte, berichten sie im "British Medical Journal".

Die belgischen Forscher konnten auf die Daten eines umfassenden Geburtenregisters zurückgreifen, das nahezu alle Geburten in dem nordbelgischen Landesteil erfasst. 99 Prozent aller Kinder in in Flandern kommen in Geburtskliniken zur Welt. Insgesamt analysierten sie die Daten von mehr als 600.000 in Flandern geborenen Kindern, die zwischen der 24. und 44. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. Mehr als 32.000 der Neugeborenen wurden vor der 37. Schwangerschaftswoche frühgeboren.

Nach dem Restaurant-Rauchverbot im Januar 2007 sank das Risiko für eine Frühgeburt um 3,13 Prozent, nach dem Bar-Rauchverbot im Januar 2010 noch einmal um weitere 2,65 Prozent. Einen Einfluss auf das Geburtsgewicht von Kindern oder das Gewicht im Verhältnis zur Schwangerschaftswoche konnten die Wissenschaftler dagegen nicht beobachten.

600.000 Nichtraucher sterben an Rauchfolgen

Eine Reihe von Störfaktoren rechneten die Forscher aus den Rohdaten heraus, damit diese das Ergebnis nicht verzerren: Außer den in vielen medizinischen Studien üblichen Faktoren wie zum Beispiel dem Haushaltseinkommen, der Bildung, dem Alter der Schwangeren, dem Geschlecht des Kindes oder dem Wohnort der Mutter berücksichtigten die Wissenschaftler auch die Temperatur am Geburtstag und das Auftreten von Grippewellen.

Die Beobachtungsstudie kann nicht belegen, dass ein Rauchverbot die Ursache für den Rückgang der Frühgeburtenrate ist - sie kann nur einen statistischen Zusammenhang aufdecken. Den zeitlichen Zusammenhang des Risikorückgangs mit dem Inkrafttreten der Rauchverbotsstufen werten die belgischen Forscher allerdings als Hinweis auf das Gesetz als mögliche Ursache. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass andere Faktoren für den Risikorückgang verantwortlich sind. So wussten die Wissenschaftler zum Beispiel nichts über das tatsächliche Rauchverhalten der Schwangeren. Insgesamt hat die Rate der Raucherinnen in Flandern im Studienzeitraum abgenommen.

"Unsere Studie zeigt ein stetiges Muster in der Abnahme des Risikos für Frühgeburten mit der Umsetzung öffentlicher Rauchverbote", schreiben die Forscher. Die Ergebnisse stützten die Argumentation für öffentliche Rauchverbote zum Schutz von Nichtrauchern. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben an den Folgen des Tabakmissbrauchs weltweit jährlich etwa sechs Millionen Menschen, darunter mehr als 600.000 Nichtraucher, die Passivrauch ausgesetzt sind.

Gesundheitswissenschaftler hoffen, dass weitere europäische Länder öffentliche Rauchverbote einführen werden. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass sie sowohl das Risiko für Herzinfarkte als auch das für Asthmaanfälle senken. In Deutschland gelten seit Juli 2008 in allen Bundesländern Rauchverbote.

mit Material von Reuters

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